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Keine Chance den Abbiegeunfällen

Die gängigen Systeme in der Übersicht

Expertengespräch Abbiegeunfälle Foto: Ilona Juengst 25 Bilder

Was Flottenbetreiber gegen Abbiegeunfälle tun können, zeigten Edeka und Bauking beim trans aktuell-Expertengespräch Abbiegeunfälle in München. Gastgeber war das Allianz Zentrum für Technik (AZT).

27.08.2018 Franziska Nieß, Ilona Jüngst

München boomt. Bis zu 35.000 neue Mitbürger kommen jedes Jahr hinzu. Das verknappt nicht nur den Wohnraum, sondern erhöht auch erheblich das Verkehrsaufkommen. „Irgendwann haben wir nicht nur am Morgen und am Abend eine Stauphase, sondern den ganzen Tag“, sagte Sonja Haider, Stadträtin der ÖDP in München, beim trans aktuell- Expertengespräch zur Prävention von Lkw-Abbiegeunfällen in den Räumen des Allianz Zentrums für Technik (AZT).

Natürlich habe die Münchener Stadtverwaltung den Anspruch, Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen und den Radverkehr zu fördern – das Problem sei nur, dass die Leute sich im Radverkehr nicht sicher fühlten. Die Zahlen geben ihnen recht: 2016 gab es laut Haider in der bayerischen Landeshauptstadt 620 Unfälle mit Radfahrern. 157 Schwerverletzte und vier Tote waren zu beklagen. Auch 2018 gab es schon tödliche Unfälle.

Expertengespräch Abbiegeunfälle Allianz-Studie zur Prävention von Unfällen Lkw-Unfälle mit Assistenzsystemen vermeiden

Ghostbikes warnen in München

Vision Zero, also null Unfalltote, ist jetzt das Ziel. Dafür habe der Stadtrat im April ein Verkehrssicherheitskonzept beschlossen, der Maßnahmenplan 2019 werde gerade erstellt. „Ich möchte künftig kein einziges Ghostbike mehr aufstellen müssen“, sagte die Stadträtin. Die weiß gestrichenen Ghostbikes stellt der Kreisverband München des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) seit drei Jahren zur Mahnung an den Unfallstellen auf. Aus der besonderen Gefahrensituation für Radfahrer in München ergäben sich daher auch politische Forderungen, sagte Andreas Groh vom ADFC, allerdings seien die nicht einfach durchzusetzen: „Das politische Mantra in München ist, dass nichts den Kraftverkehr behindern darf.“

Die Unfallstatistik der Polizei zeige, dass Abbiegeunfälle als häufigste Unfallursache für rund 15 Prozent der verletzten Radfahrer verantwortlich seien. Deshalb fordert der ADFC unter anderem eine bauliche Änderung hin zu größeren Kurvenradien, um die Abbiege­geschwindigkeit von Lkw und Autos zu reduzieren. „Das sorglose zügige Abbiegen muss infrage gestellt werden“, sagte Groh.

Mittelfristig wünscht sich der ADFC für Lkw eine Verbesserung der Direktsicht und die Verpflichtung zu einem Abbiegeassistenten inklusive Notbremssystem – „wir können ja nicht alle Kreuzungen umbauen“, sagte Groh. Kurzfristig könnte allerdings die Stadt reagieren, indem sie alle kommunalen Fahrzeuge mit einem Kamerasystem ausstatte und Assistenzsysteme bei kommunalen Ausschreibungen zur Bedingung mache.

ETM Foto: ETM
Kamera- und Assistenzsysteme in der Übersicht

Auf Schulungen und Assistenzsysteme setzen

Freiwillig und aus Überzeugung setzen zum Beispiel der Baustoffhändler Bauking aus Hannover und der Lebensmittelhändler Edeka Südbayern auf Sicherheit durch Schulungen und Assistenzsysteme. Laut Andreas Lüer, Leiter Credit- und Versicherungsmanagement bei Bauking, ist Lkw-Fahrern die Problematik beim Abbiegen sehr wohl bewusst. Allein schon in ihrem Sinne müssten sich Unternehmen im Kampf gegen Abbiege­unfälle engagieren. „Prävention ist Chefsache“, erklärte Lüer. Bauking verbaut in allen neuen Lkw den Abbiegeassistenten von Mercedes-Benz. Für die Ausrüstung der bestehenden Flotte befindet sich das Unternehmen in Gesprächen mit Edeka Südbayern, dort wird seit 2015 ein eigenes System eingebaut.

