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Dachser CEO-Bernhard Simon

Fahrerausbildung bleibt im Fokus

Foto: Dachser

Technologien intelligent nutzen und gleichzeitig die Ausbildung von Berufskraftfahrern vorantreiben - für Bernhard Simon, CEO von Dachser, ist beides eine Notwendigkeit.

trans aktuell: Herr Simon, im vergangenen Jahr hat Dachser die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut im Rahmen eines Enterprise Labs aufgenommen. Um welche Themen geht es dabei?

Simon: Die gemeinsame Forschung startete im Oktober und ist langfristig angelegt. In einem Teilbereich beschäftigen wir uns mit dem Thema Track & Trace und arbeiten daran, unsere eigenen Wechselbrücken und Ladegefäße in Echtzeit orten zu können. Wir verknüpfen schon lange über Barcodes Paletten mit den Ladegefäßen und erforschen nun, das in Zukunft mit weiteren Positionsdaten zu ergänzen. Das Enterprise Lab sucht nach neuen Technologien und Anwendungen, die es unseren Mitarbeiter noch leichter machen, die Gefäße auf dem Gelände der Niederlassung, aber auch außerhalb, exakt zu lokalisieren. Wir wollen ergründen, welche Technologien, oder besser: Kombinationen von Technologien, für uns sinnvoll sind.

Und die Nutzung von Big Data?

Wir haben Millionen, wenn nicht gar Milliarden Datensätze unserer Sendungen aus den vergangenen Jahren. Jetzt gilt es zu untersuchen, wie man diese Daten sinnvoll nutzen kann. Zum Beispiel, indem man nach und nach Korrelationen sucht und Algorithmen entwickelt, mit denen man bestimmte Verhaltensweisen berechnen kann. Oder indem man sie mit öffentlich verfügbaren Daten, wie Bestell-, Aktions- oder Wetterdaten, kombiniert. Mit einer Prognose, wie sich an einem bestimmten Tag die Verkehrsströme entwickeln werden, können die Daten dabei helfen, Lösungen für die immer knapper werdende Ressource Straße zu finden. Und dann gilt es, Entscheidungsprozesse, die sich aus den Daten ergeben, mit den physischen Abläufen zu kombinieren.

Andere Wettbewerber schauen sich bei Logistik 4.0 und beim 3D-Druck um …

Dazu kann ich nur eines sagen: Für den 3D-Druck gibt es bisher keine maßgebliche Lösung, wie er signifikant in die Supply Chain eingebaut werden könnte. Sicher, es gibt schon vereinzelt Ansätze, den 3D-Druck im Ersatzteilgeschäft für C- oder D-Artikel zu verwenden. Aber dass sich die Spielregeln in der Logistik verändern – das sehen wir im Moment nicht.

Ist der Einsatz modernster Technologien auch ein Pluspunkt bei der Suche nach neuen Mitarbeitern?

Die Themen sind nicht neu, sie haben ein neues Kleid. Wichtig ist, dass man als Unternehmen heute ein Employer Branding entwickelt, dass wir unsere Aufgabe richtig darstellen und zeigen können, dass unsere Branche mehr beinhaltet als den reinen Transport. Weil nun mal manche Medien und auch die Politiker nicht davon ablassen können, die Branche immer wieder in einem schlechten Licht zu zeigen, müssen wir auch weiterhin gegen das schlechte Image arbeiten. Logistik bleibt also weiter ein erklärungsbedürftiges Geschäft, sowohl gegenüber den Kunden als auch gegenüber der Öffentlichkeit.

Aber mit den digitalen Themen wird die Branche vielleicht auch attraktiver für den Nachwuchs?

Wer eine Vorliebe für digitale Themen hat, ist bei uns gut aufgehoben. Wichtig ist aber, dass man sich das nicht nur oberflächlich betrachtet, sondern auch verstehen will, was sich darunter verbirgt. Das geht aber nur, wenn man den Beruf beherrscht.

