Start für ÖPNV-Transparenzregister

Busunternehmen eröffnen neue Online-Plattform

Foto: bdo

Auf einer eigens erstellten Online-Plattform erhalten politische Entscheidungsträger, Verkehrsunternehmen, Aufgabenträger sowie Bürgerinnen und Bürger in Zukunft eine Übersicht über die bundesweite Entwicklung bei der Vergabe von Aufträgen im öffentlichen Verkehrs-Sektor.

Wissenschaftler der Hochschulen Heilbronn und Worms werden hierzu in den kommenden fünf Jahren alle relevanten Marktdaten sammeln, aufbereiten und der Öffentlichkeit gut verständlich zugängig machen.

Ein Bündnis privater Anbieter von Busverkehrsleistungen hat am 15. Oktober in Berlin offiziell den Startschuss für das neue ÖPNV-Transparenzregister für Verkehrsleistungen mit Bussen in Deutschland gegeben. In der Online-Plattform werden wesentliche Daten über die Vergabe von Aufträgen in Deutschland gesammelt, aufbereitet und gut verständlich zugänglich gemacht. Das Web-Tool wird dank Sortierfunktionen eine hohe Nutzerfreundlichkeit mit großer Informationstiefe verbinden. Mit dem Transparenzregister erhalten politische Entscheidungsträger, Verkehrsunternehmen, Aufgabenträger sowie auch die Bürgerinnen und Bürger einen Überblick über die tatsächlichen Entwicklungen im Markt. Es soll dadurch für mehr Klarheit – und in der Folge für mehr Fairness – im Wettbewerb sorgen.

Projekt startet Ende 2019 und umfasst 5 Jahre

Das Transparenzregister ist zunächst auf eine Laufzeit von fünf Jahren ausgelegt. Die Live-Schaltung der Plattform soll im zweiten Halbjahr 2019 erfolgen. Träger der Initiative sind neben dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) auch die Verkehrsunternehmen Transdev Deutschland, Netinera Deutschland, Rhenus Veniro und DB Regio Sparte Bus.

„Als bdo wollen wir betonen: Es geht den beteiligten Partnern hier um Transparenz – und zwar folgerichtig auch im eigenen Handeln. Wir wollen in diesem Sinne auch schon jetzt darauf hinweisen, dass das ÖPNV-Transparenzregister ein Langzeitprojekt ist und die gewissenhaften Aufbauarbeiten dafür Zeit in Anspruch nehmen," so Wahl.

Kooperation mit den Hochschulen Worms und Heilbronn

Die technische und inhaltliche Betreuung und Umsetzung des Projektes liegt bei den Experten der Hochschulen Heilbronn und Worms, die sich in einem Ausschreibungswettbewerb durchsetzen konnten. Ein wesentlicher Teil des Auftrags umfasst laut bdo eigene Recherchen und Berechnungen durch die wissenschaftlichen Einrichtungen. „Eine – wie auch immer geartete – Verpflichtung für die Verkehrsunternehmen zur Datenmeldung an das Portal und damit Bürokratieaufbau – wird mit dem ÖPNV-Transparenzregister nicht geschaffen," erläutert der bdo-Sprecher.

Verantwortlich für das Transparenzregister zeichnen Professor Frank Fichert von der Hochschule Worms sowie Professor Tobias Bernecker, Professor Jens Hujer und Professorin Claudia Hermeling von der Hochschule Heilbronn. Die wissenschaftliche Begleitung der Ausschreibung hatte Professor Rüdiger Sterzenbach übernommen.

Tendenzen klar ersichtlich

„Für das dringend benötigte Wachstum des ÖPNV in Deutschland ist es unverzichtbar, dass die tatsächlichen Tendenzen für alle Marktteilnehmer endlich klar ersichtlich werden", sagte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard im Zuge des Termins. „In Zeiten von drohenden Fahrverboten und bestehenden Klimazielen kommt dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs eine herausragende Bedeutung zu. Um das bestmöglich steuern zu können, braucht es klare und belegbare Erkenntnisse. Mit dem neuen Transparenzregister wollen wir für diese Offenheit und für verlässliche Informationen sorgen. Nur auf Basis solcher Fakten lassen sich die Rahmenbedingungen politisch richtig setzen."

„Gerade in Zeiten der Digitalisierung sind vollständige und korrekte Verkehrs- und Finanzierungsdaten eine unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung von zukunftsfähigen Strukturen und Angeboten im Öffentlichen Personennahverkehr", sagt Professor Tobias Bernecker vom Heilbronner Forscherteam.

„Es geht darum, ein ÖPNV-Transparenzregister für Deutschland aufzubauen. Bei mehr als 300 Aufgabenträgern hierzulande ist allein das schon eine Herkulesaufgabe. Wir wünschen uns jedoch, dass wir ein gutes Beispiel setzen. Methodisch soll das nationale Register offen für andere sein," erläutert bdo-Sprecher Christian Wahl den vorerst nationalen Ansatz.

Transparenzbemühungen der EU-Kommission noch lückenhaft

„Eine öffentlich zugängliche Datenbank, die alle wesentlichen Indikatoren übersichtlich bereitstellt und vielfältige Auswertungen ermöglicht, ist dabei gleichermaßen ein Novum wie eine Notwendigkeit", ergänzt Professor Frank Fichert, der an der Hochschule Worms das Projekt „ÖPNV-Transparenzregister" verantwortet. „Seit dem Jahr 2000 ist die Europäische Kommission um mehr Transparenz im ÖPNV bemüht, aber bis heute ist das Ergebnis höchst heterogen und die Berichterstattung höchst lückenhaft", ergänzt Professor Jens Hujer von Hochschule Heilbronn.

„In den Mitgliedsstaaten wird heute sehr unterschiedlich mit der Berichtspflicht nach Artikel 7 der Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 umgegangen. Die Kommission konnte sich mit ihrer Forderung, durch eine auch in der Umsetzung standardisierte Berichterstattung für einen fairen Wettbewerb auf dem ÖPNV-Markt zu sorgen, bis heute nicht durchsetzen. Die Markttransparenz, der sich die Verkehrsunternehmen zu stellen haben, hängt vielmehr stark davon ab, wo gefahren wird," so der Verkehrsexperte.

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