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International Bus Competition 2018

And the winner is ...

IBC 2018 Foto: Richard Kienberger 60 Bilder

Erstmals ist der ETM Verlag mit seinem Fachmagazin lastauto omnibus beim renommierten Bus-Vergleichstest International Bus Competition (IBC) vertreten – und es gibt einen klaren Gewinner. In Heft 9, das gerade am Kiosk zu haben ist, lesen Sie die ausführlichen Ergebnisse!

14.08.2018 Thorsten Wagner

Der neue Mercedes-Benz Tourismo hat den aktuellen IBC-Vergleichstest von Reisebussen der beliebten 13-Meter-Klasse deutlich gewonnen. Die Überraschung: Der Irizar i6S rückt der Nummer Zwei, dem runderneuerten MAN Lion’s Coach C, extrem auf die Pelle und kann ihn im Kostenkapitel sogar schlagen. Der Vorsprung des Mercedes ist nicht zuletzt in Sachen Sicherheit uneinholbar. Mit den bewährten Systemen wie dem aktiven Aufprallschutz FCG oder Innovationen wie ABA4 mit Fußgängererkennung und dem Abbiegeassistenten des Sideguard Assist bietet der Mercedes, der auch als auffälliger „Safety Coach“ auf die Straße kommen wird, einfach deutlich mehr als alle Wettbewerber. Das macht sein etwas biederes Äußeres, das kaum mit dem glamourösen Irizar mithalten kann, durchaus wieder wett.

Der europaweit als fundierter Bus-Vergleichstest anerkannte IBC findet jährlich statt und bringt in diesem Jahr die äußerst interessante Klasse der 13 Meter langen, maximal auf Wirtschaftlichkeit getrimmten Zweiachs-Reisebusse zusammen, die mit der neuen, europäischen 19,5-Tonnen-Zulassung nochmals deutlich an Attraktivität gewinnen. Die akribische Punktewertung berücksichtigt Themen wie Verbrauch, Fahrverhalten, Effizienz und Servicefreundlichkeit genauso wie Bremswege, die Funktion der Sicherheitssysteme sowie die Leistungsfähigkeit von Connectivity- und Multimedia-Systemen. Eine ausführliche Vorstellung der Busse finden sie hier, das Testverfahren wird hier ausführlich erläutert.

Platz 3: Irizar i6S

Der baskische Integral-Reisebus der Mittelklasse fährt in der Höhe von 3,75 Meter und 12,92 Meter Länge vor (48 Sitze verbaut, maximal sind 59 möglich). Als Besonderheit bietet der Wagen bereits den neuen DAF-Triebstrang mit MX-11 Motor und 450 PS (2.300 Nm) sowie das neue, automatisierte ZF Traxon-Getriebe mit 12 Gängen. Damit halten auch moderne Effizienzprogramme wie Predictive Shifting und PPC (Predicitve Powertrain Control) Einzug.

Die Motorcharakteristik und die Drehmomentverläufe lassen sich mit drei Leistungsprogrammen dem Fahrerwunsch anpassen, was nicht unwesentlich zum sehr guten Testverbrauch beigetragen hat – allerdings auf Kosten der Durchschnittsgeschwindigkeit, die deutlich unter der der beiden Konkurrenten lag. Zu den Pluspunkten des Wagens gehört daher vor allem sein neuer Antriebsstrang mit DAF MX-11 Motor und ZF Traxon-Getriebe – hier konnte sich der Baske mit der höchsten Punktzahl durchsetzen. Dem rassigen, typisch spanischen Design und dem etwas überfrachteten volldigitalen Cockpit stehen wiederum eine nicht ganz so gute Verarbeitung und ein Begleiterplatz ohne große Ambitionen gegenüber. Alles in allem gelingt dem Irizar jedoch mehr als ein Achtungserfolg! Fehlt „nur“ noch ein schlagkräftiges Vertriebs- und Servicenetzwerk in Deutschland, das für den Kunden jedoch mindestens genauso wichtig ist wie ein guter Test.

