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Markus Emmert vom Bundesverband Elektrombilität

Großes Potenzial im Güterverkehr

Foto: Falko Speidel/Fotolia, ETM

Markus Emmert, Vorstand des Bundesverbands eMobilität, fordert notwendige rechtlichen Regelungen rund um das Thema Elektromobilität.

trans aktuell: Herr Emmert, Deutschland und die E-Mobilität – an welchem Punkt stehen wir derzeit?

Emmert: Die E-Mobilität hat viele Facetten, aber den richtigen Durchbruch gibt es erst in zwei Bereichen: dem Fahrradsektor, also mit E-Bikes und Co., und auch auf der Pkw- beziehungsweise N1-Seite, was vor allem bedingt ist durch die Förderpolitik. Das finden wir auch sehr positiv. Es gibt auf der anderen Seite großes Ausbaupotenzial, etwa im Bereich Güterverkehr. Hier liegt doch noch vieles im Argen: sowohl auf der Anbieterseite, also bei dem, was Hersteller und Nachrüster auf dem Markt anbieten, als auch auf der Nachfrageseite. Dies geht aber einher mit den Investitionskosten und dem Thema Rechtsklarheit und Investitionssicherheit.

Bildet denn wenigstens das Elektromobilitätsgesetz den richtigen Rahmen?

Das Gesetz konzentriert sich auf die Bereiche M- und N1-Klasse und ein Teilsegment der Leichtfahrzeuge. Aber eigentlich regelt es als solches gar nichts, sondern nennt in erster Linie die Bevorrechtigungen dieser Fahrzeuge, etwa Umweltzonen. Unsere Forderung ist, das Gesetz weiter zu fassen, über alle Fahrzeugklassen hinweg. Das bedeutet die Aufnahme aller Fahrzeugklassen in die Förderlogik, was auch den Logistikbereich einschließt. Gerade in diesem Segment sind die Investitionskosten erheblich, weshalb eine kluge staatliche Unterstützung ratsam ist.

Foto: Picasa
Markus Emmert, Vorstand des BEM.
Sollte das Gesetz nicht auch das Umfeld der E-Mobilität umfassen, also etwa die Ladeinfrastruktur?

§ 1 definiert die Fahrzeuge, unter § 2 sind die Begriffsbestimmungen aufgeführt und unter § 3 die Bevorrechtigungen. Und das war’s. Tatsächlich tangiert die E-Mobilität auch viele andere Bereiche, wie etwa die Ladesäulenverordnung, das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) oder das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Nach unserer Auffassung wäre es sehr gut, diese Themen auch im Elektromobilitätsgesetz zu verankern. Es dürfte eher schwierig werden, das Energiewirtschaftsgesetz so zu ändern, dass es auch der Elektromobilität gerecht wird und den anderen Themen standhält. Besser wäre, Ausnahmetatbestände zu erwirken, um der Elektromobilität den notwendigen Spielraum für Wachstum und Fortentwicklung zu geben. Gegenwärtig blockieren diverse Gesetze und Verordnungen das Wachstum der Elektromobilität.

Was braucht es weiter?

Zum Beispiel eine bessere Übersichtlichkeit. Die E-Mobilität, etwa im Bereich Güterverkehr, betrifft ja nicht nur die Fahrzeuge, es geht ja auch um das Thema Energie oder öffentliche sowie private Ladeinfrastruktur. Wenn alle Bereiche adäquat adressiert werden, bedeutet das für die Anbieter, Kunden und Anwender mehr Transparenz dahingehend, worauf sie alles achten müssen beziehungsweise worauf sie zurückgreifen können.

Das von Ihnen genannte EEG ist in puncto E-Mobilität auch in der Kritik. Inwiefern ist es für den Güterverkehr hinderlich?

