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Kritische Lage für Güterbahnen Teurer Strom macht Diesel attraktiv

Kombiverkehr Betuwe Foto: Ilona Jüngst

Die massive Steigerung der Bahnstrompreise bedroht die Existenz von Güterbahnen und die Erreichung der Klimaziele. Lkw fahren den E-Loks auf der Straße davon. Trotz Verkehrswende könnte die Stunde des Diesel schlagen, warnt das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen NEE.

Kein Unternehmen könne binnen weniger Monate die auf das Vierfache angestiegenen Strompreise an die gewerblichen Kunden weiterwälzen, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer bei NEE. Verträge würden langfristig geschlossen und außerdem drohe die Abwanderung der Kunden auf die Straße. "Kurz vor den Feiertagen wurden sogar Spitzenwerte einer Versiebenfachung im Vergleich zum Jahresanfang 2021 für kurzfristige Bezüge erreicht", unterstreicht er. Ein Blick auf die Preise an der Strombörse lasse auch keine Entspannung erwarten. Diese lägen sogar mit dem Faktor vier bis sechs über den Preisen von Anfang 2021.

25 Prozent Marktanteil der Schiene unerreichbar

Die Verkehrs- und die Energiepolitik des Bundes sei gefragt, um durch geeignete Maßnahmen der unerwarteten und nicht nachvollziehbaren Marktentwicklung entgegenzusteuern. Die exorbitante Steigerung bedrohe immer mehr Güterbahnen in ihrer Existenz, wenn sich die Lage nicht binnen weniger Monate umkehren sollte. "Das Ziel von 25 Prozent Marktanteil des Schienengüterverkehrs bis 2030 kann unter diesen Bedingungen jedenfalls nicht eingehalten werden."

Dieselloks auf elektrifizierten Strecken

Im Schienengüterverkehr sei ein Wechsel von E- auf Dieseltraktion nicht auszuschließen, warnt Westenberger. "Es darf nicht sein, dass die Preise von Strom und Diesel derartig auseinanderdriften, dass es verlockend wird, Diesellokomotiven auf elektrifizierten Strecken einzusetzen oder ganz auf die Straße abzuwandern." Vor allem der Kombinierte Verkehr sei getroffen, da hier die Verlagerung von der Schiene auf die Straße einfach sei.

Abbau des Dieselprivilegs gefordert

Die privaten Eisenbahnen fordern eine Stabilisierung des intermodalen Wettbewerbs, dazu gehöre natürlich auch der Abbau des Dieselsteuerprivilegs. Geprüft werden sollten auch die Regulierung gewerblicher Strommärkte sowie die Etablierung eines Bahnstromindex oder die Überprüfung der Netzentgeltstrukturen und die Unterstützung beim Aufbau stabiler Bezugs- und Vertragsbeziehungen für eine klimafreundliche Bahnenergieversorgung."Subventionen halten wir hingegen für nicht nachhaltig genug", sagt Westenberger.

Dramatische Lage - alle Optionen prüfen

Rund 95 Prozent der Verkehrsleistung auf der Schiene würden elektrisch und mit einem hohen Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien erbracht. "Ein Lkw-Transport ist für rund siebenmal höhere Treibhausgasemissionen verantwortlich als die Beförderung mit dem Zug", erläutert Westenberger. Gemeinsam mit dem NEE-Vorstandsvorsitzenden Ludolf Kerkeling appelliert er an den Verkehrsausschuss des Bundestags, "zusammen mit der Eisenbahn- und der Energieversorgungsbranche alle Optionen zu prüfen, um den klimafreundlichen Verkehr auf der Schiene zu halten und auf den politisch gewünschten und klimapolitisch essenziellen Wachstumspfad zu bringen". Die Schonfrist für die junge Regierung sei in dieser dramatischen Situation bereits vorbei.

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