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Transgourmet nutzt Kamera-Monitor-Systeme

Keine Chance dem toten Winkel

Transgourmet, Flotte, Abbiegeassistent Foto: Transgourmet

Der Lebensmittelzulieferer Transgourmet setzt zur Vermeidung von Abbiegeunfällen die Kamera-Monitor-Systeme von Brigade ein.

Die Meldungen über Abbiege­unfälle häufen sich vor allem in den Sommer­monaten, wenn viele Radfahrer im dichten Stadtverkehr unterwegs sind. Um den meist tödlichen Unfällen vorzubeugen, fordert der Bundesrat nun den verpflichtenden Einbau von Abbiegeassistenten in Nutzfahrzeugen ab 7,5 Tonnen. Der Lebensmittelzulieferer Transgourmet vollzieht diesen Schritt momentan schon. Auslöser: Ein Abbiegeunfall im Jahr 2014 mit tödlichem Ausgang, in den ein Fahrzeug des Unternehmens verwickelt war.

"Wir haben daraufhin verschiedene Kamera-Monitor-Systeme für Lkw getestet, um solchen Unfällen künftig vorzubeugen", erklärt Dennis Nehrbaß, Service-verantwortlicher Flottenmanager bei Transgourmet, im Gespräch mit trans aktuell. Die Wahl fiel schließlich auf die Technologie der Firma Brigade Elektronics aus Neumünster (Schleswig-Holstein). "Von Seiten der Hersteller gab und gibt es leider keine zu unseren Anforderungen passende Werkslösung", sagt Sven Sauerwein, Leitung Zentralbereich Logistik Services.

Die Lösung ist einfach zu bedienen

Dabei ist die Brigade-Lösung einfach zu bedienen: Setzt der Fahrer den Blinker nach rechts, taucht im Bildschirm neben dem Lenkrad der Bereich des toten Winkels auf. Im selben Monitor sehen die Fahrer auch die Aufnahmen der Rückfahrkamera, die seit dem Jahr 2000 zum festen Inventar der Transgourmet-Flotte zählt. Das System funktioniert aber auch ohne Blinken. Ein Lenkwinkelsensor schaltet es beim Einschlagen des Lenkrads nach rechts ebenso ein. Darüber hinaus sind zwei Sensoren im Tritt der Beifahrerseite verbaut, die zusätzlich ein akustisches Signal geben, wenn sich ein Hindernis im toten Winkel befindet.

Einziger Nachteil der seit 2016 verbauten Technologie: Sie unterscheidet noch nicht zwischen Gegenständen und Menschen. Dementsprechend löst auch ein Mülleimer den Piepton aus, der die Fahrer vor der Gefahr im toten Winkel warnt. "Aber besser einmal zu viel warnen als einmal zu wenig", sagt Sauerwein.

Mehrkosten in Kauf nehmen

Die Mehrkosten, die durch den Einbau des Systems entstehen, nimmt er gerne in Kauf: "Ein Menschenleben ist kostbarer." Wie viele Abbiegeunfälle die Technologie bereits verhindert hat, lässt sich nicht sagen. Fest steht: Seit 2014 ist kein solcher Unfall mehr passiert. Von den insgesamt rund 850 eigenen Fahrzeugen sollen bis Ende des Jahres 320 mit dieser Lösung versehen sein. "Wir tauschen unsere Fahrzeuge nach acht Jahren aus, sodass in wenigen Jahren die gesamte Flotte damit ausgestattet sein wird", erklärt Sauerwein. Die Tochter des Schweizer Handelsunternehmens Coop setzt vor allem 16-Tonner ein, aber auch Fahrzeuge mit 3,5 und 7,2 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht sowie 26-Tonner gehören zum Fuhrpark.

Doch das Unternehmen mit Hauptsitz in Riedstadt (Hessen) belässt es in Sachen Sicherheit nicht bei dem Kamera-Monitor-System. Alle Zustellbetriebe verfügen über eine Spiegeleinstellfläche, die ebenfalls die Gefahr des toten Winkels minimieren soll. Die ältereren Fahrzeuge stattete Transgourmet nachträglich mit dem Fahrerassistenzsystem Mobil­eye aus. "Da unsere Fahrer und Fahrzeuge vor allem im Stadtverkehr unterwegs sind, kann es häufiger zu Unfällen kommen", erklärt Nehrbaß die Maßnahmen.

