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Start-up-Pitch von GS1

Proglove, Angel und Jitpay siegen

Porsche, Proglove Foto: Proglove

Die drei Start-ups Proglove (siehe Bild), Angel und Jitpay setzten sich beim Start-up-Pitch der Standardisierungsorganisation GS1 Germany gegen sechs weitere Konkurrenten durch.

Was intelligente Handschuhe, ein Lieferdienst und Logistikkosten gemeinsam haben? Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten gibt es da doch etwas: Hinter diesen Begriffen verbergen sich die Geschäftsmodelle von Logistik-Start-ups, die sich bei der Veranstaltung „Logistic meets Start-up meets Standard“ der Standardisierungsorganisation GS1 Germany und des Bundesverbands der Kurier-­Express-Post-Dienste (BdKEP) in Köln präsentierten und sich im Start-up-Pitch gegen sechs weitere Konkurrenten durchsetzten.

Nach ihrem jeweils zehnminütigen Vortrag durften die Start-ups Proglove, Angel und Jitpay noch einmal auf die Bühne, um die Fragen des Publikums ausführlich zu beantworten. Die rund 100 Teilnehmer der Veranstaltung – darunter viele etablierte Logistiker – hatten sie zuvor per Live-Abstimmung zu den Siegern gekürt.

Drei Start-ups schafften es noch einmal auf die Bühne

Sebastian Hugl, Proglove Foto: Franziska Nieß
Sebastian Hugl (Proglove): "Wir verbinden Mensch und Maschine."

Proglove entwickelt den intelligenten Handschuh „Mark one“, der Barcodes scannt und daraufhin ein optisches, akustisches und haptisches Signal an den Handschuhträger sendet und ihm damit mitteilt, ob der Scan erfolgreich war. Der Blick auf einen Bildschirm oder ein Scangerät entfällt. „Wir verbinden Mensch und Maschine“, erklärte Sebastian Hugl, Business Development Manager bei Proglove. Das von ehemaligen Mitarbeitern des Autoherstellers BMW und der Design- und Innovationsberatung Ideo gegründete Unternehmen zählt mittlerweile rund 250 Kunden aus Logistik und ­Automobilindustrie, der Zulieferer- und Lebensmittelbranche.

„Der Einsatz des Handschuhs spart bei jedem Scanvorgang vier Sekunden Zeit ein“, erklärte Hugl. Das helfe dabei, die Prozesse zu beschleunigen. 120 Mitarbeiter sind am Münchener Hauptsitz beschäftigt, wo auch die Handschuhe hergestellt werden. Das darauf montierte Scangerät fertigt größtenteils der Elektronikdienstleister TQ-Systems, der ebenfalls in München sitzt. „Wir stellen die Scanner aber auch wieder selbst her, um das Know-how zu be­halten“, ergänzte Hugl.

Angel: Axel Niessner Foto: Franziska Nieß
Axel Niessner (Angel): "Bei uns steht der Kunde im Fokus."

Der Lieferdienst Angel, der aus dem EU-weiten Forschungsprojekt „NexTrust“ hervorging und zum Logistikdienstleister Fiege gehört, überzeugte wohl vor allem durch seinen klaren Standpunkt. „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt“, erklärte CEO Axel Niessner. Die Kunden geben ein bestimmtes Zeitfenster von 30 Minuten an, in dem sie ihre Bestellung erhalten wollen. „Daher haben wir eine Erstzustellungsquote von 99 Prozent“, sagte Niessner. Dadurch entstehe auch weniger Stress für die Fahrer, da sie die Kunden meist beim ersten Zustellversuch antreffen.

„Die Kunden legen Wert auf schnelle Lieferungen und einen selbstbestimmten Zeitpunkt der Zustellung“, erklärte Niessner, der zuvor unter anderem bei Fiege und Hermes tätig war. Als wichtigstes Kriterium gelte aber die Zuverlässigkeit. Und: „Retouren sind für alle Beteiligten eine Last.“ Diese Erkenntnisse fließen demnach in das Geschäftsmodell des Start-ups ein, das den Fokus auf die Zeitungsverlagsbranche legt und mit deren Fahrern zusammenarbeitet – nicht mit Kurierunternehmen.

Jitpay: Daniel Steinke, Dennis Wallenda Foto: Franziska Nieß
Dennis Wallenda und Daniel Steinke (von links, Jitpay): "Wir automatisieren die Abrechnungsprozesse in der Logistik."

Einen völlig anderen Ansatz verfolgen die beiden Jitpay-Gründer Daniel Steinke und Dennis Wallenda. Jitpay automatisiert die Abrechnungsprozesse zwischen Versender und Spedition und zwischen Spedition und Transportunternehmen. Mithilfe des integrierten Factorings werden die Auftragnehmer sofort bezahlt, und die Auftraggeber können ihr Zahlungsziel optional verlängern. Das 17-köpfige Team hat bisher rund 3,5 Millionen Euro in das komplett selbst finanzierte Unternehmen gesteckt. „Im nächsten Jahr schreiben wir schwarze Zahlen“, erklärte Steinke. Jitpay ist zudem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Bundesbank geprüft.

