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Messe-Rückblick CES 2018

Die Mobilität von Morgen

rinspeed, snap, studie Foto: Markus Bauer 6 Bilder

Für die Automotive-Branche gewinnt die CES stetig an Bedeutung, teilweise sogar mehr als traditionelle Automessen.

Vier Sitze samt jeweils privatem Bildschirm, ein freundlicher Roboter und ein paar Pflänzchen – was futuristisch, aber eher unbewegt klingt, beschreibt grob das Interieur der neuesten Fahrzeugstudie aus dem Hause Rinspeed. Auf der Consumer Electronics Show (CES) zeigt der Schweizer Visionär, wie autonome Mobilität ganz ohne Lenkrad aussehen kann. Einen "Fahrer" gibt es genauso wenig wie besagtes Lenkrad, also autonomes Fahren gemäß SAE Level 5. Das quaderförmige Gefährt ist aus zwei Modulen aufgebaut: Der Passagiercontainer lässt sich nach Bedarf in wenigen Sekunden gegen einen Frachtcontainer tauschen. Der Unterbau, das sogenannte Skateboard der Studie Snap, beherbergt Elektroantrieb, Sensorik, Batterien und Elektronenhirn. Der Motor leistet 51 kW und beschleunigt den Snap auf 80 km/h. Die Reichweite liegt bei etwa 100 Kilometern.

ePalette für vollautonomen elektrischen Transport konstruiert

Bei erschöpfter Batterie lässt sich auch einfach das Skateboard unter der Kabine tauschen und erspart den Passagieren lange Ladepausen. Die ZF-Lenkung mit erhöhtem Lenkwinkel macht das Gefährt besonders wendig. Während die Hinterachse bis zu 14 Grad mitlenkt, lassen sich die Räder der Vorderachse um ganze 70 Grad einschlagen. Damit kann das Stadt-Vehikel fast auf der Stelle wenden. Das ist auch im städtischen Lieferverkehr ein enormer Vorteil. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der japanische Autobauer Toyota. Die Studie namens ePalette ist ebenfalls für den vollautonomen elektrischen Transport konstruiert, muss aber ohne Schnellverschluss zwischen Antrieb und Nutzraum auskommen.

Je nach Bedarf lässt sich der e-Palette laut Toyota beispielsweise in einen Lieferwagen, einen Bus für Fahrgemeinschaften, ein fahrbares Hotel oder einen rollenden Supermarkt verwandeln. Der Kunde kann aus drei verschiedene Fahrzeuglängen von vier bis sieben Metern wählen und sich so seinen passenden ePalette konfigurieren. Anders als Rinspeed hat Toyota allerdings konkrete Pläne, den ePalette in größeren Stückzahlen auf die Straßen zu bringen. 2020 sollen Feldversuche starten.

rinspeed, snap, studie Foto: Markus Bauer
ADAS One hat ein nachrüstbares Notbremssystem entwickelt. Erkennt die Software einen Notfall, leitet sie ihr Signal an einen Elektromotor weiter, der per Kette am Bremspedal zieht.

Verkaufsfreigabe steht noch aus

Zwischen all den Studien der Fahrzeughersteller auf der CES nimmt sich das Unternehmen ADAS etwas bescheidener aus. Die Entwicklung der Koreaner ist von autonomem Fahren auf Level 5 weit entfernt. Der nachrüstbare Notbremsassistent dürfte aber zumindest ältere Modelle auf Level 1 hieven. Das System kommt mit relativ wenigen Komponenten aus: eine Kamera, der Mini-Computer Raspberry Pi und ein Handy oder Display. Damit soll die Software Notsituationen erkennen und einen Bremsbefehl senden. Allerdings erhält ein Zulieferer mit einer einfachen Nachrüstlösung für den Nachmarkt bekanntlich keinen elektronischen Zugriff auf das Bremssystem. Die Umsetzung des Bremsbefehls erfolgt daher ziemlich archaisch. Im Fußraum wird ein Elektromotor installiert. Über einen Hebel und eine Kette zieht dieser dann am Bremspedal. Aktuell handle es sich noch um einen Prototypen. Die Verkaufsfreigabe stehe noch aus. Allerdings ist zumindest in Europa fraglich, ob diese Blüte der CES überhaupt eine Zulassung bekommt.

Continental entwickelt Display mit 3D-Oberfläche

Deutlich bessere Chancen hat da Zulieferer Continental mit seinem Touch-Display samt 3D-Oberfläche. Statt wie gewohnt ein komplett ebenes Display hat Continental seinen Bildschirm mit Ausformungen versehen. Ein geschwungener Rücken am unteren Rand leitet den Finger, während er die Lautstärke per Wisch von links nach rechts erhöht. Weiter mittig sind ebenfalls fühlbare Buttons angeordnet. In modernen Fahrzeugen kommen immer größere Bildschirme zum Einsatz, die schnell unübersichtlich werden.

Dank der dreidimensionalen Elemente kann der Nutzer auch fühlen, was er gerade tut, muss also den Blick nicht von der Straße abwenden. Gleichzeitig bekommt er vom Display eine leichte haptische Rückmeldung, was einen weiteren Nachteil von touchaktiven Flächen ausräumt. Damit der Fahrer beim Ertasten nicht ungewollt ins Menü tappst, hat Continental einen Kraftsensor hinterlegt. Erst ab einem gewissen Druck, also dann wenn das System der Meinung ist, dass der Befehl gewollt ist, akzeptiert das Display den Fingertipp. Die Form ist grundsätzlich an die Wünsche des Fahrzeugherstellers anpassbar, lässt sich also nach Gusto von Marke zu Marke variieren.

rinspeed, snap, studie Foto: Bell
Urbane Mobilität muss sich nicht auf den Boden beschränken. Hubschrauber-Hersteller Bell zeigt in Las Vegas ein Luft-Shuttle.

Triebfedern der Entwicklungsabteilungen

2018 zeigt also einmal mehr, dass sich die Themen der Automotive-Branche schon lange nicht mehr signifikant von denen der Unterhaltungsbranche unterscheiden. Die künstliche Intelligenz, das Internet of Things und brillante Nutzererlebnisse sind bestimmende Triebfedern der Entwicklungsabteilungen. Die Fahrzeugindustrie hat einen spannenden Wendepunkt erreicht.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Lao 03 2018 Titel
lastauto omnibus 03 / 2018
10. Februar 2018
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