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Mercedes-Benz Trucks FutureLab

Die Entwicklung des Lkw der Zukunft

Mercedes-Benz Lkw FutureLab 2018 Foto: Daimler 5 Bilder

Drei Monate vor dem Start der IAA Nutzfahrzeuge 2018 gab Daimler gestern im Branchen-Informations-Center (BIC) in Wörth am Rhein Einblicke in seine Entwicklungsarbeit: Alternative Antriebe und eine weiter gesteigerte Effizienz, die fortschreitende Vernetzung, moderne Assistenzsysteme und das immer weiter digitalisierte Cockpit stehen im Fokus.

28.06.2018 Julian Hoffmann

Mit einem klaren Statement startete Stefan Buchner in das FutureLab, zu dem rund 100 Fachjournalisten aus der ganzen Welt angereist waren: "Wir sind die Erfinder des Lkw und werden auch der Taktgeber für seine Weiterentwicklung bleiben," so der Mercedes-Benz Lkw-Chef. Der Lkw der Zukunft werde "vor allem mit Intelligenz und inneren Werten punkten. Wenn wir heute über einen neuen Lkw nachdenken, dann vor allem über sein Innenleben: Wie vernetzen wir seine Synapsen? Wie schärfen wir seine Sinne?" Über das Design denke Daimler dagegen nur nach, wenn dadurch die Performance des Trucks verbessert werden könne.

Der Lkw-Hersteller mit Sitz in Stuttgart bezeichnet sich selbst als Technologieführer und fokussiert sich im Zuge seiner CASE-Strategie auf vier große Themen: Vernetzung (Connected), automatisiertes Fahren (Autonomous), flexible Nutzung (Shared & Services) und elektrische Antriebe (Electric).

Brennstoffzelle mit großem Potenzial

In Sachen alternative Antriebe konzentriert sich Daimler auf Erdgas, batterie-elektrische Konzepte und die Brennstoffzelle. Der Econic NGT, der komprimiertes Erdgas (CNG) nach dem Prinzip eines Ottomotors verfeuert, ist bereits heute verfügbar. Die effizientere Verbrennung von Erdgas nach dem Prinzip eines Dieselmotors, wie Volvo das aktuell im FH LNG betreibt, kann Methan als Brennstoff laut Daimler "für schwere Lkw im Fernverkehr zunehmend attraktiv werden lassen."

Im innerstädtischen Verteilerverkehr will der Hersteller sich in Zukunft aber auf den reinen Elektroantrieb konzentrieren. In genau diesem Einsatzprofil, bei dem die Fahrzeuge häufig beschleunigen und bremsen, könne diese Technologie ihre Vorteile ausspielen und viel Energie rekuperieren. Mit dem eActros will Daimler den ersten vollelektrischen Lkw für den schweren Verteilerverkehr schon bald bei den Kunden erproben.

Weiter sehen die Daimler-Ingenieure in der Brennstoffzellentechnologie großes Potenzial. Wasserstoff als Brennstoff bietet viele Vorteile: Er ermöglicht lokal emissionsfreie Mobilität, kann eine hohe Energiedichte aufweisen, lässt sich gut transportieren und schnell tanken. Wie auch bei der batterie-elektrischen Mobilität ist ein entsprechend ausgebautes Tankstellennetz von großer Bedeutung. Die H2 MOBILITY Deutschland GmbH & Co. KG, die die Daimler AG gemeinsam mit Air Liquide, Linde, OMV, Shell und Total 2015 gegründet hat, soll sich dieser Thematik widmen. Stufenweis soll das Gemeinschaftsunternehmen die Infrastruktur ausbauen – auf bis zu 400 Stationen bis zum Jahre 2023.

Kundennutzen im Fokus

Völlig gleich, ob es um den konventionellen Dieselmotor oder alternative Antriebskonzepte geht: Für Stefan Buchner steht der Kunde im Fokus.

