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Risk Management im Schotterwerk Geiger

Gefahren lauern überall

Stein- und Schotterwerke Geiger, Geiger, Steinbruch, Lkw Foto: Geiger

Steinbrüche, Baustellen, Straßenbauarbeiten: Das Portfolio der Stein- und Schotterwerke Geiger ist breit gefächert. Doch entsprechend viele brenzlige Situationen können entstehen. Geiger hat daher gemeinam mit der Versicherung Allianz ein Risk Management-Konzept aufgesetzt.

Die komplette Wertschöpfungskette abbilden: Das nehmen die Stein- und Schotterwerke Geiger aus Kinding/Pfraundorf im oberbayerischen Landkreis Eichstätt wortwörtlich. Aus mehr als zehn eigenen Steinbrüchen gewinnt das Unternehmen Gesteinsmate­rial, das sie aufbereitet und in zwei verschiedenen Varianten an die Kunden liefert. Entweder als Massengut in Form von Schotter, Kies und Asphalt für den Straßen- und Tiefbau oder als Werkstein, etwa für den Garten- und Landschaftsbau. Steinbrüche, Baustellen, Straßenbauarbeiten: Da lauern viele Gefahren – mehr noch als bei anderen Transportunternehmen.

"Bisher kam es zum Glück nur zu reinen Sachschäden", erklärt Geschäftsführer Rainer Hohenwarter im Gespräch mit trans aktuell. Doch auch diese verursachen hohe Kosten. Einer der Gründe, warum sich die Geschäftsführung im Jahr 2015 für das Erstellen eines Risk-Management-Konzepts entschied. Gemeinsam mit der Versicherung Allianz startete die Firma Geiger das Programm im Januar 2016. "Die Schadenhäufigkeit im Unternehmen hat sich seitdem kontinuierlich nach unten entwickelt", erklärt Ralph Feldbauer, Chef-Riskmanager und Leiter Risk Management Flotten bei der ­Allianz.

Zum Risk-Manage­ment-Plan gehören verschiedene Punkte: die schadenbedingten Fuhrparkkosten erfassen, die Schadendaten analysieren, Schadenschwerpunkte identifizieren – und natürlich die Prävention. "Wir verfolgen beim Risk Management zwei Ziele: Vor allem wollen wir Menschen vor Schaden bewahren, aber auch die Schadenkosten reduzieren", erklärt Hohenwarter.

Fahrerschulungen mit Dehler & Partner

Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Fahrer. Dieser Tatsache ist sich Hohenwarter bewusst, und deshalb hat er gemeinsam mit dem ortsnahen Ausbildungszentrum Dehler & Partner aus Ingolstadt zwei Fahrerschulungen pro Jahr am Firmensitz in Kinding/Pfraun­dorf angesetzt. Die Firma Geiger beschäftigt 75 Fahrer, die alle im Saisonbetrieb arbeiten. Im Sommer sammeln sie ihre Stunden, im Winter haben sie weitestgehend frei. "Darum findet die erste Schulung im März statt, um die Fahrer auf die Saison vorzubereiten und ihr Wissen über die Sicher­heits­bestim­mun­gen aufzufrischen", erklärt der Geschäftsführer.

Die zweite Schulung folge zum Ende der Saison im Herbst. Dann stehen die Unfallzahlen im Mittelpunkt, die natürlich möglichst niedrig ausfallen sollen. "Ich war überrascht, wie positiv die Fahrer diese Schulungen sehen", berichtet Hohenwarter. Trotz des recht hohen Durchschnittsalters seien sie auch an Zukunftsthemen wie der Digitalisierung sehr interessiert.

"Am Ende jeder Schulung sind sich die Fahrer einig: 98 Prozent haben sie in Bezug auf mögliche Unfälle selbst in der Hand", erklärt Feldbauer aus der Praxis. 
Dem stimmt auch Gert Dehler, Geschäftsführer bei Dehler & Partner, zu: "Es gibt immer ein Restrisiko, aber auch darauf hat der Fahrer Einfluss." Gemeinsam mit seinem Kollegen Georg Schafhauser unterrichtet er bei jedem Schulungstermin rund 20 Fahrer in Theorie und Praxis zum Thema Risk Management. Die Ziele der Veranstaltung formuliert Dehler schon zu Beginn: "Erstens: vermeidbare Unfallschäden auf null reduzieren. Zweitens: Der Fahrer soll selbstkritisch sein und die eigenen Risikofaktoren ständig kontrollieren und verbessern. Drittens: Es gilt, die eigene Gesundheit und die der anderen zu schützen und durch das Fahrverhalten Kosten einzusparen."

