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Cargo24 teilt Laderaum

Uni St. Gallen mit Sharing-Konzept

Lkw Stückgutkooperation Cargo24 Foto: Fotolia/Petair; Montage: Frank Haug 6 Bilder

Schweizer Stückgutlogistiker wollen Laderaum teilen. Digitale Plattform der Universität St. Gallen macht's möglich.

Auch wenn es aktuell etwas ruhiger um die sogenannte Sharing Economy geworden ist, bleibt die Grundidee nach wie vor präsent. Das zeigt etwa ein praxisorientiertes Innovationsprojekt des Instituts für Supply Chain Management an der Universität St. Gallen, das sich bereits in der Pilotierung befindet.

Cargo24 geht einen Schritt weiter

Prof. Dr. Wolfgang Stölzle von der Universität St. Gallen Foto: Universität St. Gallen
Prof. Dr. Wolfgang Stölzle

„Bislang produzieren die Stückgutlogistiker der Schweizer Kooperation Cargo24 gemeinsam Sendungen nach etablierten Standards und mit entsprechenden Abrechnungsmodellen und Qualitätsversprechen“, erklärt Victor Wildhaber, der das Projekt bearbeitet und als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projektmanager und Doktorand am Institut für Supply Chain Management der Universität St. Gallen tätig ist. Dabei soll es aber nicht bleiben. „Wir gehen ­einen logischen Schritt weiter: Wir greifen partiell auf den Laderaum zu, nicht aber auf alle Fahrzeuge“, berichtet Institutsleiter Prof. Dr. Wolfgang Stölzle im Gespräch mit trans aktuell. Wobei die Idee nicht schweizspezifisch sei – lediglich die Fördermittel und das Praktikerkonsortium zur Entwicklung des Piloten kommen aus der Schweiz. Letztlich lasse sich das Modell auch in jeder Stückgut­kooperation in Deutschland umsetzen, betont Stölzle.

Dreh- und Angelpunkt ist dabei eine digitale Plattform, auf der anhand von Algorithmen ein sogenannter Matchingprozess stattfindet. „Dieser erfolgt momentan erst teilautomatisiert“, berichtet Wildhaber. Es entstehe aber bereits ein Lastenheft, um das Ganze entsprechend zu automatisieren. In der Zukunft erkennt das System dann von selbst, wo es noch freien Laderaum gibt, und teilt ihn dann entsprechend zu.

Transparenz schaffen für Sendungs-Sharing

Victor Wildhaber von der Universität St.Gallen Foto: Universität St. Gallen
Victor Wildhaber

Das Konzept Laderaum-Sendungs-Sharing (LSS) sieht dabei vor, dass die digitale Plattform die Laderaum- und Sendungsüberhänge auf den Hauptläufen ebenso wie in den Sammel- und Verteilerverkehren zwischen den Unternehmen transparent macht. „Auf Basis dieser Informationen schlägt die digitale Plattform den Flottenbetreibern Matchingpotenziale vor“, erklärt Wildhaber. Einerseits könne der frachtführende Logistikdienstleister bei Annahme eines Matches und damit einhergehender Übernahme einer Sendung seine eigene Lkw-Auslastung auf einer Tour steigern. Andererseits verzichte das Partnerunternehmen auf den Einsatz nicht ausgelasteter Fahrzeuge und spare damit Kosten.

Ein gemeinsames Verrechnungspreissystem stelle dabei eine faire Kompensation für das Teilen des Laderaums sicher. Die Lkw verbleiben dabei weiterhin in der Dispositionshoheit des jeweiligen Flottenbetreibers. „Damit entwickelt sich das Sendungs-Sharing zu einem Laderaum-Sendungs-Sharing weiter“, erläutert Stölzle.

Verbindung zum TMS

Die digitale Plattform unterstützt laut Wildhaber neben der Transparenz auch die Abwicklung des Laderaum-Sendungs-­Sharings, indem sie die Verbindung zu den Transport-Management-Systemen der Flottenbetreiber herstellt. „Durch dieses Informations-­Sharing werden nicht voll aus­gelastete Lkw visualisiert“, berichtet Wildhaber. Weitere Potenziale ergäben sich dadurch, dass die Matches unter Einbeziehung der geschätzten Ankunftszeit (ETA) berechnet und die Auftragsstatus via Telematik in ein Monitoring einbezogen würden sowie die Abwicklung der Vergütung zwischen den Flottenbetreibern durch ein digitales Clearing-System erfolge.

