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M2P Ventures investiert in Logistik-Start-ups

"Die Branche schreit nach Digitalisierung"

Start-up, Team, Coworking Foto: stock.adobe.com/oneinchpunch

Dr. Jan Claudio Muñoz sucht für die Investment- und Beratungsfirma M2P Ventures nach interessanten Logistik-Start-ups. Im Gespräch mit eurotransport.de verrät er, auf was es ihm bei Start-ups ankommt.

eurotransport.de: Herr Muñoz, M2P Ventures gibt es seit rund drei Monaten. Wie kam es zur Gründung?

Dr. Muñoz: M2P Ventures ist eine Schwestergesellschaft der Beratungsfirma M2P Consulting, die wiederum meine Co-Gründer Christophe Mostert und David Ploog vor 19 Jahren gründeten. Im Mittelpunkt stehen die Bereiche Aviation, Logistics und Travel. Viele Kunden, vor allem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, baten in letzter Zeit um Hilfe bei Investitionen in deutsche Start-ups. Die Start-ups wiederum fragten ebenfalls nach Unterstützung. Da merkten die M2P-Chefs: Das ist eine Nische, die wir nur noch personell besetzen müssen. Sie suchten nach jemandem mit Know-how im Bereich Investment-Deals und Start-ups – und kamen über Kontakte auf mich.

Wo waren Sie zuvor?

Ich leitete bei Axel Springer in Berlin die Abeilung Media for Equity, die Start-ups Medienplätze wie Zeitungsanzeigen oder Fernsehspots anbietet. Im Gegenzug bekommt Springer statt Geld, das Start-ups ja meist nicht haben, Firmenanteile. Mit Start-ups kannte ich mich also aus, mit der Logistik hatte ich bis dato kaum Berührungspunkte. Aber ich habe schnell erkannt, welches Potenzial die Branche als drittgrößter Wirtschaftszweig bietet: Es gibt außer dem Start-up Freighthub der Heilemann-Brüder noch wenig große Namen mit hohen Bewertungen. Außerdem schreit die Logistik geradezu nach Digitalisierung. Das Logistikwissen eigne ich mir momentan nach und nach an – ich lerne jeden Tag dazu.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Zum Morgenkaffee schaue ich mir ein bis zwei Pitch-Decks an, die ich zugeschickt bekomme. Meist habe ich im Anschluss Meetings mit Start-ups und befreundeten Investoren, denn die Netzwerk-Pflege ist sehr wichtig. Außerdem arbeite ich an aktuellen Deals und bemühe mich um Geld unserer Investoren. Denn auch wir sind, vor allem jetzt in der Anfangsphase, auf Investoren angewiesen. Neben Investments, die wir selbst tätigen, unterstützen wir mittlerweile aber auch große Logistiker bei ihrer Innovations- und Investmentstrategie. Dabei geht es nicht nur um die Rendite, die ein Start-up für den Investor erwirtschaften kann, sondern vor allem um die Frage, ob die vom Start-up entwickelte Lösung für unseren Kunden von strategischer Bedeutung ist.

Wie kommen Sie mit Start-ups in Kontakt?

Am besten funktioniert das über ein sehr gutes Netzwerk. Kontakte knüpfen ist das A und O. Ich bin auch viel unterwegs, gehe auf Veranstaltungen.

Was macht ein Start-up für Sie interessant?

Für mich gibt es drei wichtige Faktoren: die Gründer, den Markt und das Geschäftsmodell. Am wichtigsten sind die Gründer: Was sind das für Typen? Was motiviert sie? Wie arbeiten sie zusammen? Denn wenn die Gründer sich nach einem Jahr verkrachen und das Start-up deswegen scheitert, war alles umsonst. Beim Einschätzen der Gründer ist daher vor allem emotionale Intelligenz gefragt. Zudem frage ich mich, wie groß der Markt für die Idee ist. Der Last-Mile-Markt wächst zum Beispiel stetig und die KEP-Branche ist dringend auf der Suche nach innovativen Lösungen. Wichtig ist auch, ob das Geschäftsmodell gut durchdacht ist und wie sie Geld verdienen wollen. Alles in allem muss einfach das Gesamtbild stimmen.

Was ist der nächste Schritt, wenn ein Start-up Sie überzeugt hat?

