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Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Bei Memo geht's kaum grüner

Memo, memo ag, ökologisch, Umwelt, Memo Box Foto: memo AG 8 Bilder

Zustellung per Lastenrad, Mehrweg-Versandsystem, faire Produktionsbedingungen: Der Versandhändler Memo aus Greußenheim setzt vollkommen auf Nachhaltigkeit und wird dafür belohnt. Im vergangenen Jahr gewann das Unternehmen den Nachhaltigkeitspreis Logistik der BVL.

23.03.2018 Franziska Nieß

Am Biotop 6: Schon die Adresse des Versandhändlers Memo in Greußenheim bei Würzburg zeigt, wo die Reise hingeht. Die umliegenden Felder und Wälder tun ein Übriges. Der Händler für Büro- und Werbeartikel sowie nachhaltige Alltagsprodukte hat im vergangenen Jahr den Nachhaltigkeitspreis Logistik der Bundesvereinigungen Logistik (BVL) Österreich und Deutschland verliehen bekommen und zieht damit mit Unternehmen wie Audi, Tchibo oder der Österreichischen Post gleich.

"Nachhaltigkeit ist unser Kerngeschäft", erklärt Frank Schmähling, Vorstand Logistik, im Gespräch mit trans aktuell. Ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens stelle zum Beispiel das Mehrweg-Versandsystem dar. Die Memo-Boxen sind ein Herzens­projekt von Schmähling: "Schon als ich 1996 bei Memo angefangen habe, kam mir die Idee zu einer wiederverwendbaren Transportverpackung." Zwei Jahre später launchte die Deutsche Post ein entsprechendes Angebot: die Postbox. Memo war Pilotkunde und die Verantwortlichen entsprechend enttäuscht, als die Post das Projekt 2008 einstellte. "Wir haben daraufhin Restbestände gekauft", erklärt Schmähling. Mehrere Tausend gelbe Postboxen in drei verschiedenen Größen wanderten in den Memo-Bestand und wurden mit einem entsprechenden Firmenaufkleber gebrandet.

Schon die dritte Generation der Memo-Boxen

Weil die Kunden von Beginn an die Möglichkeit hatten, die Boxen beim Erhalt der Bestellung auch zu kaufen, nahm der Bestand nach und nach ab. "2012 mussten wir schließlich Boxen nachkaufen und haben dafür ein eigenes Branding und die Farbe Grün gewählt", erklärt Schmähling. Drei Jahre später waren die Bestände schon wieder weg, das Unternehmen erhöhte den Nachhaltigkeitsfaktor: Die Memo-Boxen bestehen seitdem aus dem Recycling-Kunststoff Procyclen.

Eine eigens durchgeführte ­Analyse der Ökobilanz im Vergleich zur herkömmlichen Belieferung mit Kartons ergab: Nach 55 Rundläufen ist die Memo-Box ökologischer. "Das war allerdings 2013, mittlerweile dürfte die Anzahl der Rundläufe um einiges gesunken sein", sagt der Verkehrsfachwirt. Die ersten Behälter hätten bereits 200 Rundläufe geschafft.

Paketzustellung per Lastenrad in Berlin

Neben der Memo-Box ist die Paketzustellung per Lastenrad das zweite "große" Herzensprojekt des Unternehmens. In Berlin arbeitet Memo mit dem Rad-Logistiker Velogista zusammen, der mit sieben Rädern pro Tag für den Versandhändler Ware ausliefert. Zwei der Elektroräder fahren mit Werbung für den Versandhändler durch die Hauptstadt. "Insgesamt stellen wir in Berlin täglich 50 bis 90 Pakete mit dem Fahrrad zu", erklärt Schmähling. Lkw der Geis Gruppe transportieren die Ware von Greußenheim nach Berlin, die Zustellung auf der letzten Meile übernehmen die Räder. "Das Angebot kommt bei den Kunden sehr gut an", berichtet der Logistikleiter. So gut, dass Memo eine Ausweitung des Angebots auf weitere Städte plant.

