Kleinbusspezialist aus der Pfalz

Probus dreht mit zweitem Standort und neuen Modellen auf

INDCAR NEXT L9 auf DAF Chassis, Frontansicht, Probus Event in Wagenfeld mit neuer Niederlassung, April 2018, verwendet für Bus Newsletter am 18.04.2018 Foto: Pressebüro TWAmobility 5 Bilder

Der pfälzische Kleinbusspezialist aus Herxheim bei Landau verkauft seit über zehn Jahren vor allem Kleinbusse auf Basis verschiedener Kastenwagen. Jetzt will Geschäftsführer Christoph Schultz in die Offensive gehen, und mit einem zweiten, norddeutschen Standort sowie neuen Modellen im Reise- sowie im Linienbereich punkten. Das aber nicht um jeden Preis.

Der neue Standort in Wagenfeld zwischen Bielefeld und Bremen ist ein repräsentatives ehemaliges Autohaus, in dem am letzten Wochenende rund 100 Kunden das gesamte Busprogramm nebst kleinem Rahmenprogramm präsentiert wurde. Drei Mitarbeiter werden hier ständig zur Verfügung stehen, aufbaubezügliche Werkstattarbeiten können ebenfalls durchgeführt werden. "Der After Sales ist für uns sehr wichtig, wir wollen nicht nur Fahrzeuge verkaufen und dann den Kunden am besten nicht mehr wiedersehen," erläutert Schultz sein Vertriebskonzept, dass ihn von anderen Wettbewerbern oft unterscheide. Insgesamt fünf Außendienstmitarbeiter sind für ihn in ganz Deutschland bei den Kunden unterwegs, ein weiterer wird derzeit gesucht.

Der INDCAR Next auf DAF Chassis rundet Portfolio nach oben ab

Zu einem guten Kundenservice gehört es für Schultz ebenso, nur solche Fahrzeuge ins Portfolio zu nehmen, die den Kundenansprüchen voll genügen, und auch ihn und seine Experten technisch auf ganzer Linie überzeugen können. Erstmals bietet Probus zur IAA Nutzfahrzeuge in Hannover den 9,39 Meter langen und 3,40 Meter hohen INDCAR Next L9 auf einem DAF Fahrgestell an, ein beinahe ausgewachsener Reisebus mit bis zu 37 Sitzen und einem 264 PS (1.000 Newtonmeter) starken Frontmotor von DAF (Auf Chassis von Mercedes, MAN und Iveco verkauft INDCAR selbst noch drei andere Längen des Busses als L7, L8 und L10). Die 310 PS Variante des Motors ist bisher nicht vorgesehen, könnte aber in Zukunft gegebenenfalls auch zur Anwendung kommen. Geschaltet wird entweder mit ZF Sechsgang- oder AS-Tronic Getriebe. Letzteres ist auch beim "Kleinbus"immer mehr im Kommen. 

Bei einer ersten Testrunde in der norddeutschen Ebene machte der Antrieb einen durchaus munteren Eindruck, wenn das Fahrzeug mit 12 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht auch leer bewegt wurde. Vor allem die Laufruhe und gute Isolierung des vorne zwischen Fahrer und Einstieg verbauten Motors ist auffallend, der Verbrauch soll sich etwas über 20 Liter bewegen – ein Verkaufsargument für den Wagen. "Mit diesem robusten Chassis überzeugt uns der NEXT erstmals vollständig, weswegen wir unser Portfolio mit ihm deutlich nach oben erweitern wollen," so Schultz. Das derzeit noch ein wenig singende Hinterachsdifferenzial wird bereits nachgearbeitet, immerhin fuhren wir exklusiv den ersten Prototypen, der auf der IAA zu sehen sein wird. Verzögert wird der Reisebus nachdrücklich von einer veritablen Telma-Bremse (immer noch ohne sinnvolle Energierückgewinnung!), ein Feature, dass in dieser Klasse nicht jeder Chassis-Lieferant anbieten kann und so oft zum Knock-out Kriterium für den Kunden wird. Auch der große Kofferraum mit rund 5-6,5 Kubikmetern in Heck und linker Fahrzeugseite ist durchaus nicht Standard zu nennen ­– die derzeit nicht optimale Position des Reserverades links wird noch geändert. Der Fahrkomfort des Busses ist dem Konzept angemessen, vorne arbeiten Blattfedern ohne Luftfedern an der Dämpfung der Starrachse, hinten ist die Luftfederung Serie. Der Komfort zeigt sich ausreichend und ist im exotischen Segment schon als gut bis sehr gut zu bezeichnen. 

