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International Bus Competition 2018

So wird getestet!

IBC 2018 Foto: Richard Kienberger 60 Bilder

Bald ist es soweit und die Ergebnisse der International Bus Competition 2018 werden erstmals in lastauto omnibus (Heft 9/2018) veröffentlicht. In der zweiten Folge unserer Serie erklären wir, wie der Test konkret vonstatten geht.

25.07.2018 Thorsten Wagner

Der IBC ist seit rund zehn Jahren der härteste internationale Bus-Vergleichstest in Europa, und lastauto omnibus ist 2018 erstmals mit dabei! Drei Reisebusse der 13 Meter-Klasse – Irizar i6S, MAN Lion’s Coach C und Mercedes-Benz Tourismo M/2 – treten gegeneinander an und kämpfen um die begehrte Trophäe.

Der Test setzt sich aus mehreren Disziplinen zusammen, die akribisch von einem Tester- und Expertenteam durchgeführt und ausgewertet werden. Dazu gehören statische, dynamische und Fahrtests genauso wie eine Begutachtung der Fahrzeuge in der Grube, um Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit fachmännisch zu erfassen. Darüber hinaus werden Gebrauchtwagen- und Ersatzteilpreise berücksichtigt. Die Ergebnisse werden jeweils bewertet und in einer Punkteskala mit maximal 2.000 Punkten verarbeitet – der Gewinner erreicht rund 1.700 Punkte, soviel sei an dieser Stelle bereits verraten (die konkreten Ergebnisse werden in Heft 9 am 11. August veröffentlicht, die Preisverleihung erfolgt auf der IAA Nutzfahrzeuge). Aber gehen wir ins Detail.

Wedeln und Beschleunigen auf dem Testgelände

Schon bei der Vorbereitung geht es akribisch zu. Alle Busse werden mit Wasserpuppen und Sandsäcken mit einer einheitlichen Zuladung von 4.800 Kilo versehen. So können konstruktiv leichtere Fahrzeuge ihren Vorteil ausspielen. Nachgeprüft wird das Startgewicht natürlich auf der Waage. Die möglichst einheitliche Sommer-Bereifung von Goodyear (Marathon Coach in der Dimension 295/80 R 22,5 für Irizar und Mercedes-Benz sowie KMAX in der Dimension 315/70 R 22,5 für MAN) für alle Busse gehört ebenso zum guten Ton wie die Überprüfung des Reifendrucks durch die Experten vom Hersteller. Als letzter Akt der Vorbereitung werden alle Fahrzeuge an der gleichen Zapfsäule vollgetankt, der Standpunkt der Busse wegen etwaiger Schräglagen markiert. Temperaturunterschiede bei der Start- und Endbetankung werden erfasst und herausgerechnet. Die eigens verbauten Kraftstoff-Durchflussmessgeräte, die den Verbrauch auf den Zehntelliter erfassen, sind geeicht und werden nochmals vor der Testfahrt mit dem DTCO abgeglichen, um die korrekte Höchstgeschwindigkeit zu garantieren.

Der erste Tag ist sodann für die statischen und dynamischen Messungen auf dem Testgelände von "FAKT Motion" auf dem ehemaligen Flugplatz in Memmingen reserviert. Die Fahrzeuge werden akribisch unter die Lupe genommen, alle Details und Maße werden notiert. Parallel dazu werden dynamische Fahr- und Bremsversuche auf der vierspurigen Strecke mit Wendeschleife und Schleuderstrecke nach den Kriterien der "homogeneity flatness" unternommen. Mit fünf Bremsungen aus 80 km/h werden Bremswege mit kalter und warmer Bremse ermittelt und auf vorhandenes Fading geprüft, die Beschleunigungen von Null auf 60/80/100 km/h geben Auskunft über die Leistungsfähigkeit der Motoren. In einer Wedel- und Ausweichgasse aus Pylonen wird das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) sowie das Fahrwerk auf Abstimmung und Auslegung geprüft, hier gibt es immer wieder deutliche Unterschiede. Geräuschmessungen im fahrenden Bus bei 80 bzw. 100 km/h ohne Klimaanlage sowie bei stehendem Fahrzeug im Leerlauf komplettieren die aufwendigen Messungen dieses Tages.

