Iveco Stralis im Einsatz

Auto-Obermann setzt auf Erdgas

Iveco Stralis 330 E 6, Truckjob FF 7/2018, Erdgas, Baumaschinen, Tieflader. Foto: Norbert Böwing 12 Bilder

Dieselfahrverbote treffen auch das Speditionsgewerbe. Viele Betriebe rätseln, wie sie Städte noch versorgen sollen. Die Spedition Auto-Obermann hat ihre Lösung gefunden und reagiert mit der Anschaffung eines Iveco Stralis mit Erdgasantrieb.

Im Straßenbild fällt der weiße Iveco Stralis kaum auf. Dass er mit Erdgas (CNG) fährt, fällt erst auf den zweiten Blick auf. Seit mehreren Wochen ist Andre Schmieder nun schon mit ihm unterwegs und liefert Baumaschinen zu Baustellen. Dort bemerken die Arbeiter auch erst bei genauerem Blick doch Unterschiede. "Die Leute freuen sich darüber, dass der Lkw sehr leise ist. Und wenn sie dann lesen, dass er auch noch CO2-neutral fährt, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus", erzählt der 51-Jährige. Schmieder liefert seit 15 Jahren für das Unternehmen aus Mülheim an der Ruhr Baumaschinen in der City aus. Darauf hat sich Auto-Obermann spezialisiert.

Iveco Stralis 330 E 6, Truckjob FF 7/2018, Erdgas, Baumaschinen, Tieflader. Foto: Norbert Böwing
Baumaschinen wie Minibagger und andere Geräte müssen regelmäßig zu Baustellen in die City befördert werden.

"Baustellen gehören mit bis zu 90 Prozent zu unserem Aufgabenbereich."

Hintergrund für die Investition in den alternativen Antrieb ist vor allem, dass Minibagger und andere Geräte oft in Umweltzonen transportiert werden müssen. "Man spürt genau, wie den Firmen das Thema Sonderzonen und damit Fahrverbote unter den Nägeln brennt. Sie haben alle Sorgen, dass es dadurch in Zukunft große Probleme gibt", erklärt Firmenchef Dirk Obermann (49). "Aber mit dem Erdgas-Stralis darf ich überall ausliefern. Diese Technologie könnte also in Zukunft die Existenz von Betrieben sichern." 22 Lkw fahren bei Auto-Obermann im Baumaschinenservice. Die Resonanz der Kunden ist so positiv, dass Obermann schon bald die nächsten mit Erdgas betriebenen Lkw anschaffen will. Dass diese Lkw im Vergleich zu einem herkömmlichen Diesel-Truck in der Regel über eine geringere Reichweite verfügen, stört ihn nicht. Sie sind ja fast ausschließlich im Nahverkehr unterwegs. "Eine CNG-Füllung reicht für etwa 450 Kilometer. Wir fahren ja nur Tagestouren im Großraum Ruhrgebiet, also maximal 350 bis 450 Kilometer. Vielleicht auch mal bis nach Venlo oder bis nach Köln. Am Ende haben wir immer noch Reserven", erzählt Obermann.

Erdgasantrieb in der Praxis

Die Erfahrungen mit dem Erdgasantrieb im Alltag sind gut. Vor allem, weil Obermann seit der Anschaffung des neuen Fahrzeuges immer wieder Kontakte zu Baumaschinenverleihern bekommen hat, die sich vor allem dafür interessieren, ob der Transport auch in Zonen möglich ist, die für klassische Nutzfahrzeuge tabu sind. Denn Verleihstationen konzentrieren sich immer häufiger auf den Vermietbetrieb und lagern die Logistik komplett an Unternehmen wie Auto-Obermann aus. Auch viele Bauunternehmen haben sich dieser Praxis angeschlossen und beauftragten ebenfalls Transportfirmen mit der Durchführung solcher Shuttle-Dienste. "Für uns ist es perfekt, zu unserem Aufgabenbereich gehören viele Dienstleistungen für Kommunen. Und die sind besonders sensibel, wenn es um die Einhaltung von strengen Umweltauflagen geht", bestätigt Auto-Obermann-Kunde Oliver Strathoff von der Mülheimer Firma Tief- und Straßenbau Anton Schön. Aber auch der 24-Stunden-Service, den das Bauunternehmen vorhalten muss, spielt dem Iveco Stralis 330 CNG in die Karten. Die Aufträge führen in Bereiche, die schon jetzt für viele andere Lkw gesperrt sind oder die nur zu bestimmten Uhrzeiten angefahren werden dürfen. "Baustellen dort gehören mit bis zu 90 Prozent zu unserem Aufgabenbereich."

