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trans aktuell-Webinar zum Klimaschutz

Dringender Auftrag für alle

Foto: Havi Logistics

trans aktuell-Webinar zum Thema Klimaschutz mit Experten und Praktikern. Sie diskutierten, wie in der Flotte die Einsparungsziele für den Klimaschutz erreicht werden können und was wirtschftaftlich sinnvoll ist.

Politik und Gesellschaft machen dem Verkehrsbereich Druck, seine Emissionen zu senken. Welche Möglichkeiten es gibt, entsprechende Potenziale in der Flotte zu heben und damit die Herkulesaufgabe Klimaschutz zu bewältigen, machte das Webinar von trans aktuell deutlich.

Herkulesaufgabe Klimaschutz

Herkulesaufgabe auch deswegen, weil es Kraft und Anstrengung brauchen wird, den Güterverkehr dauerhaft nachhaltiger zu machen. Joanna Behrend, Managerin Competence Center Sustainability bei GS1 Germany und mitverantwortlich für die Initiative Lean and Green in Deutschland, machte deutlich, dass der Bund seine Zielsetzung mit einem aktuellen Beschluss nochmals verschärft hat: Das Klimaziel 2030 wurde von 55 auf 65 Prozent Emissionsminderung auf dem Stand von 1990 angehoben.

„Das wesentliche Mittel, um mehr Klimaschutz umzusetzen, ist die CO2-Bepreisung. Durch sie will der Bund auch die Innovationen vorantreiben, die zur Emissionsminderung beitragen. Das wird für viele Unternehmen auch zur ökonomischen Herausforderung“, sagte Behrend bei dem Webinar.

Potenziale für eine grüne Logistik zeige die Initiative Lean and Green auf. In deren Rahmen verpflichten sich Unternehmen im ersten Schritt, ihre Treibhausgasemissionen innerhalb von fünf Jahren um 20 Prozent zu reduzieren.

Erfahrungsaustausch bei Lean and Green

Die Unternehmen müssen diesen Weg laut Behrend nicht allein beschreiten. Zum einen gebe es vorgegebene Rahmenwerke, an denen sie sich bei der Emissionsminderung orientieren könnten. Zum anderen setzt die Initiative stark auf das Thema Netzwerk und Community, also den Erfahrungsaustausch. Mehr als 500 aktiv teilnehmende Unternehmen in Europa hat die Initiative bereits. Oft angewendete Maßnahmen seien etwa Fahrerschulungen, Incentivierung von Fahrern und der Umstieg auf Grünstrom im Lager.

„CO2 reduzieren bedeutet Kosten sparen“, machte Behrend den Webinar-Teilnehmern deutlich. Ein Hebel, um das zu erreichen, seien Kollaborationen, indem Unternehmen etwa die verfügbaren Tools zur Emissionsminderung nutzten oder indem sie sogar untereinander zusammenarbeiteten, wie es etwa Kaufland und Eckes Granini mit einem Transportraum-Sharing vormachten. „Es ist wichtig, über Unternehmensgrenzen hinweg zu denken.“

Einsparungen durch Optimierung des Luftwiderstands

Auch beim Thema Fahrzeugeffizienz sind neue Denkrichtungen angebracht. Dirk Sieprath geht mit seinem Unternehmen Betterflow diesen Weg bereits. Der Geschäftsführer des auf Aerodynamikoptimierungen am Sattelzug spezialisierten Unternehmens aus Aachen betonte, dass vor allem das Thema Luftwiderstand noch viel Potenzial biete. „Ein Fernverkehrs-Lkw braucht 45 Prozent seiner Energie oder rund 12 bis 13 Liter, nur um dem eigenen Luftwiderstand zu entkommen.“

Mit Aerodynamikbauteilen für den Trailer kann demnach bereits heute der Luftwiderstandswert (cW) um 13 bis 15 Prozent gesenkt werden. In Zukunft sind laut dem Betterflow-Geschäftsführer sogar cW-Werte von unter 0,3 möglich. „Aerodynamik ist also gut geeignet, um die Einsparungsziele für den Klimaschutz zu erreichen, besonders bei Langstreckenfahrzeugen“, sagte Sieprath.

Heckflügel öffnen sich automatisch

Das Betterflow-Aeropaket besteht aus einem High-Flow genannten Vorflügel an der Stirnwand des Trailers, der Low-Flow-Unterbodenverkleidung und dem Rear-Flow-Heckflügelsystem. Die Unterbodenverkleidung verhindere etwa, dass Sogwirbel hinter dem Fahrzeug entstehen. „Das ist wie ein Bremsfallschirm, den jeder Lkw hinter sich herzieht“, sagte Sieprath. Der Rear-Flow wiederum optimiere die Strömung des gesamten Sattelzugs.

Und der Fahrer muss sich nicht kümmern. Das Heckflügelsystem wird durch eine GPS-Steuerung bei einer Geschwindigkeit von über 60 km/h automatisch geöffnet und schließt bei langsamerem Tempo.

Neben einer monatlichen Diesel- und Mautersparnis von zusammen durchschnittlich 350 Euro pro Fahrzeug sinkt auch der CO2-Fußabdruck. „Das rechnet sich schnell, vor allem, wenn man auch noch das momentan zur Verfügung stehende Förderprogramm des BMVI für intelligente Trailertechnologie nutzt“, sagte Sieprath.

