Jobmessen helfen Speditionen bei der Gewinnung neuer Fahrer, so eine Studie der Uni Stuttgart unter Mitwirkung der Kooperation Elvis.
Wie können Logistiker qualifizierte Lkw-Fahrer finden und binden? Darüber sprachen Experten und Praktiker bei der IHK Region Stuttgart.
Michael Schäfer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Logistik- und Beschaffungsmanagement, stellte Forschungsergebnisse vor, die unter Mitwirkung der Kooperation Elvis zustande gekommen sind.
Die Studie untersuchte die Personalarbeit von 67 Speditionen und bewertete den Erfolg verschiedener Instrumente, zum Beispiel die firmeneigene Homepage, eigene Mitarbeiternetzwerke, Social-Media-Plattformen, Zeitarbeitsagenturen, Headhunter sowie Jobmessen.

Letztere lohnen sich der Studie zufolge. „Die 40 Prozent der Speditionen, die auf Jobmessen gehen, sind deutlich erfolgreicher bei der Rekrutierung von Azubis zum Berufskraftfahrer als die anderen 60 Prozent, die nicht auf Jobmessen gehen“, betonte Schäfer. Zudem ergaben die Forschungen, dass die Jobmesse-Speditionen insgesamt mehr Azubis zu erfolgreichen Ausbildungsabschlüssen führen können als Betriebe, die keine Jobmessen besuchen. Weiteres Ergebnis: Nur rund acht Prozent der befragten Unternehmen setzen Headhunter bei der Fahrersuche ein. Dieser niedrige Prozentsatz sei durchaus berechtigt, erklärte Schäfer, denn: „Unternehmen, die Headhunter einsetzen, können ihre Mitarbeiter weitaus schlechter binden als Unternehmen, die das nicht tun.“ Ein Grund dafür könne sein, dass Headhunter die betreffenden Mitarbeiter einfach zeitnah weitervermittelten, da sie dafür Provision erhielten, vermutete Schäfer. Bei den anderen bereits erwähnten Instrumenten kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sie weitgehend wirkungslos seien. Apropos Bindung von Personal: Sie ist laut der Studie genauso wichtig wie die Gewinnung von Personal. Schäfer verglich die Mitarbeiterbindung mit einer Badewanne: „Der Stöpsel muss rein, damit das einfließende Wasser nicht abfließt.“
Vermittlung von Wohnraum
Die Forschungen brachten ebenso zutage, dass folgende Faktoren die Mitarbeiter signifikant an das Unternehmen binden: Vermittlung von Wohnraum, Sprachschulungen für Fahrer oder die Verbesserung der Be- und Entladebedingungen. Eine noch stärkere Mitarbeiterbindung entstehe bei der persönlichen Vermittlung von Wertschätzung, so ein Ergebnis der Forschungen der Universität Stuttgart. Die Wertschätzung könne sich hierbei in vielfältiger Weise ausdrücken. Zum Beispiel, indem der Spediteur dem Fahrer eine Lohnerhöhung nicht nur kommentarlos auszahlt, sondern ihm sagt: „Du hast dir die Lohnerhöhung verdient, weil du so gut bist.“ Eine weitere Möglichkeit: die Fahrer großflächig auf den Trailern abbilden. „Einige Speditionen sind so bereits unterwegs“, berichtete Schäfer.
Verlässliche Absprachen
Auch Nikolja Grabowski, Leiter politische Kommunikation bei Elvis, hält Wertschätzung für sehr wichtig. Er empfiehlt beispielsweise Fahrerbetreuer, Geburtstagsanrufe und Auszeichnungen, etwa für unfallfreies Fahren. Notwendig sei auch Verlässlichkeit, insbesondere bei Absprachen. „Der Urlaub sollte niemals verschoben werden.“
Als weiteren Schritt empfiehlt Grabowski nicht nur transparente Lohnmodelle, sondern auch monetäre Anreize wie doppelte Spesensätze, Urlaubsgeld oder alternativ dazu die unter Umständen steuerfreie Erholungsbeihilfe.
Leistungsanreize müssen erreichbar sein
Der Gleichbehandlungsgrundsatz solle für alle Fahrer gelten, so Grabowski. Und: „Leistungsanreize müssen erreichbar sein.“ Als sinnvolle Ergänzung zum Gehalt und den Leistungsanreizen erachtet er materielle Maßnahmen wie Arbeitskleidung, private Handynutzung, Tankkarten, Mitarbeiterdarlehen, Weiterbildungen sowie die Erlaubnis, den Lkw am Wochenende mit nach Hause zu nehmen. „Wichtig sind klare Regeln und die Benennung eines Ansprechpartners“, sagte Grabowski.
Erneuerung der Ausbildungsordnung
Jochen Dumler von der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittel-Entwicklungsstelle (PAL) der IHK Region Stuttgart mahnte eine Erneuerung der Ausbildungsordnung für Berufskraftfahrer an. Die aktuelle stammt noch aus dem Jahr 2001. Berufskraftfahrer werde in der Öffentlichkeit kaum als anerkannter Ausbildungsberuf wahrgenommen, bemängelte Dumler. Hier könne eine Abgrenzung durch geschützte und attraktive Berufsbezeichnungen, etwa Kraftfahrtechnologe Güterlogistik, helfen. Sinnvoll sei zudem, die fahrzeugtechnischen Ausbildungs- und Prüfungsinhalte zugunsten von fahrzeuginformations- und assistenztechnischen Inhalten zu reduzieren.