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Riesen-Schiffsstau am Suezkanal Havarie bedroht Lieferketten

Container, Hafen, Schiff, Containerschiff Foto: HHLA, Molokini Marketing

Einer der schlimmsten Schiffstaus seit Jahren betrifft weit über 150 riesige Containerschiffe nach einer Havarie im Suezkanal. Das könnte ohnehin angespannte Lieferketten zusätzlich bedrohen.

Der Suezkanal als eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt zwischen Mittel- und Rotem Meer wird durch ein auf Grund gelaufenes Riesencontainerschiff blockiert. Die 400 Meter lange und 59 Meter breite „Ever Given“ war bei einem Sandsturm manövrierunfähig geworden und macht den Schiffsverkehr in beide Richtungen unmöglich. Durch den Suezkanal laufen rund zehn Prozent des Welthandels.

Täglich Waren im Wert von 9,6 Milliarden Dollar

Die ägyptische Suezkanal-Behörde hat den Verkehr so lange unterbrochen, bis das havarierte Containerschiff wieder flott ist. Derzeit nach Angaben des japanischen Schiffseigners völlig offen, wann das sein wird, berichtet der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Eine grobe Berechnung zeige, dass täglich Schiffsverkehre im Wert von etwa 9,6 Milliarden Dollar gestoppt wurden. Die Zahl basiere auf einer Einschätzung von Lloyd's List, die davon ausgeht, dass der westgehende Verkehr etwa 5,1 Milliarden Dollar pro Tag ausmacht und der ostgehende Verkehr etwa 4,5 Milliarden Dollar.

Lieferketten unter Druck

Die Havarie kommt nach Einschätzung der Versicherungsbranche zu einem weltwirtschaftlich gesehen besonders schlechten Zeitpunkt, da die Lieferketten bereits stark unter Druck stehen. Auto- und Computerhersteller litten weltweit unter einer Knappheit an Chips, der sich durch den Brand in einer japanischen Fabrik in der vergangenen Woche noch verschärft habe. Zudem hatte ein Kälteeinbruch in Texas für Verzögerungen in kalifornischen Häfen gesorgt, auch vor Los Angeles und Long Beach liegen zahlreiche Schiffe auf Reede.

Lage im Container-Seeverkehr verschärft

Nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) verschärft sich durch die Havarie die angespannte Lage im internationalen Container-Seeverkehr. „Schon jetzt sind die internationalen Logistik-Turbulenzen zu spüren“, sagte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. „Zentrale Lieferketten geraten aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken, während die Kosten steigen.“ Dies wirke sich in der Industrie bereits negativ auf die Produktionsabläufe aus. Betroffen seien insbesondere die Branchen, die auf Rohstoff- oder Bauteillieferungen sowie den Versand ihrer Fertigprodukte über Seetransporte angewiesen seien.

Verspätungen an der Tagesordnung

Das havarierte Schiff sollte nach Rotterdam auch den Hamburger Hafen anlaufen, sagte die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA) Angela Titzrath. Es hätten sich mittlerweile mehr als 200 Containerschiffe angesammelt, die ebenfalls nicht weiterkommen und sogar früher in Hamburg anlegen sollten. Für die HHLA sei das nicht besorgniserregend: „Kein Schiff in diesem Jahr ist bislang pünktlich gewesen“, sagte Titzrath. Einer HHLA-Sprecherin zufolge stehen alle Häfen weltweit seit Monaten vor der Herausforderung, dass Verspätungen von zwei Wochen mittlerweile an der Tagesordnung sind.

Neue Route über Afrika

Die Havarie im Suezkanal werde Auswirkungen auf die Fahrpläne haben, so die Sprecherin, aber die seien aufgrund einer weltweit extremen Nachfrage nach Schiffs- und Containerkapazitäten ohnehin durcheinander. Der Hamburger Hafen habe sich auf die Situation eingestellt, und auch die Auswirkungen der Havarie seien zu bewältigen. Für den folgenden Schiffsverkehr bedeute dies, dass die Route erst einmal um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas herumführe, was entsprechend länger dauere.

Experte befürchtet Staus in europäischen Häfen

Lars Jensen, Experte für Schiffsverkehre und Geschäftsführer der dänischen Seaintelligence Consulting, sieht das laut Al Jazeera weniger entspannt. Wenn der Korken aus dem Flaschenhals gelöst werden, bekomme man beides: alle Schiffe aus der Warteschlange und zusätzlich die normalen Schiffe, die gleichzeitig in die nordeuropäischen Häfen einlaufen wollten. In ein bis zwei Wochen könne das zu einem massiven Stau in den Häfen Europas führen, befürchtet er.

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