Internationaler Presseworkshop des VDA

Der Wandel im Fokus

Foto: Mario P. Rodrigues

Im Vorfeld der IAA Nutzfahrzeuge 2018 lädt der Verband der Automobilindustrie (VDA) einmal mehr zum Presseworkshop mit den Größen der europäischen Nutzfahrzeughersteller. Dabei wird schnell klar: In den Chefetagen möchte man den Wandel im Transportsegment aktiv mitgestalten.

Der neue VDA-Präsident Bernhard Mattes schaut vom Tagungsraum des internationalen Presseworkshops in Frankfurt am Main zu Beginn gleich in die Welt – und betont die positiven Aussichten für die Industrie. Die Märkte entwickeln sich gut, „wir haben Rückenwind.“

Natürlich aber hat er auch eine Botschaft in Richtung der Politik – Zölle lehnt der VDA strikt ab. Statt protektionistischer Maßnahmen fordert Mattes die offene Kommunikation. Zu begrüßen sei sowohl das VECTO-Tool, das Transparenz über den Verbrauch der Fahrzeuge im Markt bringt, als auch eine CO2-basierte Maut. Die CO2-Reduktionsziele der europäischen Kommission seien dagegen überzogen. Die Strafzahlungen bei einer Verfehlung dieser Ziele seien dazu exorbitant hoch. Auch die Vorschläge bezüglich des zweiten Mobilitätspakets vom 8. November 2017 sehe man kritisch. Das Ziel, den CO2-Ausstoß leichter Nutzfahrzeuge bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren, sei „nicht realistisch“. Im leichten Nutzfahrzeug würden neue Technologien meist erst dann eingeführt, wenn sie sich im Pkw durchgesetzt haben. Mit der Übertragung der CO2-Ziele von den Pkw hin zu den leichten Nutzfahrzeugen mache es sich Brüssel zu leicht.

Auch die aktuelle Dieselproblematik lässt Mattes nicht unkommentiert. Schwere Nutzfahrzeuge mit ihren Dieselantrieben seien zu Unrecht in den Sog der Diskussionen geraten. Sie bieten modernste Technologie, unabhängige Untersuchungen bestätigten die guten Abgaswerte. „Moderne Diesel sind sauber,“ so Mattes.

Renschler: Alle Stakeholder sind gefordert

Andreas Renschler, CEO von Volkswagen Truck & Bus, betont in seinem Vortrag einmal mehr, dass das Transportgeschäft noch nie so spannend war wie heute. „Eine ganze Reihe von Entwicklungen ist dabei, unsere Welt, unsere Wirtschaft und unser Zusammenleben fundamental zu ändern,“ so Renschler. Das Transportaufkommen steige und steige und steige. Man brauche massive Investitionen in die Infrastruktur. Außerdem fordere der Klimawandel ein radikales Umdenken. Renschler macht klar: „Alle Stakeholder im Straßengüterverkehr sind gefordert.“ Die Digitalisierung eröffne dabei ungeahnte Möglichkeiten. Es gehe nicht nur um den modernen Antrieb oder eine angepasste Kabine. „Es geht darum, wie wir alle zusammen das Transportökosystem neu denken.“

Im Schwerlastbereich und auf Langstrecken werde man auf Sicht wohl nur wenige E-Trucks erleben, dafür seien Elektro-Fahrzeuge im immer dichteren urbanen Verkehr und bei Stadtbussen im Kommen. „Die Veränderungen sind zu komplex, als das wir einen neuen „One size fits it all“-Ansatz erwarten dürfen,“ erklärt der VW Truck & Bus CEO. Die Möglichkeiten von E-Fuels beispielsweise seien faszinierend, man arbeite intensiv an derartigen Lösungen. Doch eine politische Unterstützung fehle noch. Verlässliche Rahmenbedingungen seien im Interesse der Kunden und deren Kunden. „Wir brauchen mehr als aufgezwängte Grenzwerte,“ so Renschler. Gefallen findet er an der Offenheit für neue Technologien des Bundesverkehrsministers. „Hoffen wir, dass er auch bei den CO2-Zielen das richtige Augenmaß behält.“

Daum: Level 2 des automatisierten Fahrens bald in Serie

Martin Daum, CEO von Daimler Trucks & Buses, kann sich einen Seitenhieb auf so manchen neuen Player, der bisher nur mit großen Ankündigungen von sich reden machte, nicht verkneifen. Daimler dagegen arbeite nach dem Motto: „Eine gute Lösung ist immer besser als eine schnelle Lösung.“ Mit Echtzeitdaten mache man die Lkw noch leistungsfähiger – und zwar im hier und heute. Er sei stolz, dass Daimler Trucks & Buses dazu ein breites Angebot an elektrischen Lkw und Bussen bieten könne. Die Elektrifizierung der Langstrecke bleibe aber eine Herausforderung.

