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Logistiker LGI auf Internationalisierungskurs

"Doppelpass in Asien spielen"

Redaktionsgespräch Dr. Andreas Bunz, LGI Foto: Karl-Heinz Augustin

Dr. Andreas Bunz, Chef der LGI Logistics Group Interna­tional, berichtet über positiven Innovationsdruck und aktuelle Projekte, etwa den Einsatz von Lang-Lkw.

trans aktuell: Herr Bunz, das Unternehmen LGI ist in den vergangenen Jahren ordentlich gewachsen. Welche Flexibilität braucht es, um dieses Wachstum zu generieren?

Bunz: Wir haben den Hunger nach Neuem und auch eine gewisse Risikobereitschaft, in unbekannten Bereichen zu starten. Die Souveränität und Flexibilität, die in der Organisation an den Tag gelegt wird, ist für mich ganz wichtig. Ich bin froh, dass wir von der Kundenseite, von den Ideen der Mitarbeiter und im Rahmen unserer Prozessverbesserung als Management gezwungen sind, uns immer wieder neuen Themen zu stellen.

Was sind denn Ihre Top-Branchen?

Strategisch haben wir uns entschlossen, uns in den fünf am schnellsten volkswirtschaftlich wachsenden Branchen zu engagieren, die auch spannende Logistikthemen haben, mit Ausnahme des Food-Bereichs: Automobil, Elektronik, Industrie- beziehungsweise Maschinenbau, Fashion und Medizintechnik. Für uns ist nicht allein das Volumen maßgeblich, wir wollen auch Kunden, die selbst ein großes Interesse an neuen Themen haben, uns das zeigen und das fordern. Interessant ist, dass wir sehr lange Kundenbeziehungen haben – viele schon seit Bestehen der LGI und viele mit Global Playern in ihrem Fach.

Mit 70 Prozent generiert LGI einen Großteil des Umsatzes aus relativ neuen Geschäftsfeldern.

Diese Formel haben wir vor einigen Jahren aufgestellt, und sie stimmt immer noch. Ein interessantes Beispiel dafür ist einer unserer engsten Kunden, HP, aus dem wir hervorgegangen sind: Das Unternehmen hat sein Geschäftsmodell komplett verändert. Auch unsere Dienstleistungen für HP sehen heute komplett anders aus als früher. Für den HP-Konsumgüterbereich übernehmen wir etwa in Hünxe das Distributions- und Umschlaggeschäft. Im Printing-Bereich übernehmen wir Mehrwertdienstleistungen, etwa das Aufspielen von Software.

Welche Rolle spielt in der strategischen Ausrichtung die schwedische Elanders-Gruppe, zu der LGI seit zwei Jahren gehört?

Der Input ist in mehrerlei Hinsicht interessant: Zum einen verzeichnen wir einen Neukundenzugang, den wir in diesem Umfang trotz unserer starken Wachstumsjahre zuvor noch nicht hatten, vor allem auch im internationalen Bereich. Zum 1. Juli haben wir das größte europäische Zentrallager von Panasonic in Betrieb genommen. Das wäre uns früher sicher nicht gelungen. Auch dass ein strategisches Unternehmen hinter uns steht, das LGI übernommen hat, um seinen Printing-Bereich mit einer Supply-Chain-Kompetenz zu verknüpfen, kommt bei den Kunden gut an: weil wir über die Elanders-Gruppe so zusätzlich das Thema Verpackung und Verpackungsdesign ansprechen können.

LGI hat die Internationalität im Namen. Wie wichtig ist der deutsche Markt und welche Märkte haben Sie auch im Blick?

Das möchte ich nicht nur für LGI, sondern auch für Elanders beantworten: Deutschland ist aufgrund der starken Industriepräsenz ein ganz wichtiger Markt. Über die Elanders-Schiene wollen wir aber noch stärker den Doppelpass mit unserer asiatischen Schwester Mentor Media spielen, die ein interessantes Netzwerk insbesondere für die Kontraktlogistik hat, und das neben China auch in anderen Regionen Asiens. Auch in den USA tun sich im Zusammenspiel mit Elanders, Mentor Media und auch mit unserer Tochter ITG interessante Möglichkeiten auf.

