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Loxess mit App für Vorhersagen und Gaming-Lösung

Corona treibt Digitalisierung voran

Foto: Jan Greune

Der Kontraktlogistiker und Fulfillment-Dienstleister Loxxess nutzt die Corona-Herausforderungen für Fortschritte bei Digitalisierung und Automatisierung.

Covid-19 verändert in der Logistikbranche vieles. Experten gehen unter anderem davon aus, dass Digitalisierung und Automatisierung deutlich vorangetrieben werden. Diese Erfahrung macht auch das Unternehmen Loxxess, das aber bereits vor der Krise die beiden Themen stringent verfolgt hat. Dabei bedienen sich die Verantwortlichen auch mal an Ideen aus dem Gaming-Bereich.

Den Lockdown im Rahmen der Coronakrise im Frühjahr hat der Fulfillment- und Outsourcing-Anbieter Loxxess wie viele mit einem „hellblauen“ Auge überstanden, berichtet Christina Thurner, Mitglied der Geschäftsleitung. Das Management des Unternehmens mit Hauptsitz Tegernsee hatte bereits in den Faschingsferien auf die ersten Anzeichen der Pandemie reagiert, Meetings und Dienstreisen abgesagt sowie an allen Standorten erweiterte Hygienemaßnahmen eingeführt – inklusive verbesserter Luftfiltertechnik sowie virenfeindliches UV-Licht in den Sozialräumen.

Branchendiversifizierung vorn Vorteil

Die Auswirkungen auf die Auftragslage waren je nach Kundenbranche unterschiedlich: „Wir haben Glück gehabt, unsere Branchendiversifizierung hat uns enorm geholfen“, sagt Thurner im Gespräch mit trans aktuell. Im Bereich Pharmalogistik haben demnach die Kunden schon im Februar einen Hochlauf gehabt – die Nachfrage war so groß, dass aus zwei verschiedenen Lägern alle Impfstoffe ausverkauft waren.

Auch in der Sparte E-Commerce, und hier vor allem bei Produkten des täglichen Bedarfs, machten die Kunden mehr Umsatz. Auch bei den Kunden aus der Sparte Elektronik lief es prima. Einbrüche gab es hingegen bei Kontraktlogistikkunden aus den Bereichen Industrie und Chemie – „hier war jeder Standort anders betroffen“, sagt Thurner. Generell verzögerten sich zudem einige neue Projekte und Outsourcingvorhaben.

Großes Tempo bei Digitalisierung und Automatisierung

Das Wachstum im Pharmabereich beziehungsweise bei den Versandapotheken hat aber laut Thurner den Fortschritt der Themen Digitalisierung und Automatisierung deutlich vorangetrieben: „Durch diese Entwicklung haben wir mehrere Monate eingespart“, sagt Thurner, die in dem Familienunternehmen Expertin für Innovationen, Lean Management, HR, Marketing und PR ist. Denn durch das teilweise rasante Wachstum innerhalb von wenigen Wochen mussten schnell neue Lösungen her.

Intelligenter Paketsplit eingeführt

Ein Beispiel ist ihr zufolge die Logistik für einen Kunden aus dem Bereich Drogerie, für den Loxxess den Onlinehandel abwickelt. Der Lagerstandort im tschechischen Bor ist nach Angaben von Thurner „die größte Filiale“ des Drogerie-Anbieters und Marktführers in Deutschland. Nahrungsergänzungen und Babynahrung sind in der Regel unter den beliebtesten Online-Kaufartikel, in der Pandemie klickten die Kunden aber auch viele andere Produkte wie Toilettenpapier und Tiernahrung in ihren Online-Einkaufswagen. Großes Volumen plus heterogenes Produktspektrum: „Das erhöhte die Komplexität beim Verpacken“, berichtet Thurner. Trotz der großen Sendungsmengen schaffte es Loxxess dennoch, bei den Sendungen einen intelligenten Paketsplit einzuführen, bei dem mehrere Sendungen für einen Empfänger bei 15 Kilogramm geteilt werden, um ein ausgeglichenes Gewicht zu erreichen.