Um den Kraftstoffverbrauch noch weiter zu drücken, hat er viele Ideen. Die Aerodynamik ließe sich beispielsweise verbessern, in dem man die Außenspiegel einfach weglasse – dies würde nebenbei auch das Sichtfeld des Fahrers nach vorn erhöhen. Außerdem sei intelligente Software gefragt – die PPC-Steuerung, die auf hügeligen Autobahnstrecken heute schon den Schwung des Fahrzeugs nutzt, könnte morgen dank hochauflösender Karten auch in der Innenstadt aktiv sein. Der Lkw könnte Verkehrszeichen lesen und die daraus gewonnenen Informationen in seine Schaltstrategie miteinbeziehen.

Ein Tablet statt dreier Computer-Bildschirme

Auch in Sachen Vernetzung ist für den Mercedes-Benz Lkw-Chef das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Software-Updates laufen schon heute teilweise over the Air. "Und da ist noch viel möglich," so Buchner.

Rund 400 Sensoren zählt ein moderner Lkw laut Daimler heute – mit den Daten, die sie liefern, lasse sich die Effizienz weiter steigern. Im konzerneigenen Innovation Hub in Berlin werde daran im Stile eines Start-ups gearbeitet. Während Mercedes-Benz Uptime heute beispielsweise mit Fehlercodes arbeitet, könnten in der Zukunft Daten wie das Gewicht der Ladung und das Fahrprofil in Berechnungen einfließen, die die Lebensdauer einzelner Komponenten vorhersagen. Über Daten hinaus ist also eine Intelligenz nötig – erst daraus entsteht für Daimler der eigentliche Kundennutzen.

So ist auch das Design der Software-Anwendungen enorm wichtig und wird daher mit Prototypen beim Kunden erprobt. In der Zukunft sollen die Informationen im Back Office von Transportunternehmen nicht mehr auf drei Computerbildschirmen, sondern im Extremfall auf nur noch einem Tablet ausgespielt werden – und dennoch auf einen Blick alle Infos verfügbar sein.

Nächste Lkw-Generation mit teilautomatisierter Technik

Trotz all der neuen Technik machte Buchner eines aber deutlich: "Die Sicherheit ist das wichtigste Thema überhaupt." Viel sei hier schon erreicht worden: Der 2016 vorgestellte Active Brake Assist 4 (ABA 4) beispielsweise erkennt Fußgänger und beugt Unfällen effektiv vor. Der zeitgleich eingeführte Abbiege-Assistent warnt Fahrer zudem vor Fußgängern und Radfahrern, die sich dem Lkw bei gesetztem Blinker im toten Winkel nähern. In der nächsten Lkw-Generation wird laut des Mercedes-Benz Lkw-Chef auch das zweite Level des automatisierten Fahrens möglich sein.

Konkret bedeutet das, dass der Lkw dann teilautomatisiert über die Autobahn fahren kann – sowohl in Längsrichtung (mit dem adaptiven Tempomaten und dem Notbremsassistent) als auch in Querrichtung (mit Spurhalteassistent samt aktivem Lenkeingriff) übernimmt zeitweise die Elektronik das Steuer. Das Kombinieren der einzelnen Assistenzsysteme wird den Weg zum hochautomatisierten Fahren "in den nächsten Jahren" ebnen. Der Fahrer soll damit "in monotonen oder auch in besonders stressigen Fahrsituationen" entlastet werden.

Digitalisiertes Cockpit

Um die Entlastung des Fahrers geht es auch im Cockpit der Zukunft. Man wolle die Komplexität der Anzeigen reduzieren, erklärte Buchner. Die Bedienelemente sollen künftig wie Tablets oder Smartphones steuerbar sein und dem Fahrer nur die Informationen ausspielen, die er in der aktuellen Situation auch wirklich benötigt.

Die Vision der Designer ist eine personalisierte Einstellung aller Details, die der Fahrer von Fahrzeug zu Fahrzeug mitnehmen kann. So soll er sich in jedem Mercedes-Benz Lkw von Beginn an wohlfühlen.

Viele spannende Themen und künftige Lösungen hat Daimler anlässlich des FutureLab also schon einmal kommuniziert – abzuwarten bleibt jetzt nur noch, inwieweit die Neuheiten dann auch ganz konkret in die Serien-Lkw einfließen.

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