Neue Sicherheitssysteme im Bus

MAN legt nach

Foto: Thorsten Wagner

Was erweiterte Assistenz- und Sicherheitssysteme betrifft war bis dato nicht viel zu holen bei den MAN-Stadtbussen der alten und neuen Generation. Das soll sich nun mit dem zugekauften "Mobileye Shield Plus"-System ändern – und das das gleich für alle Modelle des Herstellers.

Sicherheit im Bus ist ein immer wichtiges Thema - und das an allen Fronten (siehe die beiden Berichte in lastauto omnibus Heft 7 und 8). Reisebusse haben seit einiger Zeit schon ein erstaunliches Niveau an elektronischer Assistenz mit auf den Weg bekommen, mit ABA4 hat Daimler als erster Hersteller sogar eine Fußgängererkennung mit aktiver Bremsung eingeführt. Auch für den Stadtbus sind die Mannheimer bisher vorangestürmt und haben mit Preventive Brake Assist und Side Guard Assist deutlich vorgelegt, auch wenn die hochmodernen und vollintegrierten Systeme derzeit noch nicht für den vollelektrischen eCitaro verfügbar sind.

MAN legt deutlich nach

Da konnte und wollte MAN nicht lange hintenanstehen im Busworld-Jahr, zumal man ansonsten eher solide Hausmannskost zu bieten hat (wir berichten in lastauto omnibus Heft 9). Als wirkungsvolle Maßnahme gegen Unfälle, die ihre Ursache zumeist im übersehenen Toten Winkel haben, führen die Münchner ab 2020 also das zugekaufte "Mobileye Shield Plus System" ein, das auch über ein aktiv warnendes Abbiegesystem mit Fußgängererkennung verfügt. Das System, das in Brüssel erstmals für den Stadtbus vorgestellt wird, durften wir schon in einem Lion's Coach fahren und einen durchaus guten Eindruck davon gewinnen.

Leider ist ein aktiver Eingriff weder in die Lenkung noch in die Bremsanlage vorgesehen, es bleibt bei optischen und akustischen Warnungen. Nun ist der israelische Spezalist Mobileye ein hochkompetenter Weltmarktführer, der mit bedeutenden Pkw-Herstellern zusammenarbeitet, aber wie auch Markus Egelhaaf, Leiter Unfallforschung bei DEKRA, bestätigt, kann ein optisches Erkennungssystem nie so zuverlässig sein wie Radar oder gar Lidar (siehe das Interview in lastauto omnibus Heft 7), da Gegenstände oder Menschen nicht physisch detektiert, sondern nur algoritmisch interpoliert werden. Man kennt den Unterschied aus seinem eigenen Pkw ja zur Genüge. Die Herausforderung ist hier also, den Mittelweg zwischen sinnvoller Warnung und nerviger Fehlauslösung zu finden.

Zudem ist das System derzeit nicht mit dem vorbildlichen, kamerabasierten Spiegelersatzsystem OptiView für den Neoplan Reisebus gekoppelt, was sicherlich eine optimale Lösung gewesen wäre. Jetzt kann der Kunde also zwischen zwei Lösungen entscheiden, die beide einen Invest darstellen (eigentlich sogar drei, da das Mobileye System entweder nur für rechts oder auch für die linke Seite geordert werden kann). Auch Solaris hat unlängst den Einsatz des Mobileye Systems angekündigt, allerdings wollen die baskischen Polen es mit dem Wabco Notbremssystem "Collision Mitigation Assistant" kombinieren und sich so näher an das Preventive Brake Assist von Daimler heranrobben.

Drei Kameras überwachen die Seiten des Busses

Foto: Thorsten Wagner
Die aktive Warnung vor Gefahrensituationen und Kollisionen erfolgt optisch und akustisch.

Und so funktioniert das neue System bei MAN: Eine Frontkamera in dem neuen, erweiterten Sensorcluster sowie nach vorne gerichtete Kameras auf beiden Seiten des Fahrzeughecks überwachen optisch den seitlichen Verkehr und sorgen dafür, dass der Fahrer bei komplexen Verkehrssituationen in der Stadt oder auf Rastplätzen deutlich entlastet wird. Die aktive Warnung vor Gefahrensituationen und Kollisionen erfolgt optisch durch zwei im Sichtfeld des Fahrers verbaute und gut sichtbare Displays an den beiden A-Säulen sowie akustisch durch ein Warnsignal. Dabei warnt das System vor Kollisionen sowohl im Frontbereich als auch beim Abbiegen. Das Display im Cockpit gibt sich etwas klein, aber das ist der Add-On-Lösung geschuldet, die auch in verschiedenen Cockpits passen muss.

Zusätzlich erhöhen die neuen Fahr- und Abbiegeassistenz-Systeme die Sicherheit, indem sie Fußgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer im toten Winkel erkennen und dann aktiv auf die Gefahrensituation hinweisen. Die neuen Systeme sollen im kommenden Jahr für alle MAN-Busse ab Werk und als Nachrüstlösung für alle schon zugelassenen Busse verfügbar sein - sicher ein Vorteil gegenüber den hochintegrierten Hersteller-Systemen, die nicht für einen wirtschaftlichen Aufwand nachrüstbar sind.

Es ist also weiterhin richtig Musik im Thema Sicherheit, auch weil 2022 mit der General Safety Regulation die nächste Stufe der EU-Gesetzgebung gezündet wird, deren Ziel am Ende wohl das autonome Fahren sein dürfte.

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