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Wind und Wellen trotzen

Foto: BWE/Matthias Ibeler 8 Bilder

Mit viel technischem Know-how entsteht in der Ostsee der Windpark Baltic 2. Der Hafen Sassnitz/Murkan auf Rügen bildet das logistische Rückgrat.

Beim Bau eines Windparks auf hoher See hat Neptun das letzte Wort. Es darf nicht zu kalt sein, sonst härten Fundamente und Bauteile nicht aus. Die See muss ruhig sein, damit die Bauteile in Stellung gebracht werden können, und die Windkraftanlagen selbst können nur bei Windstärken vier bis fünf sicher montiert werden.

Trotz der schwieriger Arbeitsbedingungen baut Energie Baden-Württemberg (EnBW) etwa 32 Kilometer vor der Küste Rügens den kommerziellen Offshore-Windpark Baltic 2. Auf dem 27 Quadratkilometer großen Areal mitten in der Ostsee werden 80 Windkraftanlagen mit jeweils 3,6 Megawatt errichtet. Nach Angaben des Energieanbieters soll Baltic 2 nächstes Jahr ans Netz gehen und jährlich 300 Megawatt produzieren.

Windkraftanlagen werden auf zwei Arten im Meeresgrund verankert

Die Meerestiefe vor Rügen variiert zwischen 23 und 44 Metern. Deshalb müssen die Windkraftanlagen auf zwei unterschiedliche Arten im Meeresgrund verankert werden. Da die Modelle des Herstellers Siemens bis zu 25 Jahre Wind und Wellen standhalten sollen, müssen diese im harten Kalkgestein fest fixiert werden. Bei einer Wassertiefe bis 35 Meter werden dazu Stahlpfähle, sogenannte Monopiles, mit einer Ramme tief im Meeresgrund befestigt. Ab 35 Metern greift man auf Stahlfachwerk-Strukturen zurück, sogenannte Jackets. 

Transportschiffe bringen die schweren Bauteile ins Baufeld

Insgesamt 39 dieser Monopiles und 41 Jackets werden gesetzt, um darauf die 80 geplanten Anlagen zu montieren. Um den engen Zeitplan bis zur Inbetriebnahme einzuhalten, finden viele Arbeitsschritte zeitgleich statt. Deshalb befinden sich täglich bis zu 30 Schiffe im Baufeld von Baltic 2. Jedes hat eine andere Aufgabe: Transportschiffe bringen die schweren Bauteile ins Baufeld, wo sie mithilfe von  Installationsschiffen verbunden werden. Transferschiffe transportieren die Montage-Teams zu ihren Baustellen. Verkehrssicherungsschiffe sorgen dafür, dass Mensch und Material unbeschadet bleiben.
Die Koordination dieses Großprojekts ist ein logistische Herausforderung: Zwölf Unternehmen sind am Bau von Baltic 2 beteiligt, darunter der Fährhafen Sassnitz/Murkan. Der Tiefwasserhafen war eines der letzten großen Verkehrsbauprojekte der DDR. Konzipiert als Güter- und Militärhafen wurden zehn Jahre später ein Großteil der in der DDR stationierten Sowjet-Streitkräfte über diesen Hafen heimtransportiert. Mit einem jährlichen Umschlag von etwa fünf Millionen Tonnen ist Sassnitz/Murkan heute der größte Bahnfährhafen Deutschlands.

Die EnBW entschied sich für Sassnitz aufgrund der geografischen Nähe zum Baufeld, der Lage am offenen Meer, der bereits vorhandenen Lager- und Umschlagsmöglichkeiten und der guten Anbindung an das Eisenbahn- und Straßennetz. Die Bundesstraße B 96 endet direkt am Check-In des Hafens.

Die Flächentragfähigkeit der Hafenanlage beträgt bis zu 50 Tonnen pro Quadratmeter

Um den gewaltigen Dimensionen und Lasten der Windkraftanlagen gerecht zu werden, wurde der Südbereich des Hafen zur Windpower Offshore Base Sassnitz ausgebaut. Auf dem 60 Hektar großen Areal können Anlagenkomponenten produziert, montiert und verschifft werden. Die Flächentragfähigkeit der Hafenanlagen beträgt seit dem Ausbau bis zu 50 Tonnen pro Quadratmeter.
Zudem wurde die Wassertiefe auf 10,5 Meter erhöht und ein 410 Meter langer Anleger errichtet. So können die 560 Einzelteile der 80 Windkraftanlagen für Baltic 2 angeliefert, vormontiert und gelagert werden, bevor diese mit einer schwimmenden Montageplattform ins Baufeld geschleppt und dort errichtet werden.

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