Der Spritverbrauch als Maß der Dinge

Die Königsdisziplin eines Nutzfahrzeugtests ist und bleibt jedoch der Verbrauchstest – schließlich hat der Verbrauch den größten Einfluss auf die Kosten. Um hier zu validen Ergebnissen mit so wenig Fahrereinfluss wie möglich zu kommen, wird jeder Bus von einem der vier Testfahrer, darunter auch Thorsten Wagner als lastauto omnibus-Busexperte, auf der rund 170 Kilometer langen Messtrecke von München in die Allgäuer Berge gefahren (Anteil Landstraße: 27,3 Prozent, Anteil Autobahn: 72,7 Prozent). Spritsparende Systeme mit topografischen Schaltprogrammen wie PPC oder Efficient Cruise dürfen verwendet werden, Setzgeschwindigkeit und Hysterese (Differenz des oberen und unteren Regelungsbereiches des Systems) werden jedoch einheitlich gehandhabt. Sehr schwierige Passagen wie der Ettaler Berg auf der B23 werden nicht in die Messung mit einbezogen, da schon ein langsames Hindernis auf der kurvenreichen Strecke mit vielen Serpentinen den Verbrauch völlig verfälschen kann. Insgesamt legen die Fahrzeuge während des einwöchigen Tests jeweils rund 1.200 Kilometer zurück, 680 davon gehen konkret in die Messungen ein. Aber nicht nur tagsüber wird gefahren und getestet, auch eine Nachfahrt gehört zum straffen Programm der Woche. Hierbei werden alle beleuchtungsrelevanten Bauteile unter die Lupe genommen und bewertet, bis hin zur Mittelgangbeleuchtung im Innenraum. Bei einer Fahrt ins Münchner Umland werden dann die Leuchtkraft und die Homogenität der Scheinwerfer getestet. Und siehe da ­– nicht immer ist LED-Licht das Maß aller Dinge!

Aber nicht nur die Erkenntnisse der Fahrer fließen breit ein, auch zwei Fahrgast-Tester, darunter der langjährige lastauto omnibus-Leser Patrick Lenz aus Berlin, haben sich während des Tests ausschließlich in die Passagier-Perspektive begeben und allen nervigen Vibrationen, unangenehmen Luftzügen und kneifenden Gurtschlössern nachgespürt, die es gegebenenfalls zu bemängeln gäbe. Denn der Fahrgast ist derjenige, für den ein Bus im Endeffekt gebaut wird, sein Komfort und Sicherheit stehen ganz vorne im Lastenheft der Hersteller.

Zum Schluss geht es auf die Grube

Als letzte Disziplin müssen sich die Busse auf der Werkstattgrube weitgehend entblättern und die Experten vom Servicebetrieb AGK Bus & Truck GmbH in Feldkirchen sowie des unterstützenden Busunternehmens Baumann aus München von ihrer Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit überzeugen. Dabei werden in rund zwei Stunden pro Bus alle relevanten Servicebauteile um und unter dem Bus unter die Lupe genommen und auf ihre Montagefreundlichkeit hin überprüft: Lässt sich der Ladeluftkühler zum Reinigen ausschwenken? Wie viele Umlenkrollen gibt es beim Riementrieb und wie einfach lassen sie sich wechseln? Details zu Garantie, Intervallen und Ersatzteilen vervollständigen das Bild, das die Experten von den Bussen gewinnen.

So setzt sich das Ergebnis, zu dem die Expertenjury gelangt, aus einer Unmenge von Testergebnissen zusammen. Die wenigen subjektiv von den Testern vergebenen Punkte werden zuletzt noch arithmetisch gemittelt, um auch hier die notwendige Ausgewogenheit sicherzustellen. Mit all diesen Maßnahmen wird so sichergestellt, dass sich lastauto omnibus-Leser auf die Ergebnisse dieses umfassenden Vergleichstests voll verlassen können. Lesen Sie selbst in Heft 9/2018, welcher der drei Wettbewerber das Rennen für sich entscheidet, und wie eng ihm die Konkurrenten dabei auf den Fersen oder an der Stoßstange sind.

International Bus Competition 2018
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