Das Laderaum-Sendungs-Sharing sieht damit die Koordination von unausgelasteten Laderäumen und Sendungen zwischen den Flottenbetreibern in Verbindung mit weiteren Konzeptelementen vor. Ebenfalls berücksichtigt wird die Governance, also Vereinbarungen zu Lenkungs- und Kontrollmechanismen zwischen den Flottenbetreibern.

Matching von Laderäumen und Sendungen

Die Koordination umfasst dabei Aktivitäten der Vorbereitung (Übermittlung von Laderaum- oder Sendungsüberhängen an die digitale Plattform), des Matchings von Laderäumen und Sendungen durch die digitale Plattform, der Kommunikation (Austausch zwischen der digitalen Plattform und den Disponenten über Sendungsspezifika), der Ausführung (Frachtführung und Überwachung) und der Nachbereitung (Sharing-Abschluss und Abwicklung der Vergütung).

„Das Sharing-Konzept ermöglicht so den Austausch von Sendungen und Laderäumen vor und während der operativen Tourenplanung durch die Disposition. Daraus ergeben sich für die Flottenbetreiber erhebliche Auslastungssteigerungs- und damit auch Effizienzsteigerungspotenziale“, erläutert Wildhaber.

Erste Effekte bereits sichtbar

Erste Effekte durch das Laderaum-Sendungs-Sharing seien bereits identifiziert worden. Eine Schattenrechnung ergab für das Konsortium Schweizer Unternehmen (siehe Kasten) im Herbst 2020, dass eine Auslastungssteigerung von bis zu 20 Prozent möglich sei. „Das Potenzial variiert je nach Zeitraum und Region und ist zudem von der Größe des Konsortiums abhängig“, sagt Wildhaber. Prinzipiell gilt: Je mehr Flottenbetreiber am Laderaum-Sendungs-Sharing teilnehmen, desto größer ist auch das Potenzial der Auslastung. Denn das Sharing-Konzept hat den Hauptkostentreiber des Stückguts im Blick: die Auslastung des Laderaums und die Flottenkilometer.

Beim Teilen des Laderaums wollen es Wildhaber und Stölzle übrigens nicht bewenden lassen. Ihre Vision geht bereits einen Schritt weiter: das Truck-Sharing. Dabei gebe es allerdings einige weitere Prämissen zu beachten. „So muss man beispielsweise darauf achten, dass die Lösung in einer Branche verwendet wird, die die gleichen Anforderungen hat, etwa hinsichtlich Hygiene, Temperaturführung oder auch Zusammenladungsverboten. Zudem gilt es, die Saiso­nalität von Produkten zu bedenken“, erläutert Wildhaber.

Paradigmenwechsel bei Verladern nötig

Des Weiteren sei ein Paradigmenwandel bei den Verladern notwendig, wenn es darum gehe, welcher Lkw mit welchem Brand wo vorfahren dürfe. „Vielleicht macht es Sinn, sich zu überlegen, was mehr bringt: das Branding auf dem Fahrzeug oder das Einsparpotenzial beim Sharing“, gibt Wildhaber zu bedenken. Im Sinne der Auslastung steht die Antwort fest.

Das Konsortium

  • BDK Informatik (technische Umsetzung)
  • Cargo 24 (Hauptumsetzungspartner)
  • Institut für Supply Chain Management an der Universität St. Gallen (wissenschaftliche Begleitung)
  • Hasler Transport, Krummen Kerzers, Lagerhäuser Aarau, Traveco Transporte, Zibatra Logistik (beteiligte Logistiker)
  • Gefördert durch Innosuisse – Schweizerische Agentur für Innovationsförderung (öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes)
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
trans aktuell 01 2021 Titel
trans aktuell 01 / 2021
22. Januar 2021
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