Der Innenraum des NEXT zeigt sich sehr erwachsen

Der Innenraum des Next überrascht mit seinen echten Reisebusgenen. Er muss sich nicht verstecken hinter anderen, hochpreisigeren Modellen. Das fängt bei der üppigen Stehhöhe von beinahe zwei Metern an und hört nicht bei der Gangbreite von rund 40 Zentimetern auf (und das bei 2,50 m Fahrzeuggesamtbreite), das ist mehr als mancher "Großbus" bietet. Die Gepäckablagen sind sehr voluminös, die Servicesets praktikabel und die Einstiege durchaus gut zu erklimmen, auch wenn der vordere sich konzeptbedingt linksherum über den Radkasten windet. Die vier Trittstufen sind effizient beleuchtet, ein Markenlogo in der Trennscheibe zum Fahrer ist effektvoll in Szene gesetzt. 

Auf Effekte setzt der katalanische Hersteller mit einer 130-jährigen Tradition leider auch bei der Bedienung: ein großer Touchscreen rechts neben dem Lenkrad beinhaltet beinahe alle Aufbaufunktionen bis hin zur Heizung und Klimaanlage. Das mag hip und modern sein, aber wenig bedienerfreundlich: "Das werden wir so unseren Kunden nicht anbieten, es wird bereits an einer analogeren Lösung mit echten Schaltern gearbeitet bei INDCAR – das muss einfach sein", unterstreicht Schultz seinen kundenfreundlichen Ansatz. Die Bedienung des restlichen, mächtigen Armaturenträgers geht in Ordnung, ein Mobileye-System sorgt für Sicherheit und Spurführung sowie für eine Verkehrszeichenerkennung, bisher im Bus noch eine Seltenheit. Der Einstieg durch die Fahrertür links ist Lkw-typisch rückwärts zu erledigen, Stufen und Haltemöglichkeiten sind aber hervorragend. Insgesamt ist dieser Bus eine erfrischende Neuerscheinung auf dem deutschen Markt, vor allem in Verbindung mit einem selbstbewussten und kundenorientierten Importeur und einem wettbewerbsfähigen Preisniveau, das bei 175.000 Euro beginnt.

Weitere neue Linien-Modelle folgen auf den Fuß

Doch der Next L9 ist nicht die einzige Neuheit, mit der Probus sein Portfolio ab 2018 deutlich aufwerten will. "Wir werden zunehmend auch im Linienbereich Fahrzeuge anbieten, vor allem mit dem in Rumänien gefertigten, hochflexiblen Mobi (insgesamt sind 95 Varianten zu bestellen), den es erstmals auch als Low Entry Version mit bis zu 25 Plätzen gibt oder auf Wunsch auch mit einer zweiten Niederflurplattform im Heck", erklärt der Probus-Geschäftsführer. Das Fahrzeug in den Längen von 7,99 bzw. 8,55 Metern ist vor allem im Süddeutschen Raum interessant, da diese hier auch nur mit einer Tür förderfähig seien. Es wird immer auf ein Iveco Fahrgestell aufgebaut, das 7,1 Tonnen vertragen kann und trotz neuer Basisfahrzeuge von Mercedes und Volkswagen auch weiterhin dieses Alleinstellungsmerkmal voll ausspielen kann. "Ab IAA werden wir uns ebenfalls intensiv um die nicht allzu großen Anpassungen für den Sprinter kümmern, der ja nicht neu homologiert werden muss", verrät uns Schultz. Weitere Überraschungen der nächsten Zeit dürfte eine neue Version des Indcar "Wing" mit einer neuen Länge von 7,7 Metern und neuem Interieur werden, von dem sich Probus im Reisesegment viel verspricht. Noch weiter in der Zukunft liegt ein eigenständiges Elektrobus-Modell für die Stadt, das größer als der Mobi sein soll und ab Sommer rund um Barcelona im Testeinsatz sein wird. Mit seinen tauschbaren Batterien im Heck soll der Wagen mit Klimatisierung bis zu 170 Kilometer weit kommen. Man darf gespannt sein, wann ein solches, rein elektrisches Modell die kundenorientierten Qualitätsvoraussetzungen von Probus an seinen beiden deutschen Standorten erfüllt.

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