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich in die Augen schaut und die Zusammenarbeit besiegelt. Ich lasse mir dann zum Beispiel Verträge mit schon bestehenden Kunden, rechtliche Dokumente und die detaillierten Geschäftszahlen vorlegen. Anschließend geht es ans Eingemachte: Wir investieren den Betrag X auf einer Bewertung von Y. Unsere Investitionssumme liegt zwischen 500.000 und drei Millionen Euro. Oft wird auch ein Anteil, wie zum Beispiel ein Beiratssitz ausgehandelt, um mitentscheiden zu können. Damit sichert sich der Investor zusätzlich ab. Es ist tatsächlich ein bisschen wie in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ auf VOX. Wobei ich das Format schrecklich finde. Es erinnert mich eher an Teleshopping.

In wie viele Logistik-Start-ups hat M2P Ventures bereits investiert?

Da wir erst seit kurzem auf dem Markt sind, noch in keines. Mit zwei Start-ups sind wir in den Gesprächen aber schon ziemlich weit. Wir werden künftig drei bis vier Deals im Jahr machen, da wir ein eher kleinerer Fond sind. Auch bei Springer waren es nur vier bis fünf Deals jährlich. Es handelt sich einfach um langwierige Prozesse.

Wie reagieren Sie, wenn ein von Ihnen unterstütztes Start-up in eine finanzielle Schieflage gerät?

Handelt es sich um höhere Gewalt, wenn zum Beispiel ein wichtiger Kunde pleite geht, hilft man in der Regel mit einer Brückenfinanzierung aus. Ist die Schieflage selbst verschuldet, fragen wir uns, ob sich das Ruder noch rumreißen lässt oder wir uns zurückziehen. Ständig Geld verbrennen geht natürlich nicht.

Wie unterscheiden sich Logistik-Start-ups von denen anderer Branchen?

Es gibt tatsächlich einige Unterschiede. Logistik-Start-ups bedienen in der Regel den B2B-und nicht den B2C-Bereich. Daher funktioniert das Marketing anders und die Gründer müssen sich für eine Kooperation in der Regel direkt an den Geschäftsführer wenden. Außerdem sind die Bewertungen noch niedrig und es handelt sich um kleinere Start-ups. Es gibt auch mehr ältere Gründer. Ich denke, das hängt damit zusammen, dass Branchenerfahrung in der Logistik wichtig ist. In Verhandlungen mit den oft älteren Geschäftsführern aus dem Mittelstand kann das von Vorteil sein. Leider gibt es kaum Gründerinnen. Das ist tatsächlich ein großer Unterschied: Gründer in der Logistik sind in der Regel männlich.

Was ist für Sie das Besondere an Ihrem Beruf als Investor?

Ich arbeite mit meist jungen, motivierten und beigeisterungsfähigen Menschen zusammen und werde immer wieder von den ungewöhnlichsten Ideen überrascht. Jeder Arbeitstag ist anders.

Dr. Jan Claudio Muñoz, M2P Ventures Foto: M2P Ventures
Dr. Jan Claudio Muñoz, M2P Ventures

Zur Person

  • Dr. Jan Claudio Muñoz, geboren 1983 in Frankfurt am Main, promovierte in Rechtswissenschaft an der Universität Heidelberg (cum laude) und machte nach dem zweiten Staatsexamen noch den Master of Business Administration (MBA).
  • Vor seiner Funktion als Geschäftsführer bei M2P Ventures leitete er bei Axel Springer in Berlin die Abteilung Media for Equity. Von 2016 bis 2017 war er als Berater für KKR Capstone LLC in Zürich tätig, bei der weltweit agierenden US-Kanzlei Willkie Farr + Gallagher LLP arbeitete er von 2013 bis 2016. Sein Rechtsreferendariat absolvierte er am Landgericht Frankfurt.
  • Muñoz spricht Deutsch und Spanisch (Muttersprachen) sowie Englisch und Französisch.

Das Unternehmen

  • M2P Ventures ist eine Schwestergesellschaft der weltweiten Beratungsfirma M2P Consulting mit Büros in New York, London, Frankfurt am Main, Dubai und Hong Kong. Hauptsitz beider Firmen ist Frankfurt am Main.
  • Bei M2P Ventures leiten Dr. Jan Claudio Muñoz, Christophe Mostert und David Ploog die Geschäfte. Mostert und Ploog sind auch die Gründer und Chefs von M2P Consulting.
  • Bei M2P Consulting als auch bei M2P Ventures stehen die Bereiche Aviation, Logistics und Travel im Mittelpunkt.
  • Neben der finanziellen Unterstützung und Beratung von Start-ups berät M2P Ventures auch Logistikunternehmen bei ihrer Innovations- und Investmentstrategie.
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