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Wasserstoff-Lkw in Familien-Flotte Mpreis aus Tirol zeigt wie's geht

Foto: Mpreis, Montage: Oswin Zebrowski

Der Tiroler Lebensmitteleinzelhändler Mpreis setzt auf Wasserstoff. Das Familienunternehmen will seine gesamte Lkw-Flotte austauschen und CO2-frei machen. trans aktuell hat mit Geschäftsführer Peter Paul Mölk gesprochen.

Was hat Sie auf den Weg zum Wasserstoff-Lkw geführt?

Wir sind überzeugt, dass Wasserstoff für uns das Problem der notwendigen Dekarbonisierung lösen kann. Wir müssen mit temperaturgeführten Fahrzeugen viele Höhenmeter überwinden, daher war Elektromobilität nicht praktikabel und in anderen Bereichen gibt es noch nichts. Außerdem prägen Nachhaltigkeit und Ökologie unser Unternehmen seit Generationen. Wir haben als erste in Österreich Fairtrade-Produkte gehandelt und waren ganz weit vorn bei der Installation von Photovoltaik in großem Maßstab. Wir sehen uns in einer sozial-ökologischen Verantwortung und werden dabei gern selbst aktiv. Auch beim Wasserstoff ging es nicht darum, sich marketingtechnisch zu profilieren.

Was aber ist dann Ihr Ziel?

Wir glauben, dass diese Technologie notwendig ist und wollen Wegbereiter sein. Angelehnt an die Natur brauchen wir Diversität, die Natur funktioniert ja, weil sie viele unterschiedliche Wege geht. Deshalb kann uns nicht nur die Elektromobilität oder nur der Wasserstoff in die Zukunft führen. Für unterschiedliche Anforderungen brauchen wir unterschiedliche Lösungen, auch Brückentechnologien.

Wie haben Sie den Schritt zum Wasserstoff vorbereitet?

Letztlich braucht man dafür Menschen, die mit Herzblut und überdurchschnittlichem Engagement sehr stark motiviert sind über das sinnhafte Tun. Es hat viele Diskussionen im Haus gegeben, die Entscheidung war mit sehr viel Zuhören und Abwägen verbunden, man muss ja in Bereichen agieren, wo man die künftige Entwicklung nur ahnen kann. Wir haben mögliche Risiken den Potenzialen gegenübergestellt und uns bewusst für die Vorreiterrolle entschieden.

Vorreiter zu sein ist ein eher einsames Geschäft…

Ja. Eine Vorreiterrolle ist immer sehr herausfordernd, weil man viele Steine erst auf dem Weg entdeckt. Aber es war wichtig, dass sich jemand in Österreich aufmacht. Wir können den Nachfolgenden viel erleichtern, das gilt auch für gesetzliche Regelungen. Wir haben daran mitgewirkt, dass sie praxistauglich und multiplizierbar werden und machen das Thema jetzt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Wir wollen Ängste nehmen und Möglichkeiten aufzeigen. Der Wunsch ist, andere so zu begeistern, dass sie uns folgen wollen.

Das unternehmerische Risiko ist klein?

Das wäre untertrieben. Aber es ist auch riskant, eine neue Filiale zu eröffnen. Es gibt ebenfalls keine Garantie, dass ein neuer Markt so angenommen wird, wie wir es planen. Risiko ist unser tägliches Brot. Es wird im Fall Wasserstoff durch Innovations-Förderungen etwas abgemildert, so dass es für die laufende H2-Produktion überschaubar ist. Denn letztlich produzieren wir zunächst einmal Strom und sichern Energiepreise ab. Wir können unsere Backöfen beheizen und Lastwagen betanken.

Die ersten H2-Lkw sollen Ende Mai eingesetzt werden. Wie fühlt sich das an?

Wir sind noch in einem Lernprozess und werden sehen, ob die Fahrzeuge das erfüllen, was sie versprechen. Bei der Abnahme wird der Lkw von uns betankt und muss dann voll beladen bis nach Galtür fahren, das ist eine Filiale, zur der 1.000 Höhenmeter zu überbrücken sind. Wir gehen davon aus, dass der Wasserstoff-Lkw das mit einer Tankfüllung meistert. Das ist auch für Hyzon eine Innovation, bei der gemeinsam entwickelt und optimiert wurde.

Für die Wasserstoffproduktion gibt es ja staatliche und EU-Gelder. Wie sieht es mit Förderungen für die Fahrzeuge aus?

Die ist in Österreich leider noch dünn. Wir haben nicht so klare Vorgaben wie in Deutschland, wo 80 Prozent der Mehrkosten getragen werden oder wie in der Schweiz, wo sie komplett übernommen werden. Davon sind wir weit entfernt.

Das heißt, Sie als Unternehmen springen ein.

Ja. Denn wir können die höheren Kosten nicht charmant an unsere Kunden weitergeben, dazu ist der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel zu intensiv. Wir sehen die Finanzierung als Teil unserer Verantwortung für die Allgemeinheit. Wir kaufen ja auch nicht auf einen Schlag viele Lkw, sondern setzen bei der Umstellung auf einen natürlichen Austausch der Flotte. Solange wir erst einige Lkw haben, geht mehr Wasserstoff in die Energieversorgung unserer Backöfen, im Endausbau wird er komplett für die Flotte gebraucht werden, die derzeit 45 Lkw umfasst.

Was würden Sie anderen Unternehmen raten?

Machen! Sich an das Thema herantrauen! Einen bestehenden Fuhrpark mit einem Wasserstoff-Lkw zu ergänzen, das ist doch überschaubar. Es müssen mehr dieser Lkw auf die Straße, um mehr Druck für eine Tankinfrastruktur aufzubauen.

Ist Wasserstoff für Sie – neben den Lebensmitteln – zu einem weiteren Geschäftsfeld geworden?

Der Lebensmitteleinzelhandel wird auch künftig unser Kerngeschäft bleiben. Mit Wasserstoff soll der Fuhrpark in Zukunft nicht mehr kosten als jetzt - mit dem positiven Nebeneffekt, dass wir CO2-frei unterwegs sind. Wenn wir in diesem Bereich größer denken würden, müssten wir uns weitere Partner dazu holen.

Was treibt Sie persönlich an?

Das Unternehmerische. Nicht übermütig zu sein, aber Mut zu haben. Es gibt eine Menge Leute, die reden viel und tun nichts. Aber verändern kann man nur durch Tun. Wer unbedingt alle Fehler vermeiden will, wird handlungsunfähig. Und natürlich wollen wir im durch den Transitverkehr stark belasteten Tirol auch ein Zeichen setzen.

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