Transgourmet legt Wert auf eigene Fahrer und Fahrzeuge

Die rund 1.100 Fahrer des Unternehmens beliefern deutschlandweit Großverbraucher in der Gastronomie und der Gemeinschaftsverpflegung. Dabei legt Transgourmet Wert auf eigene Fahrer und Fahrzeuge und beschäftigt nur noch wenige Sub­unternehmer. "Die Fahrer sind unsere Visitenkarte beim Kunden", sagt Sauerwein. Bei Subunternehmern wisse man eben nicht, wer die Ware bei der Kundschaft anliefere.

Das Problem Fahrermangel treibt Transgourmet zwar auch um, doch aufgrund der geregelten Arbeitszeiten findet das Unternehmen noch genügend Personal. Allerdings sollten die Fahrer keine Morgenmuffel sein. "Die Tour beginnt morgens um halb vier, meist beliefern die Fahrer zwölf Kunden an einem Tag“, erklärt Sauerwein. Um den Fahrern weitere Anreize zu bieten und den Transport noch sicherer zu machen, gründete Transgourmet 2014 die firmeneigene Truck-Akademie mit einem fest angestellten Fahrlehrer und fünf externen. Sie begleiten unter anderem die Fahrer einen Tag lang im Rahmen eines Eco-Fahrtrainings auf ihrer Tour. "Unser Ziel lautet, jedes Jahr einem Drittel der Fahrer einen Tag lang über die Schulter zu schauen", erklärt Nehrbaß.

Bei den Fahrern komme das gut an. "Die Fahrlehrer packen unterwegs auch mal mit an und helfen bei der Auslieferung", sagt der Flottenmanager. Aber vor allem bringe den Fahrern die Unterstützung unter realen Bedingungen mehr als ein Trainingsparcours. Auf Übungen im Parcours verzichtet das Team der Truck-Akademie trotzdem nicht, denn regelmäßige Rangiertrainings stehen ebenfalls auf dem Programm. An den Samstagen finden außerdem die Modulschulungen zur Berufskraftfahrerqualifikation statt.

Schulungen für Fahrzeuge mit alternativem Antrieb

Neu im Portfolio sind Schulungen für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. "Unser E-Force kommt bei den Fahrern super an", berichtet Nehrbaß. Der elektrische 18-Tonner ist in Berlin im Einsatz. Für die Transgourmet-Tochter EGV fährt seit Februar ein Streetscooter mit Kühlaufbau, Transgourmet selbst setzt noch in diesem Jahr ebenfalls drei Elektrotransporter des Aachener Unternehmens ein. Zudem schafft sich der Lebensmittelhändler im Juli zehn Erdgas-Lkw an – fünf von Iveco, fünf von Scania. "Vor allem für die Gas-Lkw planen wir Einweisungen, etwa für das richtige Betanken, um den Mitarbeitern die Angst zu nehmen", erklärt Nehrbaß. Regelmäßige Schulungen und die richtigen Technologien: Damit will Transgourmet die Straßen sicherer machen und vor allem Abbiegeunfällen künftig einen Riegel vorschieben.

Das Unternehmen

  • Transgourmet beliefert deutschlandweit Großverbraucher in Gastronomie und der Gemeinschaftsverpflegung. Fachberatung und Konzepte für effizientere Abläufe gehören ebenfalls zum Portfolio
  • Hauptsitz in Riedstadt (Hessen), insgesamt 14 Betriebsstandorte
  • Mehr als 3.800 Mitarbeiter, davon rund 1.100 Fahrer
  • Etwa 41.000 Kunden
  • Gehört zur Coop-Gruppe, bis 2014 firmierte Transgourmet unter dem Namen Rewe-Foodservice
  • 1,3 Milliarden Euro Umsatz (2016)
  • 850 eigene Fahrzeuge
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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Carsten Nallinger Carsten Nallinger Lkw-Navigation
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