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Italien hebt Maut an

Alpentransit über den Brenner wird teurer

Foto: Felix Jacoby

Italien will die Maut auf der Brennerstrecke erhöhen. Das kündigt Anita-Präsident und Fercam-Manager Thomas Baumgartner im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell an

Eine Erhöhung der Maut auf der Brennerstrecke in Italien ist offenbar schon beschlossene Sache. Damit hatte das Land Tirol mit seinem Werben um eine Korridormaut in einem seiner Nachbarländer offenbar Erfolg. Das berichtet Thomas Baumgartner, Präsident des italienischen Transportverbands Anita und Manager beim Logistikunternehmen Fercam, im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell.

trans aktuell: Herr Baumgartner, in Italien steht eine Erhöhung der Maut auf dem Brenner-Korridor offenbar kurz bevor. Was ist der Hintergrund?

Baumgartner: Das ist eine Maßnahme, die zwischen dem österreichischen Bundesland Tirol und Italien vereinbart wurde. Die Tiroler Transitpolitik will so Umwegverkehre über die A 22 stoppen, die eigentlich den kürzesten Weg über die Schweiz hätten. Durch die Schweiz gibt es ja durch die LSVA eine höhere Maut, die bei etwa 300 Euro liegt. Das Land Tirol hat nun darauf hingewirkt, dass Italien die Maut zum Brenner anhebt, damit sich diese Umlagerung nicht mehr rechnet.

Dann sollen die Gebühren gleichauf mit der Schweiz liegen?

Gleichauf wohl nicht, aber so hoch wie möglich. Es gibt ja die europäischen Vorgaben, dass die Maut nur für den Unterhalt der Straßen und die indirekten Kosten dargestellt werden kann. Der Landeshauptmann der autonomen Provinz Bozen Südtirol, Arno Kompatscher, hat dieses Thema aufgenommen. Und da Südtirol und Trentino in Zukunft die Mehrheit an der Autobahngesellschaft halten, haben sie mit dem italienischen Verkehrsminister Danilo Toninelli vereinbart, dass diese Korridormaut eingeführt werden wird.

Foto: Fercam/Helmuth Rier
Thomas Baumgartner, Präsident des italienischen Transportverbands Anita und Gesellschafter beim Logistikunternehmen Fercam.
Das kommt jetzt?

Das kommt. Es fehlen nur noch die formellen Unterschriften. Die A 22 wird im Besitz von allen Provinzen sein, die durchquert werden. Aber Südtirol und Trentino haben die Mehrheit an dieser Gesellschaft und können so Verkehrspolitik machen.

Dafür braucht es keine Genehmigung der EU?

Die Maßnahmen müssen sich im Rahmen der derzeitigen Vignetten-Regelung bewegen, aber die Kalkulationen zu Umweltschäden oder externen Kosten sind ja eine flexible Größe. Wir haben den Vorschlag gemacht, dass ältere Fahrzeuge wie Euro 3 und Euro 4 zur Kasse gebeten werden, während Euro 6 gleich bleiben sollte und alternative Antriebe wie LNG oder Hybrid billiger werden könnten. So würde man auf einen Umstieg auf umweltverträgliche Lkw hinwirken. Wenn Italien die Maut erhöht, müssten aber im Gegenzug in Tirol die Fahrverbote in der Nacht und am Samstagvormittag wegfallen. Es hat ja keinen Sinn, den Verkehr auf einer ohnehin schon überlasteten Autobahn auf noch weniger Stunden zu reduzieren. Ohnehin sind Pkw auf der Brennerachse am Wochenende das größte Problem, auch von der Umweltbelastung her.

Die Mauterhöhung soll aber nur auf italienischer Seite erfolgen?

Ja. Im österreichischen Tirol gibt es ja heute bereits einen Nachttarif für Lkw von sage und schreibe 3,50 Euro pro Kilometer. Wenn man das mit EU-Richtlinien vergleicht, wäre das nie und nimmer erklärbar. Aber das wurde bis jetzt nicht angefochten. Die EU akzeptiert das, um Ruhe zu haben.

Wie sehen Sie die neue Entwicklung?

Zwiespältig. Für den Kombinierten Verkehr ist das kein Nachteil, aber aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das für Italien sehr gefährlich. Rund 70 Prozent der italienischen Exporte gehen nach Europa, davon der größte Teil in den Norden, nach Deutschland, Benelux oder Skandinavien, und alles muss durch Österreich oder die Schweiz. Für Italien ist das eine wichtige Nabelschnur, wenn diese Verbindung behindert wird, schädigt das den italienischen Export.

Das lässt sich auf der Schiene nicht kompensieren?

Heute gehen 50 Millionen Tonnen Güter über den Brenner, davon fast 15 Millionen über die Schiene und 35 Millionen über die Straße. In den nächsten Jahren können wir über den Brenner insgesamt von Zuwächsen von drei bis vier Prozent ausgehen. Wenn wir das hochrechnen, bis vielleicht 2030 der Brenner-Basistunnel fertig ist, sind das 17 Millionen Tonnen an Ware mehr. Wenn heute die Schiene 15 Millionen Tonnen aufnimmt, dann ist selbst mit dem neuen Tunnel die Verdopplung eine Herkulesaufgabe. Die Terminals im Norden und im Süden sind ja schon jetzt völlig überfordert. Dazu noch eine Verlagerung von der Straße ins Auge zu fassen – das kann man vergessen.

Zur Person

  • Thomas Baumgartner ist seit 2014 Präsident des italienischen Straßentransportverbandes Anita (Associazione Nazionale Imprese Trasporti Automobilistici).
  • 1981 übernahm er die Geschäfte des Logistikunternehmens Fercam von seinem Vater Eduard Baumgartner, seit Februar 2017 ist mit Hannes Baumgartner die dritte Generation am Ruder.
  • Fercam mit Sitz in Bozen gehört zu den größten Logistikunternehmen Italiens. 2.100 Mitarbeiter setzten 2018 mehr als 800 Millionen Euro um. Fercam verfügt über 93 Niederlassungen, 3.350 Ladeeinheiten und 1,2 Millionen Quadratmeter Logistikfläche.
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