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Jörg Herwig von Hellmann im Interview

„Integrationskraft für die Allianz“

Hellmann Worldwide Logistics Foto: Hellmann Worldwide Logistics

Jörg Herwig von Hellmann über die Vorteile der neu aufgestellten System Alliance Europe, den aktuellen Stückgutmarkt und seine Pläne für den Landverkehr.

trans aktuell: Herr Herwig, wo sehen Sie für das Unternehmen Hellmann den größten Mehrwert in der Neuausrichtung?

Herwig: Die SAE erhält durch die Neuausrichtung die richtige Struktur, um gegenüber dem Markt flexibel und schnell reagieren zu können. Neben der Erweiterung des Partnernetzwerks trägt auch der Einsatz innovativer IT dazu bei, dass die Mitglieder den aktuellen Marktanforderungen noch besser entsprechen können. Gleichzeitig hilft diese wettbewerbsfähige Ausrichtung den Mitgliedern dabei, ihre Europaverkehre flächendeckend auszubauen.

Wie wird Hellmann das Stückgutnetzwerk in Zukunft für sich nutzen?

Als auf Innovationen setzender Logistikdienstleister fokussieren wir uns neben dem konsequenten Ausbau unserer Europaverkehre auch auf die stetige Weiterentwicklung unserer Produktpalette. Gleichzeitig geht es uns auch darum, mit Blick auf die geografische Abdeckung Lücken zu schließen. Mit der Schaffung einer passgenauen Infrastruktur wollen wir nachhaltiges Wachstum für alle Beteiligten ermöglichen.

Mit welchen SAE-Partnern arbeiten Sie bislang zusammen?

Hellmann ist sowohl in Polen, Großbritannien und Spanien als auch in der Türkei selbst SAE-Partner und arbeitet darüber hinaus mit vielen weiteren SAE-Partnern in ganz Europa zusammen. Zum Beispiel mit Gebrüder Weiss, Mainfreight oder Freja, um nur einige zu nennen. Manche SAE-Partner sind tatsächlich erst durch die Zusammenarbeit mit Hellmann in die SAE gekommen. Sie entwickeln zwischenzeitlich ihr Netzwerk in Ländern, in denen Hellmann nicht vertreten ist, auch mit anderen SAE-Partnern weiter. So haben wir neben einer gewissen Strahl- auch eine gute Integrationskraft für die Allianz.

Wie entwickelt sich das Stückgutgeschäft bei Hellmann, und welchen Anteil hat die SAE daran?

Die Entwicklungen der Exportmengen in Europa waren in den letzten 15 Monaten eine enorme Herausforderung für die Stückgutnetzwerke. Im zweiten Quartal 2020 galt es, die Linien trotz starker Rückgänge aufrechtzuerhalten. Danach gab es eine Erholungsphase, und seit Anfang dieses Jahres sehen wir sogar im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 eine extreme Steigerung. Dies spiegelt einerseits auch Nachholeffekte und eine generell starke Nachfrage wider, andererseits zeigen sich hier auch die Erfolge unserer Wachstumsstrategie.

Wo liegen Ihre Wachstumsziele im Stückgutgeschäft mit der SAE?

Wir wollen auch weiterhin deutlich im Europageschäft wachsen und sehen hier große Potenziale, die wir durch unsere eigene Wachstumsstrategie und die zukünftigen Entwicklungen bei der SAE heben werden. Zusätzlich eröffnen wir uns durch die Einbindung des Hellmann-East-Europe-Netzwerks weitere Chancen.

Welchen Stellenwert hat aus Ihrer Sicht die Digitalisierung/Standardisierung der Prozessabläufe über die SAE Plattform Log-IT für die Kooperation?

Die Digitalisierung hat einen sehr großen Stellenwert für die Prozesse in den Stückgutnetzen der heutigen Zeit. Um einen entsprechenden Mehrwert zu schaffen und die Kundenanforderungen abzudecken, müssen Arbeitsschritte mehr und mehr standardisiert und digitalisiert werden.

Sie sind seit März neuer COO Road & Rail von Hellmann. Welche Ziele im Bereich der Landverkehre haben Sie sich gesetzt?

Zuerst einmal muss ich das Unternehmen natürlich weiterhin noch näher kennenlernen, um es in seiner Gesamtheit von der Struktur über die MitarbeiterInnen bin hin zu den detaillierten Prozessabläufen zu durchdringen. Gleichzeitig fokussiere ich mich aktuell schon auf die Weiterentwicklung der Landverkehre in Deutschland und Europa mit besonderem Blick auch auf die Hellmann East Europe (HEE). Dabei geht es mir neben der klaren Ausrichtung auf profitables Wachstum gleichzeitig auch darum, standardisierte Abläufe nachhaltig zu verbessern, um Effizienzen zu heben und bestmöglich auszuschöpfen.

