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Übersicht der Stückgutkooperationen

B2C beflügelt die Geschäfte

Foto: Bernd Jung

Die Volumina sind da, die Wachstumsaussichten auch: Die Marktübersicht beleuchtet die Situation der deutschen Stückgutkooperationen und ihre Erwartungen für das Jahr 2018.

Der Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel führt in seiner Bilanzmitteilung 2017 die "hohen Volumensteigerungen beim Stückgut" extra auf – und auch die Stückgutkooperationen können von dem Trend profitieren. Befeuert wird das Wachstum auch durch den E-Commerce und das daraus resultierende Geschäft mit dem Endverbraucher.

Die größte Herausforderung ist dabei für die meisten die Frage, ob sich das klassische Geschäft und das neue B2C-Modell gemeinsam abwickeln lassen und wie die im Privatkundengeschäft notwendigen Terminvereinbarungen machbar sind. Andreas Jäschke von der Kooperation VTL sieht die Zustellkosten im Vergleich zu einer B2B-Abfertigung bis zu 31 Prozent teurer, und zusätzliche Herausforderungen wie die Parkplatzsuche in Wohngebieten und die Frage der Verbringung in Haus oder Wohnung des Kunden. "Ein Mix aus beiden Sendungen auf einem Auto führt dazu, dass die Stoppdichte sinkt und somit der wirtschaftliche Erfolg des Fahrzeugs." Bislang stünde der Bereich aber nicht im Fokus der VTL.
Auch die Kooperation OSL arbeitet mit Privatkunden, sechs Prozent beträgt laut Geschäftsführerin Sandra Bugiel der Anteil an der Sendungsmenge, die Kooperation ILN macht immerhin drei Prozent ihres Umsatzes mit B2C. Sie hat nach eigenen Angaben ein Avisierungstool und das Produkt B2C Serviceline aufgestellt. Mit der Einführung eines separaten Produkts hat auch die Kooperation Dialog auf das Wachstumspotenzial in dem Bereich reagiert. Geschäftsführer Uwe Komma sieht beim Wachstum deutliches Potenzial nach oben. Dabei sind es für ihn nicht höhere Zustellkosten, die das Geschäfts kennzeichnen, "jedoch teils ein erheblicher Mehraufwand".

Gemeinsame Abwicklung

CTL nimmt keine Trennung zwischen Geschäfts- und Privatkunden vor: "Wir sehen keine signifikanten Unterschiede, wenn die Informationskette zwischen Shop, dem Versanddepot, der Kooperation, dem Empfangsdepot und dem Kunden funktioniert", sagt Patrick Haust, zuständig für das Finanzcontrolling. Aktuell werden beide Bereiche nebeneinander abgewickelt, was in der Regel auch funktioniere – wegen Ausnahmen eine neue Abwicklung aufzusetzen "wäre falsch".

Die Kooperation Star wendet nach eigenen Angaben eine automatisierte Informationssteuerung mit dem Endkunden an, um die Lagerzeiten im Depot zu verkürzen. Ziel müsse es aber auch sein, die Endkunden für die stückgutspezifischen Anforderungen zu sensibilisieren und gleichzeitig die Standardprozesse flexibler zu gestalten, um eine notwendige simultane Abfertigung möglich zu machen. Zusatzanforderungen wie Abtragen oder Entsorgung würden die industriellen Abläufe aber zu stark stören.

Nebeneinander ist gelebte Praxis

Auch bei IDS geht eine beträchtliche Anzahl bereits an Endkunden – die per automatisiertem Avis per E-Mail und SMS über die Zustellung informiert werden. Auf eine getrennte Abwicklung verzichtet das Netzwerk aus Kleinostheim: "Das Nebeneinander ist gelebte Praxis", heißt es. Die Mehrkosten für die private Zustellung belaufen sich demzufolge auf unter 25 Prozent. Um im Privatkunden-Bereich ebenso schnelle Durchlaufzeiten wie für B2B-Güter zu erreichen, hat das Netzwerk System Alliance aus Niederaula ein webbasiertes Avisportal am Start, über das die Empfänger am Versandtag der Sendung einen Zustelltermin buchen. Dabei würden die Qualität der Kontaktdaten wie auch die Bereitschaft der Empfänger, den digitalen Avisprozess zu unterstützen, eine wichtige Rolle spielen.