Iveco Stralis 330 E 6, Truckjob FF 7/2018, Erdgas, Baumaschinen, Tieflader. Foto: Norbert Böwing
Ladungssicherung und das Tanken von CNG gehören für Schmieder zum Tagesgeschäft.

"Wir spüren ein sprunghaft gestiegenes Interesse an Erdgas."

Ganz egal, ob es um den Straßenbau, Gehweginstandsetzungen, Wasserbrüche oder auch um Rohrbrüche geht. Da müssen wir jederzeit unsere Technik anliefern können, da wir auch den 24-Stunden-Notdienst für die Kommunen abdecken", erklärt Betriebsleiter Strathoff. Obermanns Erdgas-Iveco ist da, so sagt Strathoff ganz deutlich, "für uns sogar von existenzieller Bedeutung". Wichtig sei vor allem auch, "dass wir uns um dieses Problem kein Kopfzerbrechen mehr machen müssen und uns auf unser Tagesgeschäft kontrollieren können". Den Rest erledigt die Firma Auto-Obermann. Dabei freut sich Fahrer Schmieder vor allem über die kompakten Abmessungen des Iveco Stralis CNG, die im innerstädtischen Einsatz einfach perfekt seien. Lästig sei ihm das Umsteigen auf den Erdgas-Lkw zu keinem Zeitpunkt gewesen, betont Schmieder. Im Gegenteil, er lobt sogar die Spritzigkeit des 26-Tonners, dessen Motor aus 7,8 Liter Hubraum 337 PS schöpft. Lediglich bei der ersten Betankung mit Erdgas an einer Tankstelle in der Nachbarstadt Oberhausen hat er sich ein wenig erschrocken: "Normalerweise steckt man ja den Tankrüssel in den Tank hinein – und es läuft. Aber auf einmal zischte es. Das war ungewohnt, da bin ich erst mal einen halben Schritt zurückgesprungen."

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An der Tanke in Oberhausen ist Schmieder längst nicht mehr der Einzige, der dort einen Lkw mit Erdgas betankt. "Wir spüren ein sprunghaft gestiegenes Interesse an Erdgas", erläutert Jens Steuber von E.ON Gas Mobil. "Das gilt insbesondere für die Lebensmittellogistik und alle Dienste, die regelmäßig in die Innenstädte müssen." Für Auto-Obermann war die Anschaffung des Erdgas-Stralis jedenfalls eine gute Entscheidung, weil sich die positiven Umwelteigenschaften des Lkw mit den Anforderungen von Baumaschinenverleihern und Bauunternehmen decken. Was aber ist mit dem rund 25.000 Euro höheren Anschaffungspreis? "Der Iveco verbraucht auf 100 Kilometer zwischen 20 und 22 Kilogramm Erdgas. Rechnen wird sich die Sache also auf jeden Fall, weil die Kosten für den Kraftstoff CNG geringer sind. Und auch bei der Haltbarkeit der Motoren sehe ich überhaupt kein Problem, weil die Motoren weltweit in großen Flotten laufen", sagt Dirk Obermann. Der größte Pluspunkt in der Praxis aber ist für ihn vor allem die Unabhängigkeit von geltenden und künftigen Bestimmungen für den Verkehr in der Innenstadt.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 08 2018 Titel
FERNFAHRER 08 / 2018
7. Juli 2018
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