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    Nissan E-NV200 mit Voltia-Umbau im Einsatz

    Elektro-Transporter im Kurierdienst

    Foto: MMK Frachtdienste

    MMK Frachtdienste setzt für DPD einen Nissan E-NV200 Maxi mit Voltia-Umbau ein – und zieht ein positives Fazit.

    17.11.2017 Nicole de Jong

    Michael Mlynarczyk, Geschäftsführender Gesellschafter von MMK Frachtdienste mit Sitz in Unna, hat 2010 bei seiner Teilnahme an der Wahl zum KEP Transporter des Jahres erstmals den NV200 von Nissan gefahren – einen günstigen Transporter in der Größe eines VW Caddy. "Der hat mich vor allem wegen seines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses überzeugt", sagt Mlynarczyk. Ein paar Jahre später hat Nissan seine Elektro-Variante präsentiert, den E-NV200, den der japanische Fahrzeughersteller seit 2013 im spanischen Barcelona produziert. "Das war aus meiner Sicht das erste E-Fahrzeug mit einer ausgereiften Technologie. Ich fand ihn von Anfang an super – und preislich sehr attraktiv", betont er.

    Volita auf Youtube entdeckt

    Mlynarczyk hätte sich sofort einen E-NV200 gekauft, allerdings reichte ihm das Transportvolumen nicht. Zufällig hat er Voltia über ein Youtube-Video entdeckt. Das Unternehmen hatte den E-NV200 verlängert und erhöht. "Wir sind nach Den Haag in Holland gefahren und haben den für den westeuropäischen Markt zuständigen Voltia-Ansprechpartner besucht", erinnert er sich. Mlynarczyk konnte das Auto dort Probe fahren und die Schnellladefunktion testen. Begeistert von dem Fahrzeug stand schnell fest, ein solches Fahrzeug muss in die Flotte von MMK Frachtdienste.

    Preis, Volumen, Reichweite und Technologie haben den Unternehmer überzeugt. Der Preis liegt seinen Aussagen zufolge im Segment eines herkömmlich angetriebenen Transporters in der Größe eines Mercedes Sprinter – bei rund 30.000 Euro netto. Das Ladevolumen beträgt 8 Kubikmeter. Ein Sprinter hat rund 13 Kubikmeter. "Laden wir den Voltia also zweimal am Tag voll, stehen 16 Kubikmeter Volumen zur Verfügung", sagt Mlynarczyk. Der E-NV200 verfügt über 600 – der Sprinter über 1.200 Kilogramm Nutzlast. Würde er den Voltia zweimal beladen, hat der dieselbe Nutzlast wie zuvor. Gesagt, getan. Über den Haupt-Lkw, der in der Innenstadt unterwegs ist, wird der Voltia, der für DPD fährt, nach seiner ersten Runde für eine zweite Tour neu beladen.

    140 Kilometer reichen

    Die Batteriereichweite ist mit 140 Kilometer angegeben. Über eine Anzeige im Display kann der Fahrer jederzeit sehen, wie viele Kilometer er noch schafft. Sobald der Fahrer Verbraucher wie Licht, Radio oder Scheibenwischer einschaltet, geht die Kilometerzahl runter. "Wir waren zunächst skeptisch, ob uns 140 Kilometer reichen, haben aber schnell festgestellt, dass es geht", berichtet der Geschäftsführer. Nach einem Tageseinsatz mit etwa 100 Stopps und 160 Paketen kommt das Fahrzeug mit rund 40 Prozent Restleistung im Depot an.

    Im Winter – davon geht Mlynarczyk aus – wird es knapp, wenn der Fahrer die Heizung einschaltet. Daher hat er ein dieselbetriebenes Zusatz-Heizaggregat einbauen lassen, das der Fahrer nur dann einschaltet, wenn er es wirklich braucht. Zudem hat der Unternehmer in Dortmund Stadtmitte Schnellladesäulen ausgemacht, wo sich der Voltia innerhalb von 20 Minuten um 20 Prozent aufladen lässt – die wiederum für rund 20 Kilometer reichen. Der Fahrer steckt den Stecker des Ladekabels dort ein und schaltet die Säule einfach über eine App frei. In der Zeit kann er in seinem Gebiet weitere fünf bis sechs Zustellungen zu Fuß erledigen oder "einfach mal eine Pause einlegen", sagt Mlynarczyk, was er sogar noch für wichtiger hält.

    Fahrer fährt viel entspannter

    Schöner Nebeneffekt: Er habe über so viele Jahre versucht, seine Fahrer bei den Dieselfahrzeugen zu einem spritsparenden Fahren zu animieren – ohne Erfolg. Nun setze sich der Zusteller des E-Autos selbst das Ziel, so wenig wie möglich Strom zu verbrauchen. Zum einen, weil er sich einen Sport daraus macht. Zum anderen will er natürlich nirgends liegen bleiben, weil er die Batterie leergefahren hat. „Er fährt viel entspannter“, fügt er hinzu. Trotzdem sei natürlich nur ein Fahrer für das E-Auto zu begeistern, der offen für Neues ist. Zumal er häufig angesprochen wird, ob das Fahren Spaß macht. "Vorher wurde er meist angepöbelt, dass er mit seinem Zustellfahrzeug durch die Fußgängerzone fährt oder in zweiter Reihe parkt."

    Dass der Voltia für die Innenstadt zweimal beladen werden muss, sei dennoch nicht optimal. Auch wenn es egal ist, wann der Fahrer die Pakete in die Hand nimmt. "Wir beladen den Voltia nun mit kleineren Paketen für rund 130 Stopps", sagt er. Denn er sieht das Fahrzeug noch besser für Wohngebiete geeignet, wo die Straßen eng sind und keine Parkplätze zur Verfügung stehen. Mit dem kleinen schmalen Auto könne gut in zweiter Reihe gehalten oder das Auto an quer zur Fahrbahn liegenden Parkbuchten abgestellt werden.

    Ein Zweiter fährt für GLS

    Ein zweites Fahrzeug hat Mlynarczyk bereits bestellt, das er noch im November in Bratislava abholt. Der Neue soll dann bei GLS in Unna zum Einsatz kommen. Präsentiert werden soll er zunächst auf der Fußgängerzone. Längerfristig soll auch der zweite in den Wohngebieten unterwegs sein. Die Technik des Autos sei ausgereift und daher habe er nicht gezögert, beide E-NV200 von Voltia zu kaufen. "Ich bin guter Dinge, dass sie sehr lange halten werden", erzählt er. Allen voran die Batterie – sie soll sieben Jahre schaffen – also so lange, wie MMK Frachtdienste das Fahrzeug mindestens auch im Alltagsgeschäft einsetzen will. Weitere Käufe für den Einsatz in den Stadtbereichen von Dortmund und Unna sind geplant.

    "Ich werde Dieselfahrzeuge aber nie komplett aufgeben, da wir sie auf Strecken und für Spontaneinsätze benötigen", erläutert Mlynarczyk. Der E-Nissan sei bestens für die Zustellung im Nahverkehr geeignet. "Wir sind vor allem durch die Voltia-Ausführung komplett zufrieden und können nichts Negatives finden", lautet das Zwischenfazit des Unternehmers nach einem Vierteljahr des Einsatzes. Auch die Investition für die Ladeinfrastruktur am Depot hielt sich in Grenzen. Strom sei ohnehin da, es musste nur ein Kabel verlegt und eine Steckdose an geeigneter Stelle gesetzt werden. Nun hofft Mlynarczyk, dass er auch bald für seinen 7,5-Tonner, der in der Innenstadt unterwegs ist, eine Elektrovariante findet.

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