Einen gleich hohen Anteil an der Gesamtsendungsmenge gibt Cargoline an, die dennoch B2C nur als "Ergänzung" des industriellen Hauptgeschäfts sieht. Für das Produkt B2C-Line bietet Cargoline demnach dem Empfänger bis zu drei mögliche Zustelltermine oder einen eigenen Terminvorschlag sowie optionale Zustellungsvarianten an, bis hin zur Zwei-Mann-Zustellung plus Abtragen und Mitnahmen der Palette. "Es gibt Sendungen, die wie B2B-Stückgut durchproduziert werden können, und andere, die aufwendiger sind", so das Fazit von Cargoline – auf lange Sicht sei es daher sinnvoll, eine eigene Abwicklung zu prüfen.

"Nach unseren Erfahrungen sind B2B- und B2C-Zustellungen durchaus kombinierbar, erfordern aber ein höheres Maß an Kommunikation zwischen Fahrer, Disposition und Empfänger", meint Peter Baumann von der Kooperation 24 plus. Er empfiehlt eine Trennung nur im Großkundengeschäft und bei B2C-Sonderlösungen, etwa im Bereich Medical Care. Für B2C habe 24 plus ein Tool entwickelt, um die Avisierung von Privatkundensendungen zu rationalisieren. Ein Partner setzte für die Avisierung mit Erfolg eigens Kaufleute für Dialogmarketing ein, die im Betrieb selbst ausgebildet werden.

Empfehlung zu Preiserhöhung

"Für die Veränderungen der Sendungsstrukturen im Stückgutbereich ist der Zuwachs an Handelsware mindestens so bedeutsam wie die B2C-Sendungen", sagt Baumann auch. Ein Problem: Dieses wachsende Volumen spiegelt sich allerdings nicht unbedingt in der Ertragssituation der Unternehmen wider. Zu den Belastungen durch steigende Personal- und Sachkosten kommen 2018 dann auch noch Mehrkosten durch die Ausweitung der Maut auf Bundesstraßen im Juli hinzu. Das Gemeinsame aller Stückgutkooperationen: Alle empfehlen ihren Mitgliedern, die Preise anzuheben, um die Kostensteigerungen weiterzugeben.

Netzwerksicherheit garantieren

Netzwerksicherheit ist ein großes Thema aller Stückgutkooperationen. Ein Gebiet neu zu besetzen gleicht in diesen Zeiten einer Herkules-Aufgabe. trans aktuell hat daher die Akteure des deutschen Stückgutmarktes befragt, wie sie ihre Netzwerke sichern. 2017 war in dieser Hinsicht ein turbulentes Jahr mit dem Rückzug von Raben: Das Unternehmen hatte sich in den Jahren zuvor durch Zukäufe gestärkt und dann 2017 den ersten Schnitt gemacht, um mit 29 Standorten sein eigenes Netzwerk zu gründen. Betroffen waren dadurch die Kooperationen System Alliance und Cargoline.

"Wir haben wir frühzeitig nach Alternativen Ausschau gehalten und zum 1. Januar 2018 lückenlos zwei neue Partner für die beiden Raben-Standorte aufgeschaltet, die Ende 2017 ausgeschieden sind", teilt Cargoline mit. So seien keine Lücken im Netzwerk entstanden.
Das Cargoline-Rezept für ein stabiles Netzwerk: Mitglieder auf Augenhöhe, pro Standort möglichst den Platzhirschen als Mitglied zu gewinnen, frühzeitig mit den Partnern über eine Nachfolgeregelung zu sprechen und gegebenenfalls Lösungen anbieten. Auch ein Riskmanagement, die Bereitstellung einer Task Force und eines Fahrzeugpools zur Bewältigung extremer saisonaler Schwankungen gehören demnach dazu.

