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Projekt Truck2Train gestartet

Kleine Unternehmen auf die Schiene bringen

Foto: BGL/DB AG Steve Wiktor

Der Kombinierte Verkehr soll auch für kleinere Unternehmen eine Option sein. Das Projekt Truck2Train von Allianz pro Schiene und BGL will ihnen beim Verlagern auf die Schiene helfen.

Die Schiene stärken und sie kleinen und mittelständischen Transportunternehmen schmackhaft machen – dafür kämpfen der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und die Allianz pro Schiene künftig gemeinsam. Die beiden Verbände haben das Projekt Truck2Train auf den Weg gebracht, das Hürden im Kombinierten Verkehr (KV) abbauen sowie die Verlagerung von Verkehren von der Straße auf die Schiene beschleunigen soll. Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) unterstützt das auf 20 Monate ausgelegte Vorhaben mit rund 200.000 Euro.

BMVI: Stärken beider Systeme verknüpfen

„Der Kombinierte Verkehr bietet die Möglichkeit, die Stärken beider Systeme zu verknüpfen – des Straßengüterverkehrs und des Schienengüterverkehrs“, erläuterte Stephan Bull, Leiter des Referats Masterplan Schienengüterverkehr, Gleisanschlussförderung im BMVI, bei einer Videoschalte von BGL und Allianz pro Schiene am Mittwoch. Große Mengen würden zuverlässig auf der Langstrecke bewegt, ohne auf die Flexibilität des Lkw auf der ersten und letzten Meile zu verzichten.

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„Wenn man den Lkw und die Güterbahn verzahnt, profitiert nicht nur die Umwelt“, sagte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege. Es profitierten auch die Gesellschaft und die Unternehmen – unter anderem durch die erlaubten 44 Tonnen im KV und durch Vorteile beim Rekrutieren von Fahrern, die in der Regel abends zu Hause sind. Die Güterbahn sei sechsmal umweltschonender als der Lkw, führte Flege aus – der KV bei der CO2-Bilanz immerhin noch um den Faktor 3. Der Verbandschef ist zudem überzeugt, dass der KV enormes Potenzial hat. Innerhalb von zehn Jahren habe der Intermodalverkehr bei der Verkehrsleistung um 40 Prozent auf 55 Milliarden Tonnenkilometer zugelegt. Auch die weiteren Aussichten sind laut der Mittelfristprognose des Bundes positiv. Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, reiche dieses Wachstum aber nicht. „Wir brauchen viel mehr Tempo“, betonte Flege.

BGL: Hürden für kleine Transporteure abbauen

Um das Tempo zu erhöhen und um kleine Unternehmen als neue Klientel zu gewinnen, bedarf es einiger Weichenstellungen. BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt macht als Hürde für kleinere Transporteure fehlendes Wissen über die Angebote und das fehlende Netzwerk aus – weil sie am Empfangsdepot im Gegensatz zur Konzernspedition in der Regel keine Niederlassung unterhalten und auf Partner angewiesen sind. Auch fehlten den Betrieben meist kranbare Transporteinheiten. „Wir benötigen daher einfache Buchungsmöglichkeiten, verlässliche Partner für den Vor- und Nachlauf und das nötige Equipment“, sagte Engelhardt.

Hier setzt das Projekt Truck2Train an, das diese Hemmnisse beseitigen und kleineren Unternehmen Zugang zum KV verschaffen soll. Die kleinen Unternehmen dominieren den Markt: 80 Prozent der Unternehmen im gewerblichen Güterkraftverkehr beschäftigen weniger als 20 Leute und betreiben weniger als zehn Fahrzeuge. Sie sind überwiegend auf der Straße unterwegs. Entsprechend groß ist für die Allianz pro Schiene und den BGL das Potenzial. „Wir reden über eine Verdopplung oder Verdreifachung dessen, was wir heute haben“, sagt Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege auf Nachfrage der Fachzeitschrift trans aktuell. Er spricht vom vielleicht bedeutendsten Projekt für eine Verzahnung dieser beiden Verkehrsträger. Was das konkrete Verlagerungspotenzial angeht, weist BGL-Vorstandschef Engelhardt auf eine Studie hin, die hierzu in Auftrag gegeben worden sei.

Flege: KV-Buchung so einfach wie eine Hotel-Buchung

Im ersten Schritt ermitteln die Projektpartner nun anhand von Fragebögen, was kleine und mittlere Unternehmen aktuell von einem Engagement auf der Schiene abhält. In einem zweiten Arbeitspaket definieren sie, wie diese Hürden abgebaut werden können. In Phase drei kommen digitale Portale in Spiel, die den Einstieg in den KV erleichtern. „Wir wissen, wie einfach es heute ist, über ein Portal ein Hotel zu buchen oder einen Lkw von A nach B zu schicken“, sagt Flege.

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Ähnlich simpel soll ein Unternehmer künftig Auskunft über KV-Relationen und -Konditionen erhalten und seine Ware auf den Weg bringen können. Flege hält es für wahrscheinlich, dass die beiden neuen KV-Portale Modility, das auf Initiative der HHLA mit elf Partnern entstanden ist, und Rail-Flow hier eine wichtige Rolle spielen werden. Am Equipment soll es dabei nicht scheitern: Der Vermieter TIP Trailer Services soll die nötigen Einheiten zur Verfügung stellen, mit ihm gehen die Truck2Train-Partner eine Kooperation ein. Parallel soll es Möglichkeiten geben, mithilfe von Systemen wie Nikrasa und Lohr nicht kranbare Einheiten auf die Schiene zu bringen.

In Phase vier dreht sich dann alles um die Anforderungen an die IT-Plattformen. Zum Projektende hin, in Phase fünf, folgen Handlungsempfehlungen. „Dann werden wir auch die Praxistauglichkeit des Projekts auf mehreren Pilotrelationen unter Beweis stellen“, kündigte Flege an. Engelhardt und er laden weitere Akteure an, sich Truck2Train anzuschließen. „Wenn wir den Turbo für den KV anwerfen, wären wir töricht, jemanden zurückzuweisen“, sagt Flege.

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