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Klopapier-Hersteller am Limit

Weiter Engpässe bei Klopapier

Foto: Norbert Böwing 8 Bilder

Glück im Münsterland: eurotransportTV zeigt, wie eine Filiale mit Toilettenpapier beliefert wird. Anderswo wächst der Ärger über leere Regale.

Ganz Deutschland wartet auf Toilettenpapier. Ganz Deutschland? Nein, ein Supermarkt im Münsterland hat seine Kunden glücklich gemacht, als ein Lkw der Handelskette Stroetmann mit dem begehrten weißen Gold vorfuhr. Das Filmteam von eurotransportTV hat den Lkw-Fahrer bei der Auslieferung begleitet und zeigt diesen Beitrag am Samstag um 12 Uhr auf den gewohnten Sendeplätzen auf eurotransport.de, Youtube und Facebook.

Toilettenpapier steht hoch im Kurs

TV-Redakteur Norbert Böwing bestätigt jedoch, dass auch in diesem Supermarkt das Glück nur von kurzer Dauer war. „Toilettenpapier steht hoch im Kurs. Kaum war es da, war es schon wieder weg“, sagt er. Die Lieferung sei auf ausdrücklichen Wunsch des Supermarktbesitzers erfolgt. An Bord des Lkw seien fast zehn Paletten Klopapier gewesen. Der Fahrer könne den Run auf das Papier für den Allerwertesten nicht nachvollziehen, sagt Böwing. Ähnlich begehrt bei den Empfängern und Verbrauchern sei derzeit Mehl und Milch, habe der Fahrer ihm berichtet.

Schilder statt Ware in den Supermärkten

Während im Münsterland die Klopapier-Logistik temporär funktionierte, warten die Kunden anderswo weiterhin vergeblich auf die nächste Lieferung. Der extrem stark auf eurotransport.de geklickte Artikel über die Sortimentslücken bei der Drogeriemarktkette dm hat ein riesiges Echo an Reaktionen hervorgerufen. Aus quasi allen Teilen der Republik melden Kunden, teilweise belegt mit Handy-Fotos, eklatante Engpässe in den Märkten. „Diesem Beitrag zum seit Tagen nicht vorhandenen Toilettenpapier speziell bei der Firma dm kann ich, aus Berliner Sicht, inhaltlich nur zustimmen“, teilt ein Leser aus der Bundeshauptstadt mit. „Auch hier in Berlin, Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, findet man an vielen Regalen nur noch Fake-News-Hinweisschilder, dort wo eigentlich Waren sein sollten – die aber schon seit vielen Tagen fehlen.“

In den beiden dm-Märkten in Niederzier (bei Düren) habe er vorgestern und gestern nur leere Regale vorgefunden, berichtet ein weiterer Leser. „Im Markt in Niederzier-Mitte wurde mir vorgestern schon gesagt, dass erst in der nächsten Woche der Nachschub kommen wird.“ Im Saarland offenbar das gleiche Bild: „In den Regalen von dm und Rossmann sieht es hier nicht besser aus. Seit Freitagmittag sind weder Toilettenpapier noch Taschentücher ohne Duft oder „Zewa“ zu bekommen", teilt eine weitere Leserin mit.

Ein anderer Leser aus Dietzenbach schreibt: "Ich versuche nun seit dem 16. MärzToilettenpapier beziehungsweise Küchenrollen zu kaufen. Nichts von beiden ist vorhanden - und das seit fast 14 Tagen." Die dm-Mitarbeiter gäben einem lediglich den Hinweis, man solle es doch mal in zwei bis drei Tagen versuchen. Jetzt würden auch zusehens die Papiertaschentücher knapp. "Naja, ich bin Baujahr 1954, ich werde jetzt anfangen, meine Zeitung in Portionsgröße zu schneiden und einen Nagel in die Toilettenwand zu schlagen."

Schwarz-Gruppe: Versorgung ist sichergestellt

Glaubt man Einzelhändlern und Herstellern, arbeiten Produktion und Logistik mit Hochdruck an der Engpassbeseitigung. „Die Versorgung ist sichergestellt“, teilt zum Beispiel ein Sprecher der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, gegenüber den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung mit. Er räumt aber ein, dass es Hamsterkäufe gibt und es ein bis zwei Tage dauern könne, ehe der Nachschub rollt.

Klopapier-Hersteller Essity arbeitet rund um die Uhr

Unter Volllast arbeiten demnach die Maschinen beim Hygienepapier-Hersteller Essity in Mannheim, der zum Beispiel Zewa-Klopapier oder Tempo-Taschentücher herstellt. „Die Anlagen laufen an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr“, teilt das Unternehmen ebenfalls den beiden Stuttgarter Zeitungen mit. In Deutschland gebe es 16 Hersteller von Toilettenpapier, in praktisch jeder großen Papierfabrik werde rund um die Uhr produziert. 750.000 Tonnen Toilettenpapier verbrauchen die Konsumenten in Deutschland demnach im Schnitt pro Jahr.

Discounter-Chef: Kunden scheinen verrückt geworden

Der Run auf das weiße Gold ist einmalig in Deutschlands jüngerer Vergangenheit, wie auch der Gebietsleiter, Walter W., einer Discounterkette im süddeutschen Raum berichtet. „Es liegt nicht an der Industrie und nicht an den Transporteuren, die Kunden scheinen verrückt geworden zu sein!“, sagt er. „Niemand denkt mehr nach. In allen Ländern bleiben ungeachtet aller Einschränkungen die Lebensmittelläden geöffnet. Die Industrie produziert absolut ausreichend Papier, die Lkw fahren rund um die Uhr.“

Die Lebensmittelkette arbeitet mit einem automatisierten Nachbestellsystem, das mit den langfristig gewonnenen Erfahrungswerten für ihre Produktgruppen gefüttert wird. Darauf abgestimmt sind auch die gebuchten Frachträume bei den Logistikern und auch die Lagerkapazitäten in den Filialen.

Discounter beharrt auf haushaltsübliche Mengen

Wenn allerdings ständig ein Volumengut wie Toilettenpapier ausläuft, reißt das System irgendwann ab und das, obwohl der tatsächliche Bedarf eigentlich nicht steigt, denn Corona ist ja kein Magen-Darm-Virus. W. geht in seinen Filialen daher bereits offensiv auf die Hamsterkäufer zu und beharrt auf haushaltübliche Mengen. Gleichzeitig lässt W. die leergeräumten Regale nur noch in Schüben auf, damit die Filiale möglichst vielen Kunden über die gesamte Öffnungszeit eine normale Menge anbieten kann.

Während es nach der Anfangspanik zwischendurch zu einer leichten Beruhigung kam, ging der Pegel bei der Ankündigung der Schulschließungen sofort wieder in neue ungeahnte Höhen. Mit der anstehenden Ausgangssperre erwartet W. den nächsten Peak. Auch wenn viele damit für Anfang nächster Woche rechnen, lässt sich kaum etwas vorbereiten, denn die Frachträume werden auch für andere Warengruppen gebraucht. „Wichtiger wäre es tatsächlich die breite Masse der Kunden vor den panisch-egoistischen Hamsterkäufern zu schützen“, sagt W. „Mehl ist auch so ein Thema, wir haben Jahreskontrakte mit den Großhändlern und die mit den Mühlen und Bauern, damit alles im richtigen Maß bleibt, aber nun denken alle, es droht eine Hungersnot!“

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