Als internationaler Logistiker: Wie wichtig ist die Durchlässigkeit der Grenzen? Stichwort Brexit etc.

Wenn man sich die Lieferkette heute ansieht und überlegt, welche Beeinträchtigungen etwa durch Grenzkontrollen bei einem Transport von Südosteuropa nach Frankreich entstehen können – da kann man das Grausen bekommen. Es könnte zum einen ein betriebswirtschaftliches Problem werden, wenn man berechnet, was etwa der Einsatz eines zweiten Fahrers ausmacht. Aber auch in puncto Verlässlichkeit und Transparenz wäre das ein Schritt zurück in die Vergangenheit. Unsere Kunden haben seither die Ketten noch enger geknüpft und Zeit- und Bestandspuffer herausgenommen, um ihre Kunden effizienter zu beliefern – und durch diese Maßnahmen würde das auseinandergerissen.

Viele der LGI-Dienstleistungen gehen über gewöhnliche Logistikarbeiten hinaus. Wie findet LGI die passenden Mitarbeiter?

Da setzen wir auf enge Kooperationen mit Hochschulen und Fachhochschulen und gemeinsame Projekte. An einem der jetzt abgeschlossenen Projekte haben acht Studierende – Ingenieure, Betriebswirte, Simulationstechniker – mehrere Wochen gearbeitet. Wenn man sich da als ein Unternehmen präsentieren kann, das auch mal neue Wege geht, ist das die beste Werbung.

Ist der Speditionskaufmann noch der Generalist, den man sucht?Speditionskaufleute brauchen wir nach wie vor. Aber es braucht die Offenheit, sich mit neuen Tools auseinanderzusetzen und in die tägliche Arbeit einzuführen. Wie lange und wie viel Papier braucht es heute noch, um einen abgewickelten Speditionsauftrag zur Abrechnung zu bringen? Ich erwarte, dass eines Tages dieser ganze Papierstapel verschwindet – und ein Speditionskaufmann muss diese Entwicklung mitmachen.

Welche Trends sehen Sie im Kommen?

Hier sind wir an mehreren Themen dran, etwa in puncto Multi-Channel-Lösungen einschließlich der wertschöpfenden Tätigkeiten. Und das als integrierter Bestandteil einer komplexen Lieferkette, die auch grenzüberschreitend ist – hier reden wir von Cross-Border-E-Commerce, denn besonders die Asiaten haben eine sehr hohe Meinung von deutschen Produkten. Da sind wir aktuell mit zwei weltweit bekannten Labels in der Umsetzung. Im Zuge dessen werden wir auch ein Autostore-Konzept einsetzen.

Sind vielleicht speziell unter dem Elanders-Dach auch strategische Investitionen geplant?

Das haben wir sicherlich auf dem Radar, denn wir wollen uns weiterentwickeln. Wie bei der Übernahme der ITG vor fünf Jahren ist uns wichtig, dass wir damit eine Lücke schließen – regional oder in der Servicesparte.

Wachstum – wie sind denn die Erwartungen für dieses Jahr?

2017 ist LGI im hohen einstelligen Bereich gewachsen, auch durch viele Neugeschäfte. Momentan sind wir im Vergleich zum Vorjahreszeitraum homogen zweistellig unterwegs. Und ich gehe davon aus, dass wir 2018 mit einem zweistelligen Plus abschließen.

Redaktionsgespräch Dr. Andreas Bunz, LGI Foto: Karl-Heinz Augustin
Redaktionsbesuch bei trans aktuell in Stuttgart: Dr. Andreas Bunz leitet seit der Gründung 1995 die Geschicke von LGI.

Zur Person

  • Dr. Andreas Bunz ist seit 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung und Mitgesellschafter der LGI Logistics Group Interna­tional (Herrenberg)

  • Er begann 1988 als Prozessingenieur bei dem IT-Konzern Hewlett-Packard Deutschland, wo er zuletzt als Leiter für den Bereich Controlling und Prozessentwicklung des Geschäftsbereichs Logistik tätig war, aus dem 1995 das Unternehmen LGI gegründet wurde
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