Ausfall von Raben bewältigt

Auch System Alliance hat den Ausfall von Raben als Gesellschafter bewältigt und die vakanten Systemgebiete zum Januar vollständig neu besetzt. "Den Gemeinschaftserfolg im Netzwerk erreichen wir durch aktive Zusammenarbeit. Die Sicherheit, ein flächendeckendes Netzwerk anbieten zu können, erreichen wir durch eine stetige enge Abstimmung mit allen Beteiligten und der Bereitschaft, den Anforderungen mit praktischen Lösungen zu begegnen", teilt das Netzwerk mit. Auch das Bekenntnis zu einer offenen Kooperation, Flexibilität bei Gebietsarrondierungen, gebietsbezogene Partnerengagements und regionale Zusammenarbeit seien "immer wieder eine gute Basis für gute Lösungen".

Laut 24plus war das eigene Netzwerk trotz mehrerer Veränderungen in der Partnerstruktur stabil, die Flächendeckung war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet. 24plus war gemeinsam mit der Online Systemlogistik eine der ersten, die eine Zusammenarbeit mit einer anderen Sammelgutkooperation anstrebte. Mit Erfolg: Der Wegfall des Partners in Schkeuditz (Kunzendorf Spedition) konnte demnach mit der dualen Partnerschaft mit Online kompensiert werden. "Durch unsere strategische Kooperation mit der Online Systemlogistik konnten beide Netze ihre Netzwerkstabilität verbessern. Dies reicht von der temporären Unterstützung bei hohen Sendungsvolumina über den Erfahrungsaustausch vor Ort bis hin zu dualen Partnerschaften in beiden Netzen."

Zusammenarbeit stärkt Kooperationen

Das sieht Online-Systemlogistik ebenso: "Auch wenn die Netzwerkabdeckung und -dichte allgemein Thema bleiben wird, sehen wir uns für die Zukunft gut aufgestellt. Wir sind zuversichtlich, bei strukturellen Veränderungen eine Lösung zu finden. Zusätzlich stärkt uns die enge Zusammenarbeit mit der 24plus." Nach Ansicht von OSL-Geschäftsführerin Sandra Bugiel müssen die Kooperationen für ihre Partner attraktiv bleiben. "Unsere Partner wissen vor allem die Qualität und Zuverlässigkeit unseres Systems zu schätzen. Sie profitieren von einer großen Länderabdeckung im Europaverkehr. Unsere Qualitätsstandards gelten über Ländergrenzen hinweg."

Den Weg der Kooperation beschreiten auch VTL, ILN und Star. Keines der drei Netzwerke hatte 2017 Lücken zu beklagen. Allerdings hatte VTL nach eigenen Angaben an sieben Standorten Handlungsbedarf aufgrund von Depotverlusten, "diese Lücken konnten eins zu eins geschlossen werden".

Lücken schließen musste auch die Kooperation Dialog und zwar laut Geschäftsführer Uwe Komma konkret in München, Stuttgart, Würzburg, Dresden und im Rheinland. Welche Hebel zur Netzwerksicherung den meisten Erfolg versprechen? "Das Engagement starker Mittelständler innerhalb der Kooperation“, sagt Komma.

Auch CTL kennt die Stellschrauben für eine gute Zusammenarbeit: "Auskömmliche und betriebswirtschaftliche Strukturen bei den Partnern, Spaß am Geschäft, Passion für den Kunden, Incentivieren statt Knebel und kleine Zustellgebiete." Nach eigenen Angaben konnte CTL im vergangenen Jahr trotz der Mehrmengenproblematik die Flächendeckung für gesamt Deutschland dauerhaft gewährleisten. Alles andere als  Lücken auch bei IDS: Nach eigenen Angaben hat die Kooperation ihr Netz aufgrund des Mengenanstiegs um drei Standorte auf jetzt 47 Depots aufgestockt.

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