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Symposium Automobillogistik

Viel Verantwortung für Logistik

Transco-Symposium Foto: Karl-Heinz Augustin 19 Bilder

Best Practice, Rechts- und Haftungsfragen sowie ein Ausblick auf die Zukunft des Automobilbereichs standen beim trans aktuell-Symposium „Anforderungen an Automobillogistiker“ im Vordergrund. Gastgeber Transco ermöglichte einen Blick hinter die Kulissen - im eigenen Logistikzentrum und beim Kunden Constellium.

Logistik hält den Motor der deutschen Wirtschaft am Laufen: Die Automobilindustrie ist die mit Abstand wichtigste Branche in Deutschland, und die Automobillogistik daher unerlässlich. Welche Innovationen die Logistikunternehmen für den Automotive-Bereich erbringen und welche Herausforderungen ihnen bevorstehen, das war Thema eines trans aktuell-Symposiums bei Transco Süd in deren Zentrale in Singen.

Transco mit Schwerpunkt Osteuropa

Die Transco-Gruppe ist in 30 Standorten in zehn Ländern präsent und fokussiert sich stark auf Osteuropa. Neben dem Straßengüterverkehr – Transco hat 120 Zugmaschinen 400 Auflieger und 180 eigene Wechselbrücken – setzt das Unternehmen mit 9.300 Einheiten auch auf den Intermodalverkehr: „Wir würden gerne noch mehr machen“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Christian Bücheler.

Im Automobilbereich gehört Constellium zu einem der langjährigen Kunden - seit 1999 arbeiten beide Firmen im nahe gelegenen Industriepark Gottmadingen zusammen. Transco übernimmt dabei für den Zulieferer die Produktionsver- und entsorgung, etwa mit non-Stop-Shuttleverkehren zwischen dem Werk Singen und Gottmadingen mit Rohmaterial für die Produktion; des Weiteren den Wareneingang mit rund 60 Lkw am Tag, die interne Logistik inklusive Werkzeugwechsel und Kanban, das Warehousing und den Warenausgang, berichtet Transco-Bereichsleiter Thomas Kuttler.

Die Besonderheit im Versand: Vor der Verladung auf die Lkw muss die Fracht auf zwei TPA-Flächen mit 4.500 Quadratmetern bereitgestellt werden. Wegen der vorgeschriebenen Null-Fehler-Toleranz wird dieser Vorgang von zwei unabhängigen Teams kontrolliert – sie checken die Mengen und kontrollieren etwa, ob die VDA-Label zur Warenbegleitkarte passen. Erst wenn beide Prüfungen ohne Fehler bleiben, wird der Versandprozess fortgesetzt.

Leitstand für Flurförderfahrzeuge

Sicherheit und Effizienz sind laut Kuttler in der Beziehung zu Constellium besonders wichtig - deswegen plane Transco für Constellium ein Flottenmanagement für alle Flurförderfahrzeuge, um die Sicherheit durch eine eindeutige Fahrer-Stapler-Zuordnung zu erhöhen und im richtigen Werk die richtigen Stapler bereitstellen zu können. Ein weiteres Ziel ist es, die Ein- und Auslagerung im Blocklager zu automatisieren: Selbstfahrende Fahrzeuge übergeben dann die Waren an definierten Übergabeplätze –weniger Fehler und ein schnellerer Versand für Constellium sind das Ziel.

Welche Anforderungen der Hersteller von Strukturbauteilen aus Aluminium an seinen Logistikpartner hat, machte Daniel Johe, Head of Logistics von Constellium, deutlich. „Überspitzt gesagt, produzieren wir nur noch, während Transco alles andere macht“, sagte Johe. Die Herausforderungen in der Automobilindustrie seien vielfältig. Anspruchsvolle Belieferungsformen wie Just-in-time und Just-in-sequence sowie neuen Logistikkonzepte der Automobilkunden stünden dabei ebenso auf der Tagesordnungen wie EDI, die Reduzierung von Beständen für einen besseren cash flow, der Kostendruck durch die OEM, der sich auch auf die Logistikkosten niederschlage, die Entwicklung der Teilevielfalt, Industrie 4.0 sowie insbesondere die Lieferfähigkeit. „Denn die Kosten für einen Bandstillstand bei einem OEM können sich auf drei Millionen Euro belaufen – am Tag“. Deswegen trage die Logistik so viel Verantwortung.