Aber der Kampf gegen Abbiegeunfälle beschränkt sich für Bauking nicht auf die technische Seite. Mithilfe von Spiegelplanen stellt das Unternehmen mit einem Fuhrpark von rund 200 Nahverkehrs-Lkw die Spiegel korrekt ein, Profi-Fahrertrainer schulen die Lkw-Fahrer. „Jeder Fahrer soll einmal im Jahr ein solches Training durchlaufen“, formuliert Lüer das Ziel. Darüber hinaus weisen Fahrer­trainer von Mercedes die Fahrer einen Tag lang in neue Lkw ein. „Die Fahrer sehen solche Maßnahmen als Entlastung“, erklärte Lüer. Mit am wichtigsten ist ihm allerdings die Aufklärung über die Gefahr, die von abbiegenden Lkw ausgeht: „Wir müssen in den Kindergärten anfangen“, sagte Lüer.

Anton Schnürer über den Unfall und die Folgen Die Tochter beim Lkw-Abbiegeunfall verloren

Edeka liebt Lebensmittel - und Sicherheit

Sie lieben Lebensmittel, und sie lieben Sicherheit: Die Verantwortlichen von Edeka Südbayern haben alle eigenen Lkw mit einem selbst entwickelten System ausgestattet. Anton Klott, Technischer Leiter bei Edeka Südbayern in Gaimersheim, hat für seine Entwicklung nicht nur 2015 den Dekra Safety Award bekommen, sondern auch die volle Unterstützung der Geschäftsleitung, das System auch an Dritte zu vertreiben. „Wir hatten 2015 den ersten serienreifen Abbiegeassistenten auf dem Markt. Heute haben wir bereits 1.500 Stück verbaut, davon 300 im eigenen Unternehmen“, sagte er. Klotts Prämisse für die Entwicklung: Das System soll eine Nachrüstlösung sein, eine vollautomatische und redundante Aktivierung des Fahrers ermöglichen, keine manuelle Abschaltvorrichtung und ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Aktiviert wird das Abbiegesystem von Edeka Südbayern durch die Betätigung des rechten Blinkers, den Lenkeinschlag nach rechts und das Einlegen des Rückwärtsgangs. Eine Kamera zeigt über einen Bildschirm an der rechten A-Säule dem Fahrer den Tote-Winkel-Bereich und den gesamten Bereich neben dem Fahrzeug. Zudem überwachen vier Ultraschallsensoren einen Sensorbereich neben dem Fahrzeug. Entdecken sie ein Hindernis, gibt es eine akustische Warnung sowie eine Distanz­anzeige für den Fahrer. Um die Sicherheit für Radfahrer über das System hinaus zu gewähren, hat Klott zusätzlich Blinklichter am Trailer vorn anbringen lassen. Dadurch sehen Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer, dass ein Abbiegevorgang ansteht.

Den Bausatz mit Montageanleitung vertreibt jetzt der Fahrzeugbauer Wüllhorst, mit dem Klott nach eigenen Angaben bei zahlreichen seiner Ideen zur Verbesserung von Sicherheit und Effizienz zusammenarbeitet. Die Kosten für das System: 645 Euro plus Montagezeit. „Bei diesen Kosten kann es für einen Unternehmer kein Argument mehr geben, dieses Thema nicht mehr nur wirtschaftlich, sondern auch von der Sicherheitsseite zu sehen“, sagte Allianz-Chef-Riskmanager Ralph Feldbauer. Für Edeka Südbayern ist das Committment klar: Das Unternehmen ist Sicherheitspartner der neuen Aktion Abbiegeassistent von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Carsten Nallinger Carsten Nallinger Lkw-Navigation
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