Spezialtransporte

Elefanten auf Achse

Spedition Normann transportiert Elefanten Foto: Spedition Normann 28 Bilder

Die Spedition Normann aus Bendorf hat sich mit einem selbst konstruierten Fahrzeug auf den europaweiten Transport von schwergewichtigen Tieren spezialisiert. Im Juli brachten Chef Andreas Normann und Fahrer André Dokic zwei asiatische Elefantendamen vom Leipziger Zoo nach Neunkirchen an der Saar.

Die Matthias Normann GmbH und Co. KG aus Bendorf ist eine ganz normale Spedition mit 32 eigenen Lkw für den Bereich der Teil- und Komplettladungen. 70 Prozent Zugmaschinen sind von MAN, 30 Prozent von Daimler und Volvo. Dazu klassische Planenauflieger. Doch für die tierischen Sonderfahrten besonders schwerer Dickhäuter wie Elefanten oder Nashörner, die Geschäftsführer Andreas Normann 46, bereits seit 2010 in einer Nische mit heute 15 bis 20 Touren pro Jahr betreibt, steht ein nach Maßgaben eines Experten eigens konstruierter Transportbehälter zur Verfügung: zwei gebrauchte 30-Fuß-Seecontainer, die auseinande rgeschnitten und wieder neu zusammengeschweißt wurden. In dem knapp neun Meter langen und insgesamt 2,40 Meter hohem Behälter mit kleinen Fenstern ist ein separater Käfig etwa für den Transport von Elefanten verbaut. Der grün lackierte Behälter wiederum wird jeweils per Kran komplett auf einem dreiachsigen Semi-Tieflader mit Schwanenhals verladen. Dort ist vorn ein Vorratsbehälter für den Proviant auf Tour angebracht, in dem alles mitgeführt wird, was Elefanten unterwegs für die Reise so brauchen: Wasser, Rote Beete und Möhren. Dazu ein paar besondere Kräuter als Leckerli.

Vom Leipziger Zoo nach Neunkichen/Saar

Anlass für den Tapetenwechsel der beiden asiatischen Elefantendamen Trinh und Hoah vom Leipziger Zoo in den Zoo von Neunkirchen/Saar war, den dortigen Bestand an Elefanten zu ergänzen. Hoa und Trinh waren 1986 und 1987 laut einem Bericht des Saarländischen Rundfunks (SR) aus Saigon in Vietnam nach Leipzig gekommen. „Mit 38 und 35 Jahren sind die beiden Tiere im gesetzten Elefantinnenalter und altersbedingt nicht mehr für die Zucht geeignet“, so hieß es dort. „In Neunkirchen sollen sie quasi ihren Ruhestand verbringen und kommen im Rahmen des "Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für asiatische Elefanten" (EEP) in den Zoo nach Neunkirchen. Dort war die Elefantendame Kirsty zuletzt die einzige ihrer Art.“

Zusammen mit seinem langjährigen Fahrer André Dokic, 56, machte sich Normann, der für diese Art der Tiertransporte eine besondere von der oberen Veterinärbehörde anerkannte Ausbildung haben muss, am 20. Juli von Bendorf auf die rund siebeneinhalbstündige Reise zunächst nach Leipzig. Auch Dokic verfügt, wie weitere fünf Fahrer bei Normann, über eine Zusatzschulung. In Leipzig wurde der Container von einem 350-Tonnen-Kran unmittelbar vor das Gehege der Elefanten gesetzt und mit Heu ausgelegt. Die Tierpfleger des Leipziger Zoos hatten bereits Wochen vorher mit Hoa und Trinh geübt, wie sie behutsam rückwärts in einen geschlossenen Raum gehen müssen. Ein leichtes Beruhigungsmittel mit knapp 45 Minuten Wirkung half am Ende über die Schwelle. Zur Sicherheit wurde zwischen die beiden jeweils knapp fünf Tonnen schweren Dickhäuter von oben eine Trennwand aus Stahl eingelassen, die beiden Heckportale wurden zusätzlich durch ein externes Vierkantstahlrohr gesichert. Gegen 18 Uhr war der Container verladen.

Gefahr durch Austarieren

Um 21 Uhr ging die Fahrt los. Sie dauerte insgesamt rund acht Stunden, bei der unterwegs dreimal zur Versorgung der Elefanten angehalten wurde. Das Fahren selbst, so schildert es Normann, verlangt dabei allerhöchste Aufmerksamkeit, weil sich die Tiere unterwegs ständig austarieren, vereinfacht gesagt, kurzzeitig die schweren Köpfe schütteln. „Das sind nicht planbare Bewegungen“, so Normann, „daher fährt man Elefanten nie mit Tempomat und immer mit beiden Händen am Lenkrad.“ Dokic fuhr die ersten viereinhalb Stunden Lenkzeit, für die restlichen dreieinhalb Stunden übernahm Normann das Steuer. Am frühen Morgen, nach einer guten Stunde Ruhezeit für die Tiere, setzte Dokic den MAN mit dem Hydrodrive-Getriebe über einen kleinen Gehweg rückwärts bergauf direkt vor das Elefantenhaus im neuen Zoo. Sogar die Paviane auf dem benachbarten Felsen sollen das Spektakel laut SR interessant gefunden haben. Um 9.45 Uhr am Donnerstag waren die Elefanten schließlich wohlbehalten in ihrem neuen Zuhause angekommen. Für Normann und Dokic, die noch im Zoo den Behälter gesäubert und vor allem desinfiziert hatten, endete die Tour am Donnerstagabend gegen 18 Uhr wieder in Bendorf.

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