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Lkw stehen still, Kurzarbeit angemeldet

Automobillogistiker haben zu kämpfen

Foto: Mosolf

Die Corona-Krise hat die Automobillogistiker voll erwischt. Wie Mosolf, Hödlmayer International, Möhlmann Automobil-Logistik und Akkermann Transporte damit umgehen.

„Die Lage ist unerfreulich, das ist klar“, sagt Jörg Mosolf. Als einer der Großen der Branche umschreibt er damit sehr nüchtern eine Situation, die bei längerer Dauer für manchen ruinöse Folgen haben könnte. Von den 1.000 Lkw seines Unternehmens stehen 60 Prozent, berichtet Mosolf. Kein einziger der 320 Bahnwaggons ist unterwegs und auch die beiden Binnenschiffe sind im Hafen vertäut. „Wir sind multimodal aufgestellt, und es trifft uns auch multimodal.“

Dabei steht das Unternehmen aus Kirchheim unter Teck bei Stuttgart offenbar noch gut da, denn Mitbewerber berichten von Transporteinbrüchen in Höhe von bis zu 95 Prozent. „Unsere Spezialisierung, die früher ein Segen war, ist jetzt ein Fluch“, sagt einer von ihnen. „Wir sind nicht so flexibel wie andere, wir fahren nicht mal eben Toilettenpapier.“ Bei eingestellter Produktion in den Werken der Hersteller lief nichts mehr rund, und die Automobillogistiker mussten Fahrzeuge ab- und Kurzarbeit anmelden.

Hödlmayr International: 30 Prozent der Lkw fahren

„Wir evaluieren täglich die Situation und passen unsere Kapazitäten laufend dem Bedarf an“, heißt es von Hödlmayr International. Die Österreicher mit deutschem Sitz in Garmisch-Partenkrichen sind mit rund 30 Prozent ihrer Lkw-Flotte im Einsatz. „Die von uns betriebenen Ganzzug-Systeme sind derzeit nicht in Betrieb“, teilte das Unternehmen mit. Auch hier wie bei allen anderen Unternehmen: Kurzarbeit.

Während bei Mosolf im März noch insgesamt 60 bis 70 Prozent des normalen Aufkommens zu fahren waren, hat das Virus im April voll zugeschlagen. Unternehmensberater EY geht in Europa von einem Absatzrückgang bei Neuwagen in Höhe von 70 Prozent aus, auch das Gebrauchtwagengeschäft ist bei Mosolf rückläufig Ein kleiner Lichtblick ist das gut ausgebuchte Lager. „Unsere Kapazitäten für Gebrauchtwagen oder Mietwagen sind überproportional voll“, sagt Mosolf, „aber der Umschlag ist auch hier stark zurückgegangen.“

Möhlmann Automobil-Logistik: Transporte eingebrochen

Jens Riepenhusen, Geschäftsführer der Möhlmann Automobil-Logistik mit knapp 100 Fahrzeugen aus dem niedersächsischen Neuenburg, bestätigt das: „Die Lagerplätze sind gut ausgeschöpft, aber die Transporte sind drastisch eingebrochen“. Auch beim Familienunternehmen Akkermann Transporte aus Moormerland bei Emden steht ein Großteil der 60 Fahrzeuge. „Wir fahren noch die Restaufträge ab“, sagt Geschäftsführer Klaus Akkermann. Das zweite Standbein des Unternehmens, das Flottengeschäft für Autovermieter mit einem Anteil von etwa 40 Prozent vom Umsatz, ist durch Corona komplett zum Erliegen gekommen: „Das ist schon eine harte Zeit.“

Verzinste Kredite, die staatlicherseits angeboten werden, wären selbst bei Bedarf für keines der Unternehmen eine Option. „Bei drei Prozent Zinsen ist das keine echte Hilfe“, erläutert Akkermann. „Schon gar nicht, wenn man nicht weiß, wann die Lage sich wieder verbessert.“ Zudem können man sich am Markt durchaus besser finanzieren, gibt er zu bedenken. Andere Unternehmen beklagen auch die Flexibilität ihrer Hausbanken.

Mosolf steht zu Subunternehmern - Pleiten verhindern

Jörg Mosolf hat sich vorgenommen, zumindest bis Juni niemanden zu entlassen. Derzeit sind etwa 25 bis 30 Prozent seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit, andere bauen Überstunden ab oder machen Urlaub. „So können wir sicher sein, dass wir bei einem Wiederanlaufen auch genügend Kapazitäten haben“, sagt er. In der Krisenbewältigung legt er zuerst die eigenen Fahrzeuge still, bevor es Subunternehmer trifft, die einen Anteil von etwa 25 Prozent an der Flotte haben. „Wir wollen damit Pleiten verhindern“, betonte er.

Der Automobillogistiker geht davon aus, dass sein Unternehmen das laufende Jahr trotz Coronavirus profitabel übersteht, allerdings könne der Gewinn um bis zu Zweidrittel unter Plan liegen, schätzt Mosolf ein. Und so sind Investitionen und Instandhaltungen tabu, es gibt auch einen Einstellungsstopp. „Unser Haus ist finanziell stark“, unterstreicht Mosolf, „wir sind nicht gefährdet, aber diese Krise tut weh.“

Alle setzen jetzt darauf, dass die Zukunft ab Mai weniger düster aussieht. Die ersten Werke der Automobilhersteller haben die Produktion wieder aufgenommen, wenn auch stark eingeschränkt. „Wir hoffen, dass es nächsten Monat langsam wieder auf 40 bis 60 Prozent aufwärts geht“, sagt Mosolf. Wirklich planen lasse sich das natürlich nicht, ohne gesicherte Rahmenbedingungen.

Verschrottungsprämie im Gespräch

„Eine realistische Einschätzung über die weitere Entwicklung am Automobilmarkt lässt sich heute nicht treffen“, stellt man bei Hödlmayr fest. Eine wesentliche Rolle spielten politische Entscheidungen wie eine „Verschrottungsprämie“ mit der der Markt und das Kaufinteresse wieder angekurbelt werden könnten. Die Chefs der Landesregierungen von Niedersachsen und Bayern, Markus Söder (CSU) und Stephan Weil (SPD), haben sich schon längst für Anreize ausgesprochen. Volkswagen macht jetzt seinerseits Druck.

Nachdem die Autohäuser wieder öffnen durften, setzen die Wolfsburger in Bälde auch auf arbeitsfähige Kfz-Zulassungsstellen. Und bis dahin sollte der Staat mit einem Förderprogramm für Elektroautos, aber auch für moderne Verbrenner parat stehen, meint VW-Markenchef Ralf Brandstätter. „Es wäre eine gute Botschaft, wenn das Hand in Hand gehen würde“, sagte er. Das Handelsblatt weiß aus informierten Kreisen außerdem, dass das Kanzleramt für Anfang Mai einen Autogipfel angesetzt hat. Da könnte es sich auch um Prämien drehen. Den Schutz des Klimas müsse man nicht aus den Augen verlieren, meint Mosolf: „Wenn man die Wirtschaft und die Konjunktur ankurbeln will, kann man das durchaus mit ökologischen Zielen verbinden.“

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