Schnellecke als Automotive Spedition 4.0

Damit die Supply Chain entsprechend transparent wird, ist die Digitalisierung der Prozesse unabdingbar. Schnellecke Logistics operiert deswegen bereits heute unter dem Begriff „Automotive Spedition 4.0“. Die global agierende Unternehmensgruppe aus Wolfsburg - Mitarbeiterzahl 18.000, Umsatz: eine Milliarde Euro - hat nach Angaben von Thomas Lammer, Vorstand der Sparte Transport, vor, im kommenden Jahr einen Digitalisierungsgrad von 100 Prozent im Transport Management und bei der Vorhersage der ETA zu erreichen. Seit 2016 nutzt Schnellecke dazu das System Win-Sped des Software-Anbieters LIS.

Erstes Ziel auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung war laut Mandy Beck, Head of Opex bei Schnellecke Transport, die automatische Auftragserfassung und Bereitstellung des Auftrags im Transport Management Systems (TMS) – ein Vorteil bei bis zu 1.200 Automotive-Aufträgen pro Tag an manchen Standorten. „Der Auftrag wird gemäß der Stammdaten des OEM automatisch erfasst und für die Disposition vorbereitet. Das beinhaltet eine Prüfung auf Vollständigkeit und die Zuordnung zum richtigen Standort. Dann wird der Auftrag routenbezogen an den Disponenten vergeben“.

Seit diesem Jahr arbeitet Schnellecke zudem mit dem Start-up Loadfox zusammen, über eine Win-Sped-Schnittstelle können Touren über die Plattform vergeben werden. Auch bei der Tourenplanung greift die IT. „Immer weniger Mitarbeiter sind in der Lage, die hochqualifizierte Disposition im Automotivebereich zu übernehmen“, erklärte Lammer. Allein bei VW in Wolfsburg gebe es 308 Abladestellen, und bei einem Auslastungsgrad von 60 Prozent im Automobilbereich sei es von Nutzen, wenn es weniger „emotionale“ Disposition gebe: „Von 1.000 Lkw am Tag muss die Dispo die Hälfte nicht mehr anfassen.“

Manager brauchen prozessuale Kenntnisse

Neben der Auftragsübermittlung und -bearbeitung für Transporte im Zwischenwerksverkehr oder mit Voll- und Leergut nutzt Schnellecke das System auch für das Cross Docking, für Track & Trace sowie für Managementprozesse wie Abrechnung, Schadens- oder Reklamationsmanagement und weitere Bereiche. „Jeder Datensatz aus dem TSM kann über das Real Time Dashboard als Kennzahl ausgespielt werden“, sagte Beck – ein hilfreiches Management-Tool hinsichtlich Effizienz und Kosten. Lammer sagte aber auch: „Wenn die Digitalisierung erfolgreich sein soll, braucht man als Manager auch prozessuale Kenntnisse und Führungskompetenz – und einen Kunden, der Change Management auch will“.

Veränderungen begrüßt auch der Logistikdienstleister Walter Schmitt aus dem badischen Bietigheim: Geschäftsführer Rainer Schmitt und Projektmanager Benjamin Sommer berichteten zum Thema Elektromobilität im Automotive-bereich. „Logistikdienstleister unter Strom“ lautete ihr Beitrag zur Veranstaltung.

Schmitt transportiert Elektro-Batterien

Unter Strom ist der Logistikdienstleister momentan in Sachen Ladungssicherung bei Batterietransporten. Denn für seinen neuen Kunden Porsche und den ersten E-Porsche des Stuttgarter Sportwagenbauers transportiert Schmitt Elektro-Batterien zum neuen Werk in Stuttgart-Zuffenhausen. Geschäftsführer Rainer Schmitt berichtete gemeinsam mit Projektmanager Benjamin Sommer von der neuen Herausforderung: „Bei Batterien handelt sich um Gefahrguttransporte.“

Die Ladungssicherung der 25 Batterien je Lkw, die samt Gestell insgesamt rund 27 Tonnen wiegen, müsse dazu passen, um das zulässige Gesamtgewicht nicht zu überschreiten. Das eigens dafür vom Unternehmen Walter Schmitt entwickelte Ladungssicherungs-Konzept sieht die Nutzung von Trailern mit Joloda-Aufbau vor. Spezielle Stahlplatten, die in den Lochschienen befestigt werden, verfügen über Aufnahmehülsen für die Ladungsträger, die die Batterien enthalten. Das Konzept soll demnächst von Dekra in einem Fahrversuch zertifiziert werden.

