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Interview mit Fiata-Präsident Dr. Ivan Petrov Multimodalität als Schlüssellösung

Lieferketten Shutter B - stock.adobe.com Foto: Shutter B - stock.adobe.com

Stärker und widerstandsfähiger werden – Fiata-Präsident Dr. Ivan Petrov zu den Herausforderungen bei den Lieferketten.

trans aktuell: Herr Dr. Petrov, die Transportbranche steht vor großen Herausforderungen. Nach der Covid-19-Pandemie belastet nun auch der Ukraine-Krieg den gesamten Logistiksektor. Wie nachhaltig wird sich das auf die Lieferketten und -beziehungen auswirken?

Dr. Petrov: Der Logistiksektor ist nicht nur mit den genannten Krisen konfrontiert. Denn durch den Krieg an den ukrainischen Grenzen ist vor allem der osteuropäische Korridor stark betroffen, ebenso wie der Luftraum um die betroffenen Regionen. Die Befürchtung, dass es zu Engpässen bei der Lieferung von Lebensmitteln und Treibstoff kommen könnte, war bisher das größte Problem, besonders im Straßenverkehr. Die langfristigen Auswirkungen sollten aber als Chance für die Speditionsbranche gesehen werden, sich anzupassen. Denn wenn wir uns jetzt auf solche Probleme in der Lieferkette einstellen, werden wir langfristig stärker und widerstandsfähiger.

Unabhängig von der aktuellen politischen Situation ist wohl eine der größten Herausforderung für Spediteure die Digitalisierung. Wie schätzen Sie den gegenwärtigen Entwicklungsstand ein und was muss dringend unternommen werden, um diesen Prozess zu forcieren?

Die Digitalisierung wird tatsächlich von einigen Spediteuren als die größte Herausforderung angesehen. Aber mit einer globalen Zusammenarbeit, der Bereitschaft der Behörden, den Rechtsrahmen anzupassen, und dem Willen, voranzukommen, können wir die erste Hürde der Umsetzung überwinden. Ich sage es ganz klar: Es braucht Pioniere in der Branche, um den ersten Schritt zu gehen.

Dr. Ivan Petrov ist Präsident der Dachorganisation der nationalen Speditionsverbände Fiata (International Federation of Freight Forwarders Associations). Foto: Gabriele Schadewald
Dr. Ivan Petrov ist Präsident der Dachorganisation der nationalen Speditionsverbände Fiata (International Federation of Freight Forwarders Associations).
Es herrscht nicht nur ein Mangel an Berufskraftfahrern. Auch in anderen Logistikbereichen fehlt es an Fachkräften. Macht Ihnen das Sorge?

Die künftigen Generationen unseres Logistiksektors erfordern unsere absolute Aufmerksamkeit, Zeit und Investitionen. Ohne sie gehen wir einen leeren Weg entlang. Die Fiata hat viele Ressourcen eingesetzt, um den Sektor attraktiver zu machen. Außerdem arbeiten wir mit Partnern wie der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation und dem TT Club zusammen, um sicherzustellen, dass die richtigen Instrumente vorhanden sind, um die nächsten Arbeitskräfte heranzuziehen. Unsser Young Logistics Professional Award soll junge Logistikfachleute dazu ermutigen, in die Branche einzusteigen. Und er hat bisher erfolgreich dazu beigetragen, hochkarätige junge angehende Logistiker zu finden, die schnell von Logistikunternehmen übernommen wurden.

Der Straßengüterverkehr ist ja nur einer der Verkehrsträger, wenn auch der stärkste. Wie schätzen Sie die Perspektiven für die anderen Verkehrsträger ein?