Das EEG sollte in vielerlei Hinsicht geändert werden, es wird auch diskutiert, es eventuell sogar komplett abzuschaffen, was aber noch dauern wird. Was jetzt notwendig ist, sind diverse Weichenstellungen. Etwa zum Einsatz erneuerbarer Energie, die Privatpersonen und Unternehmen selber produzieren. Oder auch – und das ist eine wirtschaftliche Komponente – bei Ladesäulen das Thema Grünstrompflicht. Dass also der Strom, den man lädt, aus grünen Quellen stammt, um Fahrzeuge CO2-frei zu machen. Dies bedeutet einen maximalen positiven Impact für den Klimaschutz. Gleichzeitig soll man dann die EEG-Umlage abführen – das beißt sich, das ist nicht logisch. Allein dieser Punkt muss zwingend reguliert werden.

Sehen Sie weiteren Handlungsbedarf, um das Thema E-Mobilität auch im Sinne des Klimaschutzes voranzutreiben?

Es besteht natürlich auch ein weiterer regulatorischer Handlungsbedarf, etwa im Hinblick auf den Rechtsrahmen und die Investitionssicherheit. Mit den Fördermaßnahmen für E-Fahrzeuge und die Umrüstung hat die Politik ein klares Signal gesendet. Notwendig ist aber auch die Förderung der Ladeinfrastruktur, sowohl der öffentlichen als auch der in den Betrieben. Das Klimaschutzziel 2030 bedeutet für die Logistik, dass dann rund 175.000 schwere Nutzfahrzeuge CO2-frei fahren müssen, um die Ziele auch nur annähernd zu erreichen – das ist eine Herausforderung. Daher besteht akuter Handlungsbedarf.

Ihr Vorschlag?

Es gibt drei wichtige Bausteine: Förderung, das Angebot auf der Industrieseite und die regulatorischen Prozesse. Aber, und das ist ganz zentral: Es ist genauso wichtig, dass sich Logistikunternehmen auch mit dem Thema befassen. Das ist eine Tatsache, die wir vom BEM auch immer wieder feststellen. Es geht um die Bereitschaft, sich um das Thema zu kümmern und die Prozesse einzuleiten. Und es ist wichtig, dass diese Prozesse jetzt stattfinden.

Was geben Sie den Unternehmen als Hausaufgaben mit?

Die Unternehmen müssen sich dem Transformationsprozess stellen. Dabei darf es aber kein Schwarz-Weiß-Denken geben, es müssen ja nicht alle Fahrzeuge auf einen Schlag ersetzt werden. Das geht rein finanziell und auch einsatztechnisch nicht. Aber die Unternehmen könnten sich Gedanken darüber machen, welche Routen für E-Fahrzeuge geeignet wären. Dann lassen sich aus der eigenen Flotte von 100 Lkw im ersten Schritt ein bis zwei Fahrzeuge identifizieren, die durch E-Fahrzeuge ersetzt werden könnten.

Was kann die Branche als Ganzes und was kann die Politik weiter tun?

Die Branche muss die Bereitschaft zeigen, sich um das Thema zu kümmern. Wenn die Dienstleister ihre eigene Unternehmenspolitik ändern, dann lässt sich daraus vieles für andere adaptieren. Und wir als BEM spiegeln diese Erfahrungen gerne an die Politik. Denn die will agieren, erkennt aber nicht alles Notwendige. Daher ist es wichtig, den Verantwortlichen aus der Branche Feedback zu den Bedürfnissen und den Lernkurven zu geben.

Zur Person

  • Markus Emmert ist Vorstand des Bundesverbandes eMobilität (BEM)

  • Er leitet die insgesamt 19 Arbeitsgruppen des Verbandes rund um die Elektromobilität – von Baumaschinen über die Luftfahrt bis zu den Energienetzen – und ist für strategische Kooperationen verantwortlich

  • Emmert verfügt über 20 Jahre Expertise in den Bereichen Energie, Umwelt und Elektromobilität

  • Er ist als Trainer, Autor, Redner, Moderator und Experte tätig und berät Konzerne, Firmen aus Industrie und Wirtschaft, Politik, Verbände und Kommunen sowie Start-ups
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