Platz 2: MAN Lion’s Coach C

Der MAN Reisebus wurde anlässlich der neuen Umsturzrichtlinie ECE R66.02 überarbeitet und erstrahlt im modernistischen „Smart Edge“-Design mit schwarz lackiertem Heck – eine komplette Neukonstruktion hat sich MAN leider wieder gespart. Im Heck arbeitet der aktuelle D26 mit Euro 6c-Norm, hier in der kleinsten Leistungsstufe mit 420 PS und 2.100 Newtonmetern. Gepaart ist der Motor noch mit der 12-Gang-ZF TipMatic, erst zur IAA wird von MAN das Nachfolgemodell Traxon in der Serie ausgeliefert (erste Fahreindrücke haben uns vor allem von der geringeren Geräuschkulisse des Getriebes überzeugt).

Eine Besonderheit des Wagens, der ansonsten viele Gleichteile vom Vorgänger übernommen hat, sind die mechanisch-adaptiven Stoßdämpfer PCV (Premium Comfort Valve) von ZF, die dem ohnehin schon soliden Fahrwerk nochmal mehr Ruhe und Souveränität verleihen, wenn sie auch nicht ganz an die elektronisch geregelte CDC-Version herankommen. Im Test ist das Fahrwerkskapitel denn auch neben dem Antrieb eines, in dem der MAN dem Mercedes durchaus das Wasser reichen kann. Punktabzüge gibt es dagegen für das leicht veraltete, verbaute Cockpit, einen nicht optimalen Begleiterplatz, die nicht immer hochwertigste Verarbeitung und zum Teil hohe Kosten. Insgesamt muss man den Münchenern bescheiden, dass der „neue“ Lion’s Coach noch nicht ganz neu genug geworden ist. Es reicht also nicht für mehr als einen respektablen, aber nicht glorreichen zweiten Platz.

Platz 1: Mercedes-Benz Tourismo M/2

Last but not least der Sieger: Mit dem Mercedes Tourismo hat sicher nicht der Wagen mit dem größten Hingucker-Potenzial das Rennen für sich entschieden. Er zeigt sich äußerlich eher brav, sieht man von der knalligen Farbgebung „Yellowstone“ einmal ab. Eben echtes Daimler Longlife-Design. Die Actros Scheinwerfer vorne und Citaro Rückleuchten hinten zeugen zudem eher von Familienzwängen als von einem Überschwang an stylistischer Eigenständigkeit. Dabei machen den Sieg nicht die spektakulären Eigenschaften aus, es ist vielmehr die ausgereifte Mischung in allen Disziplinen – der Gewinner leistet sich kaum Patzer und macht einfach das meiste goldrichtig. Mal abgesehen von den Themen Sicherheit und Cockpit – hier kann keiner dem Benz das Wasser reichen. Mit seiner maximalen Sicherheitsausstattung und nahezu perfekten Fahrer- und Begleiterarbeitsplätzen, kann er diese beiden Themen mit Bravour für sich entscheiden. Das Cockpit ist zudem noch in zwei verschiedenen Versionen lieferbar, das im Testwagen konnte man beinahe schon luxuriös nennen.

Auch in Sachen Innenraum und Fahrgastkomfort geht der Mercedes in Führung, wenn auch nicht ganz so spektakulär. Der Antrieb des auf 456 PS erstarkten und weiter auf Effizienz getrimmten OM 470 kann vor allem durch seine Laufkultur und Fahrleistungen sowie den niedrigen Konstantverbrauch überzeugen, auch wenn sein schon 2014 eingeführtes PPC mit Eco-Roll ausschließlich bei eingeschaltetem Tempomat arbeitet. Das hauseigene Achtgang-Powershift-Getriebe kann zwar keine so große Spreizung der Gänge wie die ZF-Boxen mit 12 Gängen bieten, aber in Verbindung mit dem wählbaren Dynamikmodus kann das Räderwerk in fast allen Situationen seinen hohen Schaltkomfort ausspielen. In der Summe aller Eigenschaften ist der Tourismo so leichtfüßig und souverän zu bewegen wie keiner der beiden Wettbewerber. Hier hat Mercedes ganze Arbeit geleistet und aus einem flexiblen Mittelklassemodell einen sehr ausgereiften Reisebus gemacht, der Premium Gene in sich trägt und die großen Fußstapfen des Travego, dem viele Reisebusfans schon nachtrauern, sicher angemessen ausfüllen dürfte. Auf alle Fälle ist er ein würdiger Gewinner des IBC 2018.

In lastauto omnibus 9/2018 können Sie die ausführlichen Ergebnisse des Vergleichstests lesen. In Heft 10 gehen wir zudem nochmals auf die Themen Wartung, Kosten und Connectivity ein.

International Bus Competition 2018