Mit dem automatisierten Lkw dann mache man den Transport sicherer und effizienter – und das schon sehr bald. „Wir sind auf dem Weg zum autonomen Fahren schon ein gutes Stück vorangekommen,“ so Daum. Dabei mache man es sich nicht leicht, man habe eine große Verantwortung, die man sehr ernst nehme. Daimler Trucks & Buses bringe nur neue Technologien auf den Markt, die ausgiebig erprobt und getestet wurden. Das Level 2 des automatisierten Fahrens, bei dem man die automatisierte Längs- und Quersteuerung des Fahrzeugs – also das Beschleunigen, Bremsen und Lenken – miteinander verknüpft, könne man schon sehr bald zur Serienreife bringen. „Mehr möchte ich dazu jetzt noch nicht sagen, haben Sie etwas Geduld.“

Podiumsdiskussion: CO2-Regulation in der Kritik

In der anschließenden Podiumsdiskussion geht Martin Daum noch einmal auf die geplanten CO2-Grenzwerte der EU ein. Er kritisiert den Strafenkatalog als „willkürlich“, bei minimalen Verfehlungen seien schon exorbitante Summen fällig. Das Regelwerk sei mit vielen praxisfremden Lösungen versehen, außerdem stehe noch nicht einmal die Baseline, auf deren Grundlage die Industrie bis 2025 15 Prozent an CO2-Einsparungen realisieren müsse. Man benötige auch Investitionen in die Infrastruktur, so Daum. „Der größte CO2-Produzent ist der Stau.“ Andreas Renschler ist sich sicher, dass die Transportkosten durch die „falsch verstandene Regulationswut“ steigen werden. Der beste Regulator aber sei der Kunde, denn ein niedrigerer CO2-Ausstoß würde automatisch zu geringeren Kosten führen. „Ich vermisse zum Teil einen normalen Blick auf die Dinge,“ so Renschler.

Andreas Schmitz, Vorsitzender des Vorstands der Schmitz Cargobull AG, betont, dass das Feld der CO2-Einsparungen größer gespannt werden müsse. Die Telematik laste die Trailer besser aus, außerdem würden sie leichter und böten so eine höhere Nutzlast – das hätte eine höhere Effizienz zur Folge. „Der Kunde fordert das ohnehin, der Markt reguliert das.“ Schmitz Cargobull müsse dem Kunden nicht nur die Daten des Trailers zur Verfügung stellen, sondern auch Informationen zu den Gütern, die er transportiert. Das mache die Logistik noch effizienter. „Kosten reduzieren heißt in unserem Bereich auch immer CO2 reduzieren,“ erklärt Schmitz. Ein weiterer guter Ansatz, um die CO2-Emissionen von heute auf morgen um circa 20 Prozent zu reduzieren, wäre der Lang-Lkw. „Leider spielt da die Politik aber nicht mit.“ Martin Daum und Andreas Renschler betonen ihre Unterstützung. Der Lang-Lkw ist ein „effektiver Weg, CO2 einzusparen,“ so Daum. Renschler verweist auf das Konzept zum Lang-Lkw, das Volkswagen Truck & Bus schon 2006 auf der IAA Nutzfahrzeuge präsentiert hat. „Das ist jetzt zwölf Jahre her,“ sagt Renschler. „Wir brauchen eine Initiative zwischen den Hersteller, den Kunden und der Politik, um einen Transport zur Verfügung zu stellen, der uns Wirtschaftswachstum garantiert.“ Der Transport wird als negativ wahrgenommen – davon müsse man weg.

Dr. Micha Lege, Geschäftsführender Gesellschafter der Wiedmann & Winz GmbH, hat eine komplett digitalisierte Transportkette zum Ziel. „Wir brauchen den smarten Trailer, müssen jederzeit wissen, was er transportiert.“ So könne man kurzfristig weitere Ladung aufnehmen. Die Digitalisierung biete die Chance, Leerkilometer zu reduzieren – und das hänge eng mit einer Reduktion von CO2 zusammen. Lege beklagt zudem den Fahrermangel, auch aus diesem Grund brauche man den autonomen Truck. Auf die Frage, ob diese Entwicklung Jobs kosten würde, antwortete der Geschäftsführende Gesellschafter der Wiedmann & Winz GmbH mit einem eingängigen Vergleich: „Wir fliegen seit 40 Jahren mit Autopilot – keiner braucht sich Sorgen um seinen Job zu machen.“

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