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Rinspeed Snap auf der CES 2018

Neue Studie für urbane Mobilität

Rinspeed Snap Foto: Rinspeed/ZF 4 Bilder

Die Ideenschmiede Rinspeed zeigt auf der Messe CES in Las Vegas ihr neuestes Konzeptfahrzeug. Die Spezialität des "Snap" ist es, im urbanen Umfeld vollkommen autonom, elektrisch und besonders flexibel unterwegs zu sein.

09.01.2018 Markus Bauer

Dazu ist das Fahrzeug in zwei grundlegende Komponenten aufgeteilt: Die Fahrgastzelle, genannt Pod, und das Chassis, das sogenannte Skateboard. Der Pod an sich ist sehr flexibel ausgelegt. Die Kabinen können entweder Güter oder Personen bewegen. Der Wechsel ist laut Hersteller einfach zu bewerkstelligen, da alle für den autonomen Betrieb wichtigen Bauteile ohnehin im Skateboard stecken.

Mega-Skateboard als Basis

Die deutlich aufwändigere Hälfte des Snap ist also dieses Skateboard. Dort steckt die komplette Elektronik und Mechanik drin, die das Konzept fit für die Innenstadt machen soll. Das Intelligent Dynamic Driving Chassis (IDDC), wie Rinspeeds Partner ZF das Skateboard nennt, besteht aus verschiedenen Kernelementen. Eines davon ist das Hinterachssystem mSTARS, das laut ZF eine Zusatzlenkung für die hintere Achse und den Antrieb vereint. Beim Rinspeed Snap habe man den Lenkwinkel der Hinterachslenkung Active Kinematics Control auf 14 Grad erhöht.

Als Antrieb liefert ZF im mSTARS-Modul des Snap einen maximal 51 kW starken Elektromotor samt Leistungselektronik. Dieser sei, so ZF, konsequent ausgelegt auf maximale Reichweite, vergleichsweise niedrige Geschwindigkeiten und die Dauerbelastungen im urbanen Car-Sharing. Rinspeed gibt die Höchstgeschwindigkeit mit etwa 80 km/h an. Die maximale Reichweite des leer etwa 1.700 Kilogramm schweren Snap liegt bei 100 Kilometern.  

An der Vorderachse steuert ZF im IDDC die Speziallenkung EasyTurn bei. Diese bietet demnach einen deutlich größeren Lenkwinkel von 70 Grad. Im Zusammenspiel mit der mitlenkenden Hinterachse könne der Snap beinahe auf der Stelle wenden. Dazu kommt ein integriertes Bremssystem, das wie die anderen Komponenten elektrifiziert ist. Auf diese Weise stellt ZF sicher, dass alle Komponenten im autonomen Betrieb problemlos zusammenarbeiten.

Zahlreiche Sensoren sorgen für Rundumblick

Auch die gesamte Sensorik des Snap ist ins Skateboard integriert. Das Sensorcluster habe man speziell auf die autonome Fahrt durch Städte angepasst. So nutzt der Snap laut ZF Lidar, Radar und optische Kameras. Laut ZF ist die damit erzielte 360-Grad-Umfelderkennung darauf ausgelegt, im Fern- und im Nahbereich, bei allen innenstadtrelevanten Geschwindigkeiten sowie unabhängig von Licht- und Wetterverhältnissen zu funktionieren.

All diese Signale verarbeitet laut Rinspeed das künstliche Gehirn ZF ProAI, das die Friedrichshafener in seiner ersten Version bereits auf der CES 2017 vorgestellt haben. Im zusammen mit Chip-Spezialist Nvidia entwickelten Autocomputer laufen die Informationen aus allen Komponenten, Sensoren und aus der Car-to-X-Kommunikation zusammen. Dieser verarbeitet die Daten in Echtzeit und steuert das Fahrzeug durch den Großstadtdschungel. Grundsätzlich sei ZF ProAI aber nicht auf eine bestimmte Plattform beschränkt und könnte beispielsweise auch in der Luftfahrt zum Einsatz kommen. Zusätzlich zum Hochleistungsrechner haben die Ingenieure in das System auch künstliche Intelligenz und Deep-Learning-Fähigkeiten entwickelt. In einem weiteren Schritt könnten sich mehrere Snaps also auch selbst anlernen und neue Funktionen beibringen.

Clevere Detaillösungen in der Passagierkabine

Die Aufgabe des Güterpods ist einfach zu erfassen. Deutlich aufwändiger hat Rinspeed in Zusammenarbeit mit zahlreichen Projektpartnern die Passagierkabine gestaltet. Mit seinen Außenmaßen von 4.685 mal 1.960 mal 1.842 Millimetern (Länge/Breite/Höhe) und einem Radstand von 3.250 Millimetern ist der Snap nicht viel größer als ein Mittelklasse-Pkw. Dennoch bietet er dank der Kastenform wesentlich mehr Platz für die vier Insassen als es jeder andere Pkw mit diesen Maßen könnte.

Platz ist indes nicht das einzige, womit die Studie wuchern kann. Zunächst einmal erkennt das Fahrzeug automatisch und durch mehrere Stufen abgesichert seine Passagiere. Je nach abgespeicherten Präferenzen stellt der Snap dann die vom jeweiligen Fahrgast präferierte Playlist zur Verfügung. Den Musikgenuss unterstützt die Soundanlage durch Bassvibrationen im Rückenteil der Sitze. Neben der Musikdatenbank kann das System auch auf individuellen Bildschirmen Filme und Serien streamen, damit den Passagieren an Bord nicht langweilig wird. Dank der 5G-Verbindung kann der Snap laut Rinspeed mit nur einem Anschluss ans mobile Netzwerk an allen vier Plätzen in HD-Qualität Spielfilme anzeigen. 

Robohelfer und mobiler Garten

Auf Wunsch liefert Rinspeed als Personal Assistent einen Roboterhelfer namens Pepper mit. Der Androide kann sich demnach frei bewegen, mit den Fahrgästen interagieren und sogar die Einkäufe tragen. Dabei kommuniziert und interagiert der Snap nicht nur mit seiner menschlichen Fracht im Innenraum. Je nach Situation sendet er auch nach außen Botschaften. Dies funktioniert laut Rinspeed über sechs Projektionen. Zwei davon nutzen demnach die Front- und Heckscheibe, um vollfarbige Botschaften an andere Verkehrsteilnehmer zu senden wie "Vorfahrt gewährt" oder "Achtung, Kinder". Über vier weitere Laserprojektionen auf den Seitenscheiben kommuniziere der Wagen mit zusteigenden Fahrgästen.

Zumindest auf den ersten Blick wartet der Innenraum mit einem weiteren Highlight auf. Kostal liefert für den Snap mobile Planzenbeete. Einerseits werde der Snap so zum Rückzugsort mit Mini-Bauernhof, andererseits können die Passagiere die angebauten Früchte gleich unterwegs naschen. Laut Rinspeed überwachen weitere Sensoren die Beete. Bei Bedarf gießt ein Bewässerungssystem die Pflanzen automatisch.
 
In der Regel verlassen die Studien aus dem Hause Rinspeed das Konzeptstadium nur selten. Zwischen den Zeilen ist allerdings in Las Vegas zu vernehmen, dass es nicht nur beim Prototypen bleiben soll.

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