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Marktbeobachtung des BAG

Kabotage nimmt zu

Polen-Doppel passieren brandenburg. Dorf Foto: Matthias Rathmann

Polnische Lkw verfünffachen ihre Verkehrsleistung von 2004 bis 2017, das ergab eine Fahrerbefragung durch das BAG.

Zwei Drittel der zunehmenden Kabotagebeförderungen in Deutschland erfolgen im Auftrag deutscher Unternehmer. Das zeigen die soeben veröffentlichten Ergebnisse einer 2018 im Rahmen der Marktbeobachtung durchgeführten Fahrerbefragung des Bundesamts für Güterverkehr (BAG). Im Fokus standen genauere Angaben zur Nationalität, zu Unternehmensverflechtungen sowie zur Häufigkeit der Kabotagebeförderungen.

Dabei ergab sich bei Fahrzeugen und Fahrern eine zunehmende internationale Durchmischung. In knapp 23 Prozent der Fälle war die Nationalität des Fahrers nicht identisch mit dem Zulassungsstaat des Fahrzeugs. Auffallend häufig etwa waren ukrainische und belarussische Fahrer unterwegs. Die Fahrzeuge der Befragten waren vorrangig in Polen (62 Prozent), Rumänien (11 Prozent), Tschechien und Litauen (je rund 5 Prozent) zugelassen. Bei den deutschen Auftrag­gebern handelt es sich mehrheitlich um Unternehmen der Speditions- und Logistikwirtschaft (48 Prozent) sowie um Betriebe aus Produktion und Handel (30 Prozent). „Ein Teil von ihnen“, so ein Hinweis in der Studie, setze für die innerdeutschen Beförderungen Fahrzeuge ausländischer Tochterunternehmen ein.

Ein Viertel der Fahrer gab an, Kabotagebeförderungen in Deutschland immer für denselben Auftraggeber durchzuführen. Gleich viele sagten, bei ihren Kabotagefahrten handele es sich „um eine regelmäßig wiederkehrende Beförderung“. Insgesamt fällt die Häufigkeit aber unterschiedlich aus. 51 Prozent der Befragten führten „fünf und mehr“ Kabotage­beförderungen im Monat durch, knapp 37 Prozent nannten „zwei bis vier“, und bei 9 Prozent war es lediglich „eine pro Monat“.

Das mit Abstand größte Aufnahmeland für Kabotage in der EU ist Deutschland. Hier wurden 2017 mit 20,4 Milliarden Tonnen­kilometern 46 Prozent aller EU-Kabotageleistungen erbracht, satte 25,9 Prozent mehr als 2016. Damit stieg der Anteil der Kabotage am gesamten innerstaatlichen Verkehr auf rund 7,2 Prozent. Die aktualisierten Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Deutschland ist zugleich der einzige EU-Staat, in dem die Kabotage seit 2007 Jahr für Jahr zugenommen hat. Am meisten zugelegt haben dabei Fahrzeuge aus den jungen EU-Staaten. Sie steigerten ihre Kabotageleistung in Deutschland allein 2017 gegenüber dem Vorjahr überproportional um 30,8 Prozent. Für die alten EU-Mitgliedsländer gab es dagegen ein Minus von 2,6 Prozent.

Polen legt erneut stark zu

Größte Kaboteure in Deutschland waren auch 2017 Unternehmen aus Polen. Sie steigerten ihre Verkehrsleistung im innerdeutschen Straßengüterverkehr gegenüber 2016 um mehr als 41 Prozent auf rund 13 Milliarden Tonnen­kilometer und erbrachten damit über 64 Prozent der gesamten Kabotage in Deutschland. Eine sehr auffällige Bilanz. Auf den weiteren Plätzen folgten Rumänien (1,3 Milliarden Tonnenkilometer), die Niederlande (eine Milliarde Tonnenkilometer) und Litauen (0,9 Milliarden Tonnenkilometer), die ebenfalls hohe Leistungszuwächse verbuchten. Die sogenannte Kabotage-Durchdringungsrate, die den Kabotageverkehr als Prozentsatz des gesamten innerstaatlichen Güterverkehrs angibt, erhöhte sich in Deutschland von knapp 1,7 Prozent im Jahr 2004 auf 7,2 Prozent im Jahr 2017.

Doch nicht allein im deutschen Binnenverkehr zeigen sich Anteilsverschiebungen zugunsten ausländischer Lkw. Auch im grenzüberschreitenden Empfang und Versand sind die Anteile deutscher Fahrzeuge deutlich gefallen: von 32,8 Prozent im Jahr 2004 auf nur noch 15,1 Prozent im Jahr 2017. Der Anteil deutscher Lkw am deutschen Binnenverkehr ging im selben Zeitraum um 5,5 Prozent auf 92,8 Prozent zurück. Wegen höherer Gesamtverkehrsleistungen waren damit allerdings keine absoluten Leistungsrückgänge der deutschen Lastkraftwagen verbunden.

Gleichwohl zeigt sich bei kumulierter Betrachtung, „dass an den Verkehrsleistungszuwächsen im Betrachtungszeitraum nahezu ausschließlich ausländische Lkw partizipiert haben“. Wie im deutschen Binnenverkehr gilt dies ­insbesondere für polnische Brummis. Sie konnten ihre Verkehrsleistungen im Straßengüter­verkehr von ­beziehungsweise nach Deutschland von 2004 bis 2017 auf rund 80 Milliarden Tonnenkilometer nahezu ver­fünffachen – und damit, so stellt die BAG-Marktbeobachtung fest, „knapp ein Drittel des gesamten grenzüberschreitenden Empfangs und Versands Deutschlands ­vereinnahmen“.

Blickt man auf die Vorhersagen des BAG, dürfte es kurzfristig bei all diesen Relationen keine wesentlichen Veränderungen geben. Mithin werden die Kabo­tagebeförderungen wohl ein Wachstumsmarkt bleiben, denn die aktuelle gleitende Mittelfristprognose geht für 2019 und 2020 von einem Wachstum des gesamtmodalen Güterverkehrs aus. Die Verkehrsleistungen sollen um 3,1 beziehungsweise 2,7 Prozent zulegen, die Transportmengen um 2,3 beziehungsweise 2,0 Prozent. Die Verkehrsleistungsprognosen für den Straßengüterverkehr fallen dabei mit 3,4 beziehungsweise 3,1 Prozent jeweils am höchsten aus.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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