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Keine Fahrer und gestiegene Kosten Düstere Stimmung bei Fahrzeuglogistikern

Foto: Mosolf Group

Laut dem Verband der Europäischen Fahrzeuglogistiker (ECG) gefährden der Fahrermangel und die anhaltende Chipkrise die Existenz der Branchenunternehmen.

Demnach hat eine Mitgliederbefragung des Verband der Europäischen Fahrzeuglogistiker (ECG) ein düsteres Stimmungsbild unter den Mitgliedsunternehmen ergeben. Hauptsächlich wegen der Chipkrise haben die Fahrzeuglogistiker in den vergangenen zwei Jahren mehr als 20 Prozent ihrer Transportkapazitäten abbauen müssen. Der Fahrerengpass sowie steigende Lohn- und Energiekosten könnten die erhoffte Markterholung ausbremsen.

„Selbst nach der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren habe ich kein so negatives Feedback aus der Branche gehört wie heute. Glücklicherweise haben auch die Automobilhersteller erkannt, dass die Kapazitäten heute nicht mehr ausreichen, um ihre Fertigfahrzeuge zu bewegen. Fahrzeugproduzenten und Fahrzeuglogistiker müssen nun zusammenarbeiten, um eine tragfähige Strategie für eine sicherer Zukunft der Fahrzeuglogistik zu entwickeln“, sagt Mike Sturgeon, Geschäftsführer der ECG.

Im Rahmen der Umfrage, die auf die Jahre 2020 und 2021 abzielte, gaben etwa mehr als die Hälfte der Mitglieder an, dass die Kapazitäten in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen sind. 91 Prozent der Befragten nannte als Hauptursache für den Rückgang Materialengpässe an, insbesondere bei Mikrochips, sowie die daraus resultierenden Produktionsrückgänge im Automobilsektor. Erst dann folgen Corona-Pandemie und Shutdowns.

Kapazitätsabbau: 1.200 Lkw sind weg

Die Umfrageergebnisse zeigen demnach, dass Lkw-Spediteure und Reedereien besonders stark betroffen waren: Demnach haben die befragten Speditionsunternehmen durchschnittlich 21 Prozent ihrer Transportkapazitäten abbauen müssen. Schätzungsweise 1.200 Lkw dieser Spediteure sind demnach in den vergangenen zwei Jahren aus der Logistik verschwunden. Bei den Schifffahrtsunternehmen liegt der Kapazitätsrückgang im Durchschnitt bei sechs Prozent, wobei in den Antworten der einzelnen Unternehmen eine Spanne zwischen minus 2 und minus 50 Prozent angegeben wurde.

"Während die Fahrzeuglogistiker auf einen baldigen Aufschwung beim Frachtaufkommen hoffen, fragen sich die Spediteure, deren Reserven in vielen Fällen aufgezehrt sind, wie sie vor dem Hintergrund steigender Inflation und Zinsen in neue Transportkapazitäten investieren sollen", so der Verband. Bei den Lkw-Unternehmern werden diese Befürchtungen noch dadurch verstärkt, dass Fahrer, die sich im Rahmen des Kapazitätsabbaus umorientiert haben, wahrscheinlich nie wieder zurückkehren werden.

Plus 60 Prozent für den Kraftstoff

Laut der Umfrage registrierten die Unternehmen zudem seit Januar 2020 deutlich gestiegene Kosten. Für See- und Binnenschifffahrtsunternehmen haben sich demnach zum Beispiel die Kraftstoffkosten um rund 60 Prozent erhöht. Auch die Löhne, besonders für Berufskraftfahrer, sind in vielen Ländern deutlich gestiegen, wobei einige Transportunternehmen zwei oder sogar drei Lohnerhöhungen in einem Jahr gewährt haben, um ihre Fahrer zu halten. Massive Preissteigerungen gab es in diesem Zeitraum ebenfalls bei vielen Rohstoffen wie unter anderem Stahl und Kupfer.

Verlustrechnung für Spediteure

"Fixkosten wie Fahrerlöhne, aber auch die Preise für die in der Fertigung von Schiffen, Lkw und Eisenbahnwaggons benötigten Rohstoffe, steigen weit schneller als die ohnehin derzeit überdurchschnittlich hohe Inflationsrate. Mit jedem transportierten Fertigfahrzeug haben die Spediteure Verlust eingefahren, weil die derzeitigen Belastungsfaktoren in die Frachtverträge nicht eingepreist sind", so der Verband. Folglich sein Investitionen fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Branche, die zunächst von Covid und dann von den Auswirkungen der Rohstoffknappheit im Automobilsektor hart getroffen wurde, hoffe nun auf einen Aufschwung, könne derzeit aber kaum nennenswert investieren.

Weiter haben sich die Charterraten für Frachtschiffe im Seeverkehr für reine Pkw- und Lkw-Transporteure (PCTC) innerhalb von gut einem Jahr verdreifacht, ein sicheres Indiz für knapper gewordene Schiffstonnage. "Anhaltspunkte für ein Ende der Krise sind nicht zu erkennen. Ein niedriger Auftragsbestand für den Bau neuer Schiffe dürfte die Charterraten weiter steigen lassen. Steigende Produktionszahlen der Hersteller von Pkw und Lkw werden den Kapazitätsengpass in der Schiffstonnage noch verstärken. Neue Vorschriften verschärfen die Situation zusätzlich", so der Verband.

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