Multimodalität ist der absolute Schlüssel zur Lösung von Problemen in der Lieferkette. Es gibt keinen Verkehrsträger, der die Last allein tragen kann. Wie wir während der Pandemie gesehen haben, können wir uns nicht auf einen oder auch nur auf zwei Verkehrsträger verlassen, um den weltweiten Bedarf an Waren zu decken. Wie in Europa und dem osteuropäischen Korridor zu sehen war, stand der Straßenverkehr während und nach der Pandemie vor vielen Herausforderungen. Aufgrund der Covid-19-Testanforderungen konnten Lkw-Fahrer die Grenzen nicht überqueren. Und während sie warten mussten und schließlich doch noch passieren konnten, waren sie schrecklichen Bedingungen ausgesetzt. Andere Verkehrsträger mussten einspringen und die Last tragen. Auch als der Suezkanal blockiert war und viele chinesische Häfen geschlossen waren, wurden andere Verkehrsträger dringend benötigt, um während des Rückstaus zu helfen.

Die Fiata besteht seit 96 Jahren. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Arbeit Ihrer Organisation?

Die Fiata hat eine lange Geschichte, die am 30. Mai 1926 begann. Der Verband wurde mit dem französischen Namen Fédération Internationale des Associations de Transitaires et Assimilés gegründet, von dem wir die Abkürzung Fiata übernommen haben. Die Arbeit der Fiata begann weitgehend als Dachorganisation mit verwaltenden Aufgaben, die sich dann zu weiterführenden Dienstleistungen wie Digitalisierung von Handelsdokumenten und Lobbyarbeit entwickelten. Weiterhin ist es unsere oberste Priorität, die globale Stimme der Frachtlogistik zu sein. Und ich glaube, dass unsere Stimme im Laufe der Geschichte des Verbandes lauter geworden ist, da wir die Prozesse optimiert und verbessert haben – und dies auch weiterhin tun werden. Wir setzen uns für die Speditionsbranche ein. Und als Organisation mit erfahrenen Logistikern an der Spitze und einem hochqualifizierten Sekretariat sind wir davon überzeugt, dass wir über die richtigen Leute verfügen, um uns voranzubringen.

Wie sehen Sie die Perspektive für die Fiata und deren Mitglieder?

Zu der Schlüsselrolle unserer Mitglieder gehört nicht nur der Logistiksektor. Sondern es geht auch um die Weltwirtschaft und das allgemeine Wohl. Dies bleibt ein wichtiger Aspekt für das Wachstum des Sektors. Die von uns geleistete politische Arbeit, die Optimierung von Handelsdokumenten und die Digitalisierung als solche werden vielen unserer Mitgliedern helfen, auf den Märkten Fuß zu fassen. Und diejenigen, die bereits auf dem Markt sind, können weiterwachsen und sich entwickeln. Schließlich geht es darum, Milliarden von Menschen zu ernähren, lebensrettende Medikamente und Technologien bereitzustellen und sogar die Nachhaltigkeit der täglichen Arbeit zu verbessern. Dies sind die wichtigsten Punkte, die im Laufe der Jahre angegangen wurden. Und sie bleiben die wichtigsten Aufgaben. Der Ausbau und die Verbesserung dieser Aufgaben werden auf dem Weg zum 100. Jahr der Föderation von zentraler Bedeutung sein.

Was wollen Sie während Ihrer Präsidentschaft erreichen? Was sind Ihre nächsten Aufgaben?

Für mich gibt es drei Schwerpunkte: die Digitalisierung, die maritime Krise und die neuen Herausforderungen und Chancen, die sich daraus ergeben. Ich würde gern nach meiner Präsidentschaft zurückblicken, um zu sehen, dass ich zu diesen Aufgaben so gut wie möglich beigetragen habe und in der Lage sein, diese „schwere Amtskette“, wie es der ehemalige Präsident Basil Pietersen ausdrückte, leichter weiterzugeben, als ich sie übernommen habe. Ich glaube, dass es das Ziel eines jeden Präsidenten ist, dies zu erreichen. Und ich werde mich diesem Ziel mit ganzem Herzen widmen.

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