Seinen Fokus wird der Aerodynamik-Experte zukünftig noch mehr auf das Gesamtsystem aus Sattelzug und Trailer richten – und das unabhängig von künftigen alternativen Antrieben. „Aerodynamik funktioniert immer, egal, bei welchem Antrieb“, so sein Credo, „und Energie wird nicht mehr günstiger. Deswegen wird Aerodynamik an allen Sattelzügen auch in Zukunft eine große Rolle spielen.“

Talkrunde mit Praktikern

Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Güterverkehr gibt es also – bleibt für jedes Unternehmen noch zu entscheiden, was zum Ziel führt. Darüber diskutierten im Rahmen der Onlineveranstaltung auch drei Praktiker in einer von trans aktuell-Chefredakteur Matthias Rathmann moderierten Talkrunde, befeuert durch Fragen der Webinar-Besucher.

Rhenus-Tochter Contargo testet batterieelektrischen Lkw

Sascha Hähnke, Geschäftsführer von Rhenus Transport aus Duisburg, begründete das Flottenengagement für den Klimaschutz so: „Wir haben als Branche nicht die Zeit, uns zurückzulehnen und zu warten, bis bezahlbare Fahrzeuge von den OEMs hergestellt werden.“ Deswegen haben Hähnke und seine Kollegen neben den bewährten Dieselmodellen bereits heute diverse alternative Antriebe in der Flotte. Bei der Rhenus-Tochter Contargo etwa sind es batterieelektrische Lkw mit 44 Tonnen Nutzlast für Verkehre zu den KV-Containerterminals. Oder die Rhenus-Schwester Remondis mit Entsorgerfahrzeugen mit Wasserstoffantrieb. „Jeder alternative Antrieb hat seine Daseinsberechtigung, und hier geht es um die Themen Einsatzschwere und Nutzung in der Innenstadt.“ Dabei betonte Hähnke, dass diese Pionierarbeit auch ihren Preis habe. „Ich sage nur ‚Ausfallwochen‘. Da gehören auch Nerven dazu.“

Matthias Strehl, Geschäftsführer von Meyer Logistik aus Friedrichsdorf, sieht sich beim Thema Klimaschutz zum einen in der Verantwortungen gegenüber seinen Kunden, die zumeist aus dem Lebensmitteleinzelhandel kommen, aber auch gegenüber der nächsten Generation der Gesellschaft. „Mit unseren 1.200 Lkw haben wir auch einen Anteil an der Umweltbelastung, deswegen wollen wir auch mitdiskutieren und Fahrzeuge erproben. Wichtig ist uns, unsere Erfahrungen auch zu teilen – nur so kommen wir schnell weiter.“

Meyer Logistik setzt vorerst auf LNG

Meyer Logistik setzt derzeit verstärkt auf LNG als „einzige Brückentechnologie in Serienherstellung“. Zudem habe der Kraftstoff in Form von Bio-LNG seine Daseinsberechtigung. Geplant sei hierzu ein Kundenprojekt mit 25 Fahrzeugen und inklusive einer Bio-LNG-Tankstelle. Wie Rhenus ist Meyer Logistik außerdem am Testversuch für Oberleitungs-Lkw in Hessen beteiligt.

LNG-Fahrzeuge plus -Tankstelle: Dazu berichtete Torsten Oldhues, Geschäftsführer Operations und Logistics bei Havi Logistics in Duisburg, von seinen Erfahrungen, vor allem im Hinblick auf das Auf und Ab der Politik hinsichtlich der Förderungen.

Havi Logistics betreibt eigene LNG-Tankstelle

Inzwischen läuft die Sache rund. „Für uns zählt die Versorgungssicherheit. Zudem haben wir einen guten Überblick über die Einkaufspreise, das macht das Ganze wirtschaftlich interessant. Positiver Nebeneffekt ist, dass wir mittlerweile als Tankstellenbetreiber einen relativ großen Kundenkreis haben“, sagte Oldhues. Neue Wege beschreitet Havi auch in der Schweiz mit einem H2-Lkw von Hyundai, der seit wenigen Wochen im Einsatz ist.

Warum Havi beim Thema Klimaschutz eine aktive Rolle einnimmt? „Hauptmotivation sind unsere Kunden der Systemgastronomie. Die sind mitten in den Innenstädten und immer die Ersten, die von entsprechenden Einschränkungen betroffen sind“, sagte Oldhues in der Runde. „Wir wollen nicht einfach abwarten, bis die Politik uns vorschreibt, was wir dürfen. Deswegen probieren wir die Dinge gerne aus und sehen, was wirtschaftlich machbar ist.“

Mittelfristig wenig Planungssicherheit

Unsicherheit gehöre weiter zur Wegstrecke der Branche, meinen die drei Praktiker, etwa im Hinblick auf das zukünftige Angebot der Fahrzeughersteller und die Förderung der Politik. „Wir sind überzeugt, dass wir auf mehrere Pferde setzen müssen“, sagte etwa Matthias Strehl.

Torsten Oldhues sieht den Diesel noch einige Jahrzehnte auf den Straßen fahren – mit einer etwa durch synthetische Kraftstoffe und Aerodynamikmaßnahmen verbesserten Klimabilanz. „Mittelfristig sehe ich noch keine Alternative für einen 40-Tonner-Diesel mit Kühlung.“

Auch Sascha Hähnke übt sich in Pragmatismus. „Es werden Jahre vergehen, bis wir im schweren Segment die bekannten Namen serienreif kaufen können.“ Der Rhenus-Transport-Geschäftsführer setzt daher auf den Newcomer Nikola mit seiner Wasserstofftechnologie. „Wenn die das hinbekommen, wird das für die europäischen OEM ein Treiber sein, noch mehr als Tesla für die Fahrzeugindustrie.“

Einig sind sich alle am Webinar Beteiligten: Die Branche darf nicht auf das Diktum der Politik und die Entscheidung der Industrie warten, sondern muss bereits jetzt den Klimaschutz in Angriff nehmen – gemeinsam und mit mehr Anstrengungen als bisher.

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