Innovative Lösungen sind nach Angaben von Thurner das Aushängeschild von Loxxess. Mit einem Konzept für den Drogerie-Filialisten dm hat Loxxess auch das Finale des Deutschen Logistik-Preises 2019 erreicht. Dabei stand am Anfang eigentlich nur die Frage, wie man die Kommissionierung verbessern und die Wege der Mitarbeiter verkürzen kann. Die Lösung war eine Verbindung von künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Mitarbeiterintegration.

Mensch, Maschine und Software integriert

„Der Dreier-Ansatz Mensch, Maschine und Software ist meiner Ansicht der erfolgreiche“, sagt Thurner. Die richtige Lagersoftware hilft, Herausforderungen wie ein sehr unterschiedliches Artikelspektrum oder starke Auftragsspitzen zu bewältigen: Die ABC-Analyse im Lager erfolgt auf Knopfdruck, die Batchbildung ist autonom – ein Algorithmus entscheidet, welche Aufträge für die Kommissionierung freigegeben oder zusammengefasst werden. Teilautomatische Maschinen übernehmen Tätigkeiten wie Etikettieren und Verschließen. Die Arbeit der Mitarbeiter bei der Kommissionierung wird durch eine optimierte und automatisierte Einsatzplanung, die weiß, wie viele Picks anstehen und welche Anzahl von Mitarbeitern dafür gebraucht wird, und Wearable-Technologien, wie dem Handschuh-Scanner Pro-Glove mit Display, unterstützt.

„Heute haben wir alle Lagerbereiche danach ausgerichtet, auch für weitere E-Commerce-Kunden ist das Konzept ausgerollt“, sagt Thurner. Ergänzt wurde dies durch eine App, die in Echtzeit die Performance anzeigt und Push-Nachrichten verschickt, wenn Engpässe entstehen. Die nächste Stufe geht dann in Richtung Vorhersage, wofür auch externe Daten miteinbezogen werden sollen. Damit will der Logistikdienstleister noch früher wissen, was auf ihn zukommt.

Digitalisierung als Chance

Ein Innovationszirkel mit Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen sorgt dafür, dass die Ideen nicht ausgehen. „Wir müssen immer einen Schritt voraus sein – unsere Kunden haben eine hohe Logistikkompetenz“, sagt Thurner. Der Kunden wolle aktiv mitsteuern, und als Dienstleister müsse man die Möglichkeit dazu schaffen. „Wir begreifen daher die Digitalisierung als Chance, mehr Wertschöpfungstiefe zu generieren und neue Geschäftsmodelle zu finden“, sagt die Unternehmerin.

Dafür setzt Loxxess auch gerne auf die Start-up-Community und hat daher den Wettbewerb „Logistics Game Changer“ für innovative Ideen für die Logistik ausgeschrieben. Mit Erfolg. Der letztjährige Preisträger Cap-Lap soll künftig sein Controller-System Bcon bei Loxxess in der Praxis testen. Das Start-up stammt eigentlich aus dem Bereich Spieleentwicklung, und Bcon, das über eine Fußbewegung gesteuert wird, wurde ursprünglich von und für Gamer entwickelt, die neben Maus und Tastatur einen weiteren Controller nutzen wollten. In der Logistik ist das Ziel das gleiche: Bei der Endkontrolle eingesetzt soll Bcon helfen, dass Mitarbeiter die Hände frei haben, Zeit einsparen und effizienter arbeiten können.

Das Unternehmen

  • Loxxess wurde 1998 von Peter Amberger, dem heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden, gegründet. Neben Amberger halten seine Kinder – Dr. Claus-Peter Amberger (CEO) sowie Christine Thurner – die Anteile an dem Familienunternehmen.
  • Heute hat das Unternehmen 26 Standorte in Deutschland sowie je einen in der Tschechischen Republik und Polen.
  • Die rund 2.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2019 einen Umsatz von rund 166 Millionen Euro.
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