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Interview mit Daimler-Buses-Chef Schick

"Der beste Elektro-Bus, den es derzeit gibt"

Foto: Thorsten Wagner

Zum 1. April übernimmt Hartmut Schick, bisheriger Leiter von Daimler Buses, die Geschäfte von Daimler Trucks Asia. Bevor er sein Amt als Bus-Chef in diesem Zuge an Till Oberwörder übergibt, konnte lastauto omnibus-Autor Thorsten Wagner ihn noch einmal interviewen.

27.03.2018 Thorsten Wagner
Mit welchen Gefühlen übergeben Sie die Staffel an Ihren Nachfolger Till Oberwörder? Und was waren die inhaltlichen Highlights Ihrer Amtszeit?

Ich kenne Till Oberwörder seit vielen Jahren und er hat ja bereits im Busvertrieb ausführliche Erfahrungen gesammelt. Daher bin ich sehr froh, meine Position an Ihn übergeben zu können. Wenn ich auf die neun Jahre bei Daimler Buses zurückblicke, dann fallen mir Stichworte ein wie die Euro VI-Einführung in Europa mit Vorstellung einer komplett neuen Stadtbusbaureihe und einer neuen Reisebusgeneration – oder die Euro V-Einführung in Brasilien. Da ist man einfach sehr stolz, was die Mannschaften auf die Straße gebracht haben. Als Chef entscheidet man vieles, aber man ist auf die 18.000 Mitarbeiter angewiesen, die es dann auch realisieren.

Ist der elektrische Citaro sowas wie die Krönung Ihrer Karriere?

Ja, der erste vollelektrische Bus von Mercedes ist natürlich etwas ganz Besonderes. Ich habe diesbezüglich immer vor dem gesamten Team betont, dass wir ein fertig entwickeltes Fahrzeug auf die Straße bringen werden, und nicht einen Prototypen, der gerade in Finnland seine Runden dreht. Im Hintergrund haben alle mit Hochdruck daran gearbeitet, und ich denke, was wir hier heute sehen ist der beste elektrische Bus, den es derzeit gibt.

Welche Schritte haben Sie konkret unternommen, um weg vom Image als reiner Fahrzeugbauer zu kommen, hin zum integrierten Mobilitätsanbieter?

Generell ist der Trend zu neuen Mobilitätsdienstleistungen massiv dadurch gepusht worden, dass uns heute Konnektivität und mehr Rechenleistung zur Verfügung steht. Vor fünf Jahren noch wäre das alles kaum denkbar gewesen. Unser Ansatz war, in dieser neuen Mobilitäts-Welt mehr Ideen in Betracht zu ziehen, die von unseren Kunden, Fahrgästen oder Fahrern kommen. „Wo liegen die Herausforderungen unserer Klientel, was können wir noch besser machen?“ Das ist ein Grund, warum heute unsere Busse vernetzt sind, Stichwort Omniplus Uptime, oder die Einführung neuer Apps, zum Beispiel mit Services für Fahrer. Wir werden mit diesen neuen Dienstleistungen die Effizienz nochmal deutlich steigern und auch die Standzeiten massiv verringern. Und die neuen Teams, die wir gegründet haben rund um Mobility Solutions oder eMobility Consulting, die Kollegen denken und arbeiten in dem gleichen schnellen Takt immer im Sinne unserer Kunden. Auch die Zusammenarbeit mit den Truck-Kollegen ist hier von großer Bedeutung, da es sich oft um die gleichen digitalen Plattformen handelt, die gegebenenfalls auch gemeinsam genutzt werden können.

Wie geht es denn weiter in Sachen freiwilliger Nachrüstung von Euro 4- und 5-Bussen? Warum bieten Sie hier immer noch nichts an?

Wir sind vor drei Jahren bei unseren Kunden, den Betreibern in die Offensive gegangen und haben ihnen Nachrüstsysteme inklusive einer Hardwarelösung für Euro VI angeboten. Das Projekt ging dann aufgrund der geringen Nachfrage nicht in die Serienentwicklung. Zudem stellt sich immer noch die Frage, wem es etwas nützt, wenn ein nachgerüsteter Euro V-Bus dann mehr CO2 emittiert. Unser Ansatz ist, alle drei Themen gesamthaft zu betrachten: CO2, Stickoxide und Partikel. Und bei einem Flottenalter von rund sieben Jahren ist die Umstellung auf moderne Euro VI-Technik aus unserer Sicht einfach das Sinnvollste. Kurzum: Es gibt zwar technische Möglichkeiten einer Nachrüstlösung, aber eine 100 Prozent Euro VI Lösung wie es heutige Omnibusse mit modernster Spitzentechnologie erreichen, wird es damit nicht geben. Wir bieten neben unseren bereits sehr effizienten Euro VI Omnibussen aber auch Fahrzeuge an, die noch weiter gehen und Ökologie und Wirtschaftlichkeit heute optimal miteinander verbinden – wie zum Beispiel unser breites Angebot an Euro VI-Hybridbussen.

... und langfristig die Brennstoffzelle? Van Hool verkauft erstmals solche Busse für deutlich unter einer Million Euro. Wann dürfen wir das von Daimler erwarten?

Ich bin auch persönlich – und das nicht nur, weil ich nach Japan gehen werde – sehr offen für die Brennstoffzellen-Technologie. Ich glaube auch, in einer Welt, in der sich gerade sehr viel ändert, müssen wir diesen Pfad auf jeden Fall im Blick haben. Die Preise anderer Anbieter kann und will ich nicht kommentieren. Sie können aber sicher sein, dass Mercedes-Benz als Marktführer auch marktgerechte Preise aufruft. Und haben Sie noch ein wenig Geduld, was unsere Gedanken zur Brennstoffzellentechnologie angeht.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Anlauf des neuen Tourismo?

Wir haben uns viel vorgenommen mit dem Produktionsanlauf. Wir können alle Bedarfe der Kunden bedienen, und ich habe ein sehr gutes Gefühl. Der Vorgänger war ja immerhin unser Bestseller im Business-Segment, und viele Kunden haben ganz dezidiert auf den neuen Wagen gewartet.

Was geben Sie Herrn Oberwörder heute als Ratschlag mit auf den Weg?

Er soll das machen, was er für Daimler Buses für richtig hält, er bringt viel Erfahrung im Vertrieb von Daimler Buses mit. Ein neuer Mann am Steuer hat neue Ideen, und die muss er umsetzen.

Vielen Dank Herr Schick und viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe für Daimler Trucks in Asien!

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