Tipp: "Suchen Sie die Gefahr"

Die beiden Fahrprofi-Trainer teilen die Fahrer in zwei Gruppen auf. Gruppe eins startet mit der Theorie, Gruppe zwei mit der Praxis – nach dem Mittagessen wird getauscht. Im Theorieteil schildern die Fahrer ihre Unfälle und warum sie wie genau passiert sind. Dehler erarbeitet mit ihnen anschließend, wie sie solche Unfälle künftig vermeiden können. "Suchen Sie die Gefahr", empfiehlt er den Teilnehmern. Was er damit meint: Auf der Baustelle oder an der Ampel sollen sie sich fragen, wo mögliche Gefahrenquellen stecken.

Gerade an der Ampel lauert die, vor allem in den Medien präsente, Gefahr des toten Winkels. Kommt es zu einem Unfall, haftet in den meisten Fällen der Fahrer, denn er ist letztlich für die korrekte Einstellung der Spiegel im Lkw verantwortlich. Die Geiger-Fahrer lernen daher die richtige Einstellung – mit und ohne Hilfe der Spiegeleinstellplane der BG Verkehr – und erfahren dabei von Risk Manager Feldbauer: "Auch das Restrisiko des toten Winkels lässt sich enorm reduzieren."

Sind die Spiegel richtig eingestellt und werden alle vorhandenen Spiegel am Fahrzeug auch tatsächlich genutzt, lassen sich vorab als blind wahrgenommene Winkel plötzlich sichtbar machen. Vorausgesetzt, das Fahrerhaus schmücken nicht Wimpel oder Fahnen und die Spiegel sind sauber. Bei der anschließenden Rangierübung müssen die Fahrer im Vor- und Rückwärtsgang einen Parcours meistern, ohne die aufgestellten Pylonen und Stangen zu berühren.

"Auch die beste Technik in den Fahrzeugen bringt nur etwas, wenn der Fahrer damit umgehen kann", erklärt Feldbauer. Er sieht alle Beteiligten in der Pflicht, auf eine fundierte Einweisung der Fahrer hinzuwirken und diese nachweislich umzusetzen: "Die dafür ausgegebenen Summen sind nicht als Kosten zu sehen, sondern als wertvolle Investition in Sicherheit und Schadenvermeidung."

Für seine Fahrzeuge setzt Geiger-Geschäftsführer Hohenwarter auch auf Assistenzsysteme. Zum Fuhrpark zählen rund 70 Lkw, die von MAN und Mercedes stammen. Zudem arbeite Geiger saison- und auftragsabhängig mit Subunternehmen zusammen, die 60 bis 70 Lkw zur Verfügung stellen. Damit Fahrer und Fahrzeuge auch künftig vor Schäden geschützt sind, plant Hohenwarter auf Empfehlung des Riskmanagers Feldbauer die Digitalisierung von Prozessen wie der Abfahrtskontrolle und der Schadenmeldung. Die Zeichen stehen also auch in Zukunft auf Sicherheit.

Das Unternehmen

  • Gegründet 1929 von Hermann Geiger, wirtschaftlicher Aufschwung Mitte der 1960er-Jahre, als Sohn Herbert Geiger die Geschäftsführung übernahm
  • Geschäftsführung: Herbert Geiger, Rainer Hohenwarter, Robert Haußner, Jürgen Kornprobst
  • Mehr als 500 Mitarbeiter in der gesamten Unternehmensgruppe (dazu zählen neben Geiger die Firmen Zeidler & Wimmel Natursteinindustrie, Pusch Bau, IAM Ingolstädter Asphaltmischwerke, Max Balz Marmorwerk); rund 270 Mitarbeiter bei Geiger, davon 75 Fahrer
  • Geschäftsfelder: Naturstein, Schotter, Straße
  • Kunden: Tief- und Hochbau, Garten- und Landschaftsbau, Erdbau, öffentliche Auftraggeber wie Straßenmeistereien, Betonwerke, Asphaltmischanlagen
  • Fahrer werden nach dem bayerischen Steine- und Erden-Tarif bezahlt, Saisonbetrieb mit Arbeitszeitkonto
Unsere Experten
Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Carsten Nallinger Carsten Nallinger Lkw-Navigation
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