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Projekt KV 4.0 läuft

Kombinierter Verkehr digitalisiert

Kombiverkehr Prototyp Taschenwagen TN3000 Foto: Rene Spalek / www.spalek.com

Eine Datendrehscheibe rückt den KV 4.0 in greifbare Nähe – alle Infos sind immer und an jeder Stelle für alle verfügbar.

Mit der Transparenz ist das im Kombinierten Verkehr (KV) bislang so eine Sache. Da ist zum einen die hohe Zahl der am Prozess Beteiligten. Zum anderen gehen die Transporte auch über Ländergrenzen hinweg, was die Nachverfolgbarkeit aufgrund unterschiedlicher Vorschriften und Abwicklungsszenarien nicht gerade einfacher macht.

An dieser Stelle hat das Projekt „Digitalisierung intermodaler Lieferketten – KV 4.0“ angesetzt. Gleich mehrere Verbundpartner – Kombiverkehr, DB Cargo, Lokomotion, SBB Cargo Deutschland, KTL Kombi-Terminal Ludwigshafen, Hupac, Hoyer, Paneuropa und Bertschi – arbeiteten von September 2017 bis Februar 2021 an einer Datendrehscheibe für die gesamte intermodale Transportkette. Geld gab’s dabei vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) über die sogenannte Forschungsinitiative Modernitätsfonds (mFund). 2,29 Millionen Euro steuerte der Bund so zu dem KV-Projekt bei, dessen Kosten sich auf insgesamt 5,87 Millionen Euro belaufen.

Vermarktung startet

Foto: Kombiverkehr

Mit der technischen Umsetzung ist das Ganze aber noch keinesfalls vorbei. Im nächsten Schritt streben die Akteure die Vermarktung der Datendrehscheibe an. Eine eigene Gesellschaft namens DX Intermodal soll dazu Anfang 2022 an den Start gehen. Wobei an dieser Stelle nicht das Geld im Vordergrund steht. Tatsächlich sollen die Nutzer lediglich nutzungsabhängig zur Kasse gebeten werden – und gerade einmal so, dass die laufenden Kosten der Lösung gedeckt sind. Ein eige­nes Geschäftsmodell, darin sind sich alle einig, soll es nicht geben. Vielmehr sollen alle am Transport Beteiligten von den Vorteilen gleichermaßen profitieren. Demzufolge werde auch das Ediges-Format als Standardsprache für den Datenaustausch innerhalb der intermodalen Lieferkette beständig weiterentwickelt, um auch neue Anforderungen berücksichtigen zu können.

Abgebildet ist der gesamte Prozess. Los geht er mit der Abholung der Ladeeinheit beim Versender; er endet mit der Zustellung beim Empfänger. Folglich sind sowohl Spediteure, KV-Operateure und Infrastrukturbetreiber als auch Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) involviert. Diese wiederum speisen ihre Informationen in das System ein und sorgen zugleich dafür, dass ihre Stammdaten immer auf dem neuesten Stand sind.

Fahrplan als Startpunkt

Der Bahnfahrplan ist sozusagen der Ausgangspunkt eines Transports. Der KV-Operateur stellt die Abfahrt ein, damit alle informiert sind. Der Spediteur lädt diese Daten bei sich ein und bucht anhand dessen den Transport beim Operateur. Bereits an dieser Stelle vergibt die Datendrehscheibe eine eindeutige Identifikationsnummer (ID), die während des gesamten Transports gleich bleibt. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass alle Akteure auch tatsächlich immer vom selben Vorgang sprechen. Als Nächstes erhält der Spediteur eine Buchungsbestätigung mit eben dieser ID und spielt diese Info in sein Transport-Management-System (TMS) ein. Das TMS wiederum schickt die voraus­sichtliche Ankunftszeit (ETA) des Lkw ans Bahnterminal. Dort berechnet die IT-Lösung anhand aller vorliegenden Buchungen die Durchlaufzeit, die wiederum an den Spediteur zurückgespielt wird. Dieser weiß jetzt, wann sein Lkw dort sein muss, wie lange er voraussichtlich braucht – und sogar, ob es eine Rückladung gibt.

Zuglaufdaten übermitteln

Während des Hauptlaufs auf der Schiene liefert das EVU alle Informationen zum Transport und sendet die Zuglaufdaten an den KV-Operateur. Der wiederum schickt zum kommenden Terminal die nächsten „Estimated Time of Pick-up“ an die Spediteure, die wiederum ihre Lkw entsprechend planen können. Ist wiederum klar, dass ein Lkw nicht rechtzeitig am Terminal sein kann, ist es dank der Datendrehscheibe ebenfalls möglich, in Echtzeit umzuplanen. Dann kommt gegebenenfalls eine andere Sendung auf den Zug, um die Auslastung zu optimieren.

Der Empfangsspediteur wiederum nutzt die Abholung am Terminal, um seinem Kunden die entsprechende ETA am Bestimmungsort mitzuteilen. Doch der Transparenz sind auch Grenzen gesteckt: Die Datenberechtigungen werden so gesetzt, dass Wettbewerber keine Rückschlüsse auf Kundendaten ziehen können. „Die digitale Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastruktur wird den Verkehr radikal verändern. Die Daten sind die Grundlage dieser Veränderung. Dies wiederum wird durch den mFund unterstützt“, erklärt Andreas ­Krüger, Leiter der Unterabteilung DG 2, Mobilität 4.0 des BMVI.

Millionen stehen bereit

Dabei gehe es nicht nur um die reinen Statusdaten, sondern auch um allgemeine Mobilitätsdaten wie beispielsweise das Verkehrsaufkommen. Eben diese Informationen sollen allen beteiligten Unternehmen zur Verfügung stehen. Bei dem KV-4.0-Projekt soll es laut Krüger nicht bleiben. „Weitere 250 Millionen Euro stehen zur Verfügung.“ Daher hoffe er, dass „nun weitere Akteure diesem guten Beispiel folgen“.

Für Kombiverkehr-Geschäftsführer Armin Riedl ist es nicht weniger als „der Aufgalopp und der Basisbaustein dessen, wie wir künftig Daten austauschen“. Besonders stolz ist er darauf, dass „wir nicht nur nationale, sondern auch viele internationale Projektpartner haben“. Schließlich soll die Datendrehscheibe europaweit für eine nahtlose Kommunikation sorgen. Ähnlich sieht das auch Michail Stahlhut, Geschäftsführer von Hupac: „Wir haben etwas Handfestes in den Markt gegeben, das von den Akteuren genutzt werden kann.“ Transparenz im KV ist künftig also kein unüberwindbares Problem mehr.

Das Projekt

  • Ziel des Projekts „KV 4.0“ war es, den komplexen ­logistischen Prozess transparenter und übersichtlicher zu gestalten
  • Die Gesamtkosten beliefen sich auf 5,87 Millionen Euro
  • 2,29 Millionen Euro steuerte der Bund über die Forschungsinitiative Modernitätsfonds (mFund) bei
  • Projektzeitraum war von September 2017 bis Februar 2021
  • Anfang 2022 wird die eigenständige Gesellschaft DX ­Intermodal an den Start gehen
  • Sie wird sich um die Verbreitung beziehungsweise die Vermarktung der Datendrehscheibe kümmern
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