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trans aktuell-Symposium

Pharma kann teuer werden

Foto: sdecoret

trans aktuell-Symposium Pharmalogistik: Vermeidung von Schäden sowie Haftung und Vertragsgestaltung sind wichtige Themen.

Fast 250.00 Euro für eine Palette – was die Pharmalogistik auszeichnet, sind nicht zuletzt fast astronomisch hohe Warenwerte, sehr sensible Güter und die Tatsache, dass von einer funktionierenden Lieferkette die Gesundheit von Mensch und Tier abhängig sein kann.

Was bedeutet dann ein Transportschaden? Franz Kasten, Geschäftsführer des Schadensdienstleisters Reck & Co., berichtete auf dem Symposium von den Besonderheiten im Pharmatransport. Dazu gehört, dass die teure Palette mit Insulin keinen sichtbaren Transportschaden aufweisen muss, um als Totalschaden komplett entsorgt zu werden; es reicht der Verdacht, dass es Temperaturschwankungen außerhalb des zulässigen Korridors gab.

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Wichtige Temperaturdaten

Hat der Transportdienstleister nicht die GDP-Richtlinien eingehalten? In solch einem Fall wird der Sachverständige zurate gezogen, der zunächst alle Informationen zum Transport sammelt und analysiert, besonders die Daten von Kühlaggregaten und Datalogger zum Temperaturverlauf. Erst danach kommt die Qualitätsabteilung des Herstellers zum Zug, die dann als Folge der Schadensfeststellung über Freigabe oder Vernichtung der Ware entscheidet.

Besser als ein „Ist-kaputt-Gutachten“ sei es, Schadensprävention zu betreiben. Die Empfehlungen des Sachverständigen für den Pharmatransport: feste Prozesse ohne jegliche Abweichungen, klare vertragliche Vereinbarungen für alle Transportbeteiligten, keine Sub-sub-Vergabe des Transports, keine Transporte vor dem Wochenende und vor dem Start einer neuen Transportroute mindestens drei durchgeführte Dummy-Transporte. Und vor allem empfiehlt Kasten den systematischen Einsatz von Dataloggern, die für temperaturgeführte Transporte „preiswert, zuverlässig und aussagekräftig“ seien.

Vertragliche Gestaltung der Haftung

Transportschäden von Medikamenten können also sehr teuer werden – die vertragliche Gestaltung der Haftung ist daher für Logistiker sehr wichtig, wie Rechtsanwalt Andreas Fuchs von der Kanzlei Arnecke Sibeth Dabelstein aus Frankfurt berichtete.

Verlader von hochwertigen Pharmaprodukten haben demnach an den standardmäßigen, gewichtsbezogenen Haftungsbegrenzungen in der Transporthaftung keinen Spaß und verlangen daher individuelle Vereinbarungen. Für Logistikdienstleister problematisch ist laut Fuchs der Wegfall von Haftungsgrenzen, wenn ein qualifiziertes Verschulden vorliegt – „was zeigt, dass man als Dienstleister mit dem Rücken zur Wand steht“, so Fuchs.

Im Lagerbereich gilt laut dem Rechtsanwalt keine generelle Haftungsbegrenzung. Das Thema sollte daher beispielsweise im Rahmen der Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp) vertraglich vereinbart werden. Vor allem in der Pharmalogistik sind demnach Haftungsbegrenzungen etwa pro Schadensfall, pro Kalender- oder Vertragsjahr oder auch wertbezogene Haftungsbegrenzungen üblich.

Bei der Haftung für logistiknahe Dienstleistungen wie das Verpacken haben transportrechtliche Haftungsbegrenzungen laut Fuchs keine Geltung. Wer eine Vollhaftung verhindern will, sollte die Haftung etwa durch die Anwendung der Logistik-AGB eingrenzen.

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Haftungsübergang und Verantwortlichkeiten klären

Weiter empfiehlt der Rechtsanwalt, bei der Vertragsgestaltung darauf zu achten, dass Haftungsübergänge genau festgelegt und die Verantwortlichkeiten abgegrenzt werden. Auch sollten gewisse Rahmenbedingungen festgelegt werden – in der Pharmalogistik etwa unbedingt die Themen Temperaturkontrolle und -dokumentation.

Je detaillierter die Punkte festgeschrieben sind, desto weniger Probleme gibt es. Das gilt auch für das Thema Vergütung. Gibt es Veränderungen etwa zu vereinbarten Abweichungskorridoren während der Vertragslaufzeit, kann eine vertragliche Vereinbarung von Preisverhandlungsrechten mit Sonderkündigungsoption bei Scheitern der Verhandlungen helfen.

Sauber strukturierte Vereinbarungen sind also angesagt, inklusive einer Regelung „für die Situation, in der sich die Parameter geändert haben“, sagt Fuchs – also wenn es anders läuft als geplant.

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