Wie entwickeln sich auf dem europäischen Stückgutmarkt die Sendungsgrößen- und gewichte, etwa im Hinblick auf die Zunahme des B2C-Geschäfts? Welche Herausforderungen bedeutet dies für den Prozess und besonders für die Direktverkehre, etwa im Hinblick auf mehr unpalettierte Sendungen?

Aufgrund der aktuellen durch die Pandemie geprägten Situation hat sich das Kaufverhalten verändert, z.B. beziehen mehr Endverbraucher via Internet ihre Ware direkt beim Produzenten oder Großhändler. Daraus resultiert ein starker Anstieg des B2C-Geschäftes. Dies stellt die operativen Abläufe einer Stückgutspedition vor ganz neue Herausforderungen: Vorgegebene Anlieferzeitfenstern, Belieferungen von Privatpersonen und Wartezeiten gehen zu Lasten der Produktivität und erhöhen so die Kosten im Umschlag sowie in der Zustellung.

Welche B2C-Sendungen sind typischerweise im europäischen Netzwerk unterwegs?

Im Grunde ist alles, was man im Internet bestellen kann, auch aktuell im Netzwerk unterwegs. Das können die derzeit stark nachgefragten Fahrräder sein, aber auch Gartenmöbel und neben weiteren Hobby- und Freizeitartikeln auch Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie z.B. Haushaltsgeräte oder Tierfutter.

Die Zollabfertigungen waren in der Brexit-Übergangszeit vor allem für den Bereich Sammelgut sehr schwierig. Welche Erfahrungen haben die Netzwerkspartner/hat Hellmann gemacht? Welche Hoffnungen verknüpfen Sie mit der Unterzeichnung des neuen Handelsabkommens zwischen Großbritannien und der EU?

Die besondere Herausforderung beim Brexit war sicherlich, dass erst zu Weihnachten Klarheit bestand, wie der Brexit konkret aussehen wird. Wir haben mit unsere Kunden aber bereits vorher über die anstehenden Änderungen gesprochen und darauf hingewiesen, dass mit und ohne Deal Zollformalitäten anfallen werden.Vorbereitend haben wir in den Monaten vor dem Brexit regelmäßige Schulungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen durchgeführt - vom Verkauf über Services, Warenabfertigung bis hin zur Zollabteilung. Durch interne IT-Lösungen waren wir für die gestiegenen administrativen Aufwände gut gewappnet. Zudem haben wir in UK erheblich in den Aufbau von Zollkompetenz und Mitarbeiter für die zusätzlichen Aufwände durch Zollformalitäten und Abfertigungen an den Grenzen investiert. So war Hellmann gut gewappnet und konnte die Verkehre durchgehend aufrecht erhalten, auch wenn die ersten Wochen des Jahres für alle etwas holprig waren.

Sie sind auch neuer Geschäftsführer der Hellmann East Europe (HEE) – welche Ziele haben Sie für den Ausbau der Aktivitäten in Osteuropa?

Ich sehe Osteuropa auch zukünftig als Wachstumsmarkt. Daher werde ich gemeinsam mit meinem Team weiterhin daran arbeiten, unsere Marktanteile hier in allen Ländern nachhaltig zu erhöhen. Wichtig ist mir, die HEE eng anzubinden, um so unsere Stärke konsequent auszubauen und dem Markt zur Verfügung zu stellen – lösungs- und kundenorientiert. Durch die Einführung einer neuen IT werden wir insgesamt digitaler werden. Ein erster Schritt wurde mit der Umstellung in Deutschland gerade vollzogen. So ist zum Beispiel ein Ziel, unseren Kunden durch die Etablierung durchgängiger Track&Trace-Systeme einen spürbaren Mehrwert mit Blick auf die Supplychain-Transparenz zu bieten.

Zur Person

  • Jörg Herwig ist seit dem 1. März 2021 Chief Operating Officer (COO) Road & Rail bei Hellmann. Gleichzeitig wurde er auch zum Geschäftsführer von Hellmann East Europe (HEE) ernannt.

  • Zuvor war er bei Dachser, Kühne + Nagel und DB Schenker tätig. Zuletzt leitete er als Mitglied der Geschäftsführung alle Landverkehrsaktivitäten, insbesondere das Netzwerk von Schenker in Deutschland und der Schweiz.

    Foto: STEFANIE J. STEINDL
    -Jörg Herwig ist seit 1. März 2021 neuer Chief Operating Officer Road & Rail (COO) bei Hellmann.

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