Was bedeutet das für Arbeitgeber?

Als Arbeitgeber muss man sich heute jedenfalls intensiver denn je mit den jungen Leuten beschäftigen und noch mehr Zeit investieren. Wir müssen den Auszubildenden Wissen vermittelnde Jobs geben, ihnen auch Verantwortung übertragen, ihnen aufzeigen, wie sie weiterkommen können. Aber es kommt auch auf die Eigeninitiative an. Bei uns gibt es keine geschlossenen Türen, aber durch die offene Tür müssen die jungen Leute schon selbst treten. Und das gilt nicht nur für uns, sondern im Besonderen auch für mittelständische Unternehmen. Kurz, es ist nicht schlechter geworden, sondern anders. Ich jedenfalls freue mich, wenn ich mich mit unseren Auszubildenden austausche.

Dachser hat nur wenig eigene Fahrer, bildet sie aber für seine Transportunternehmer aus. Wo werben Sie die Kandidaten an?

Das machen zum einen die Fuhrunternehmen selbst und verweisen sie dann an uns. Wir gehen aber auch selbst in Schulen und auf Ausbildungsmessen und suchen den Kontakt mit den jungen Leuten, sind auf Youtube und allen anderen Kanälen, die auch von der Jugend genutzt werden, und sind vor allem mit unseren Niederlassungen auch kommunal und regional aktiv. Zudem werben wir nicht nur junge Fahrer an, sondern auch Umsteiger, die von den Arbeitsagenturen vermittelt werden.

Fahrergewinnung ist das eine – Unternehmen haben aber auch Schwierigkeiten, Fahrer zu halten. Wie geht es da den Partnern von Dachser?

Natürlich achten wir bei der Zusammenarbeit auch darauf, mit welchen Fuhrunternehmen wir zusammenarbeiten. Die Unternehmen müssen sich, um Fahrer zu binden, nicht nur ein entsprechendes Vergütungssystem überlegen, denn es gibt darüber hinaus auch andere, ebenso wichtige Faktoren, um einen Fahrer langfristig ans Unternehmen zu binden. Dazu zählen die Wertschätzung seiner Arbeit oder auch die Berechenbarkeit seiner Arbeitszeiten. In allen unseren Niederlassungen gibt es dafür einen Fuhrparkmanager, der sich um die Fahrer kümmert.

Und gerade im Bereich Lebensmittellogistik ist Wertschätzung ein Thema – Stichwort sind die Rampenprobleme.

Ja, das Thema Rampe ist der absolute Dauerbrenner. Wir werden hier auch weiter streitbar sein und uns für gute Lösungen einsetzen – es kann nicht sein, dass an der Rampe der ganze Prozess der Supply Chain aufhört.

Ganz anderes Thema: Dachser bietet jetzt ebenfalls eine Bahnverbindung von China nach Deutschland an.

Von China nach Deutschland und vice versa. Die Route via der Neuen Seidenstraße ist eine gute Ergänzung zur Luft- und Seefracht. Ganz klar – dieses Produkt wird die Seefracht nicht ersetzen, dafür sind die Kapazitäten nicht da. Aber als Alternativprodukt macht es Sinn – ein bisschen schneller als Seefracht, nicht ganz so teuer wie Luftfracht. Wir sehen hier vor allem eine steigende Kundennachfrage für den Transport höherwertiger Güter.

ZUR PERSON

Bernhard Simon, Jahrgang 1960, ist Vorstandsvorsitzender (CEO) des Logistikdienstleisters Dachser. An der Firmen­spitze steht er als Sprecher der Geschäftsführung seit 2005.
Nach Abi und Ausbildung bei Dachser studierte der Enkel von Firmengründer Thomas Dachser BWL an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg. Danach absolvierte er
ein Senior-Executive-Programm in Harvard/USA.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
TA 11 2018 Titel
trans aktuell 11 / 2018
18. Mai 2018
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