Mit Rechnungen beschäftigt sich auch das Potsdamer Start-up Synfioo, das sein Geschäfts­modell zwar überzeugend darstellte, es aber nicht in die Endrunde schaffte. Synfioo sagt Ankunftszeiten vorher und informiert über Störungen auf dem Transportweg. „In jeder Phase eines multimodalen Transports übermitteln wir in Echtzeit Daten“, erklärte Thomas Richter, Head of Sales. „Wir sind aber kein Softwarehersteller, sondern Mathematiker“, betonte er. Daher sei die Plattform auch vollständig in die Software der Kunden integriert.

„Im Prinzip gehen wir der berühmten Kinderfrage nach, die lautet: Sind wir schon da?“, erklärte Richter. Synfioo berechnet zum Beispiel die Dauer der Abfertigungszeiten an der Grenze, Wetterdaten, wie viel Verzögerung sich durch einen Streik ergibt oder informiert darüber, welche Brücken nicht mehr befahrbar sind.

Als „soziales Netzwerk für die Logistik“ bezeichnet Martin Kraj­czy sein Start-up Conizi – ein Tochterunternehmen des Softwareentwicklers Eikona. „Wir wollen Vernetzung anders gestalten“, erklärte Krajczy, der zuvor beim Logistikdienstleister Hellmann den weltweiten Landverkehr verantwortete. Die Integrationsplattform für den gesamten Datenaustausch entlang der Supply-Chain vereinfache die Aufschaltung neuer Partner: Mit einer Anbindung werden alle Kommunikationspartner erreicht. Darüber hinaus können die Nutzer Services aus dem offenen App-Store sofort einsetzen und in ihre IT-Systeme integrieren.

So verschieden die Geschäftsideen der Start-ups also auch sind, sie haben noch etwas gemein: Sie machen die Branche mit ihren Ideen vielfältiger und bunter.

Die Kooperation

Die Zufall Logistics Group arbeitet in der Niederlassung Nohra seit 2017 mit dem Start-up Pamyra zusammen, das eine digitale Vermittlungsplattform für Verlader und Spediteure entwickelt hat. Bei GS1 stellten Vertreter beider Unternehmen ihre Ansichten zu verschiedenen Punkten vor, die etablierte Logistiker und Start-ups unterscheiden.

Zufall Logistics Group: Robert Münnich, stellvertretender Niederlassungsleiter/Bereichsleiter Internationale Spedition und Vertrieb, Axthelm + Zufall

Pamyra: Dr. Lasse Landt, Chief Financial Officer (CFO)

Groß: „Als Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern versuchen wir, vieles selbst zu stemmen. Das bedeutet aber auch, dass manches einfach länger dauert.“ (Münnich)

vs.

Klein: „Aufgrund unserer geringeren Mitarbeiterzahl sind wir agiler. Online haben wir eine größere Reichweite als unsere Kunden.“ (Landt)

Risiko: „Anfangs war natürlich die Angst vorhanden, unsere Daten offenzulegen. Aber für uns hat sich die Zusammenarbeit zu einer Chance entwickelt, Zusatzgeschäft zu generieren.“ (Münnich)

vs.

Chance: „Für uns gab es erst einmal keine Risiken. Wir profitieren von der Expertise und den Kontakten, die sich durch die Zusammenarbeit ergeben. Unseren Erfolg haben wir größtenteils auch Zufall zu verdanken.“ (Landt)

Wettbewerb: „Der Wettbewerb wird transparenter und bekommt dadurch ein neues Niveau. Wir haben keinen unserer Kunden verloren. Wichtig ist allerdings, dass die Neutralität gewahrt wird.“ (Münnich)

vs.

Preistransparenz: „Die Transparenz im Wettbewerb wird zunehmen, und die Frage ist, wie man das gestaltet. Neutralität ist wichtig. Wir sind nicht der Onlinespediteur von Zufall, sondern nur das Front-End zum Kunden.“ (Landt)

Tradition: „Unsere Arbeitsweisen sind komplett verschieden. Wir haben unsere festen Bürozeiten, von Pamyra bekommen wir dagegen auch oft nachts noch E-Mails. Als etabliertes Unternehmen gehen wir kontrollierte Risiken ein.“ (Münnich)

vs.

Disruption: „Start-ups versuchen, im Markt etwas um­zukrempeln, um eine Veränderung herbei­zuführen. Wichtig ist auf jeden Fall das Vertrauen auf beiden Seiten.“ (Landt)

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