Memo-Eigenmarke seit 20 Jahren

Wachsen soll auch die Präsenz der firmeneigenen Produkte in Bio-Supermärkten. Die Eigenmarke führt das im Jahr 1990 gegründete Unternehmen seit 20 Jahren, mittlerweile umfasst das Portfolio rund 1.000 Produkte: vom Druckerpapier bis zum Bio-Kaffee ist alles dabei. "Wir achten nicht nur bei unseren eigenen, sondern bei allen unseren Produkten auf Zertifizierungen, die Nachhaltigkeit gewährleisten", erklärt Schmähling.

Der für diesen Zweck erstellte Kriterienkatalog umfasse 16 Seiten. Die strenge Handhabe sei unter anderem bei Bekleidung wichtig, die Memo ebenfalls verkauft. Diese werde in Europa, aber auch in Asien produziert. Ein Memo-Mitarbeiter war daher sechs Wochen lang in Indien, um sich von den fairen Arbeitsbedingungen vor Ort zu überzeugen. "Weil wir für Nachhaltigkeit stehen, können wir uns dabei keine Fehler erlauben", sagt Schmähling. Viele Kunden seien extrem kritisch und würden zu Recht auf jede Kleinigkeit achten.

Bei Memo können sie jedoch nicht auf Ungereimtheiten stoßen, denn nachhaltig ist dort praktisch alles: Eine Holz-Hackschnitzelheizung versorgt das Gebäude mit Wärme, die Fensterrahmen bestehen aus heimischen Hölzern, das Dach ist begrünt und mit Oberlichtern aus Glas durchzogen, sodass viel natürliches Licht einfällt. Zudem arbeiten die Mitarbeiter in Büro und Lager an ergonomischen Arbeitsplätzen. Für das Wohl der Mitarbeiter ist auch an anderer Stelle gesorgt: Alle zwei Wochen werden Massagen angeboten, in den Ferien besteht die Möglichkeit zur Kinderbetreuung und regelmäßig finden Schulungen statt.

Die Mitarbeiter werden am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt

Der Stellenwert der Mitarbeiter zeigt sich schon in dem Firmennamen. Bereits 1999 firmierte sich das Unternehmen zur AG um, damit die Angestellten an dem Unternehmenserfolg teilhaben können. Memo bildet auch aus: Sechs Auszubildende in den verschiedensten Berufen beschäftigt der Versandhändler im Durchschnitt pro Jahr. Die Azubis arbeiten in jedem Ausbildungsjahrgang an einem Projekt – natürlich zum Thema Nachhaltigkeit. Dieses Jahr trägt es den ­Titel "Die Auswirkungen des Klima­wandels auf die Memo AG".

Die Verantwortlichen legen großen Wert darauf, das Thema Nachhaltigkeit nicht als Trend zu sehen. Schließlich gehörte es sogar schon vor der eigentlichen Gründung zur Unternehmens-DNA: Memo-Mitbegründer Jürgen Schmidt verkaufte Recyclingpapier aus dem Kofferraum heraus an seine Mitschüler. "Wir leben Nachhaltigkeit", erklärt Schmähling.

Doch nicht nur mit der Nachhaltigkeit startete das Unternehmen früh, sondern genauso mit seinem Web-Shop, der bereits 1998 für gewerbliche Kunden online ging. Seit 2004 haben dort auch Privatkunden die Möglichkeit, Ware zu bestellen. 2015 kam mit dem Portal www.memolife.de ein eigener Shop für Privatkunden hinzu. "Für Versandhändler ist ein Onlineshop mittlerweile unverzichtbar", erklärt Frank Schmähling. 75 Prozent des Gesamtumsatzes – im Jahr 2016 lag er bei 20,6 Millionen Euro – tragen laut Schmähling die Onlineverkäufe bei. Aber auch den Katalog werde es weiterhin geben. Selbstverständlich aus Recyclingpapier.

Das Unternehmen

  • Sitz in Greußenheim bei Würzburg
  • 1990 gegründet
  • 127 Mitarbeiter
  • Vorstand: Thomas Wolf, Richard Wolf, Ulrike Wolf, Frank Schmähling, Helmut Kraiß
  • Rund 76.000 Kunden 2015 und 2016
  • Rund 20.000 Produkte, darunter etwa 1.000 der Marke Memo
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