300 Kilogramm schweres Ladegerät

Weiterhin beschäftigt die Spedition das Thema E-Mobilität im eigenen Fuhrpark, denn der elfte eActros von Fahrzeughersteller Daimler ging an Schmitt Logistik (siehe trans aktuell 6/2019). Schon allein der Ladevorgang auf dem Firmengelände hat es in sich: Das mobile, 300 Kilogramm schwere Ladegerät zu bewegen, erfordert schiere Muskelkraft, ebenso wie das Handling des 6,5 Meter langen Ladekabels. Fazit für Rainer Schmitt: „Der Elektro-Lkw ist noch nicht im Fernverkehr angekommen.“

Dennoch sollten die Logistikdienstleister das Thema auf dem Schirm haben, denn mit den neuen Antrieben verändern sich auch die Anforderungen an die Dienstleister, sagte Prof. Stephan Freichel von der Fakultät für Fahrzeugsysteme und Produktion der Technischen Hochschule Köln. „Technische Änderungen an den Fahrzeugen schlagen sich auch in der Logistik nieder, etwa im Bereich Aftermarket“, sagte Freichel: „Wenn Fahrzeuge besser vernetzt sind, gibt es weniger Unfälle: Es werden weniger Ersatzteile benötigt.“

Alternative Antriebe verändern auch Logistik

Und allem das Thema alternative Antriebe werde „mit aller Gewalt kommen“: Der Umstieg auf Batteriegetrieben Fahrzeuge bedeute für die Logistik beispielsweise andere Colli-Gewichte, und andere Größen in puncto Hallenbelastung. Aber auch neue Chancen, weil es für die Fahrzeugbatterien auch eines neuen Kreislaufprozesses bedürfe. Logistik wird auch bei der Herstellung von Elektro-Pkw und -Lkw nötig sein, mit anderen Anforderungen: Neue Themen sind dann laut Freichel die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), etwa bei der Vormontage, oder die Serialisierung von Teilen, um ein Tracking & Tracing zu ermöglichen. Neue Aufgaben könnten daneben für Logistiker das Aufspielen von Software-Updates sein.

Wiederum wird es auch Verluste geben: Bei einem batterieelektrischen Antrieb fallen Getriebeteile weg, Logistikdienstleister müssen sich hier also etwas einfallen lassen beziehungsweise sich auf neue Lieferantenströme einstellen. Im Ersatzteilbereich können durch die Reduzierung aber auch neue Möglichkeiten entstehen – durch Kollaboration, oder durch einen Trend zu mehr Omni-Channel.

Auch die Prozesse nahm Freichel in seinem Beitrag unter die Lupe: Branchenunternehmen können sich demnach im Rahmen der Digitalisierung schon jetzt mit Themen wie KI, Sensorik und Sequenzierung anfreunden, etwa weil zunehmend Güter und der dazugehörende Informationsfluss durch Kamerasysteme gematcht werden oder sich die Fahrzeugproduktion und damit die Bandanlieferung ändert.

„Das Problem ist, dass jeder OEM sein eigenes Ding macht“, sagt der Wissenschaftler, „als Logistikdienstleister muss man also auch weiter mehrere Plattformen bedienen“. Jedes Unternehmen müsse daher für sich die Marktsituation evaluieren, sich über neue Produktionsstandorte und eventuelle Werksschließungen informieren, um die eigene Position zu finden. Neben einer „vorsichtigen Vertragsvereinbarung“ schrieb Freichel daher den Automobillogistikern noch einen Tipp in ihr Lastenheft: „Der Transformation klar ins Auge blicken und seine Mitarbeiter dabei mitnehmen – das sind die Top-Aufgaben für das Management“.

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