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Innovativ in der Intralogistik Automatisierung schreitet voran

Foto: Matthias Rathmann 9 Bilder

Flurförderzeuge, Roboter, Transportplattformen und mehr – der Ifoy Award in Dortmund zeigte die Vielfalt an technischen Innovationen in der Intralogistik.

Es geht bergab – in dem Fall im direkten Sinne. Nicht immer ist auf dem Produktions- oder Logistikgelände alles topfeben, mitunter müssen Fahrzeuge und Flurförderzeuge für den internen Materialfluss abschüssige Wege nehmen. Ein Schleppfahrzeug absolviert diese Strecken meist mit einem oder mehreren Anhängern. Das geht in der Regel gut, birgt aber Gefahren – auch wenn der Zug „nur“ mit maximal 25 km/h unterwegs ist. Denn das Gewicht drückt und bringt die Fuhre in Fahrt.

Eine bessere Kontrolle und vor allem Sicherheit verspricht das neue Assistenzsystem Descend Speed Regulation (DSR). Es ermittelt permanent die angebrachte Geschwindigkeit – in Abhängigkeit von der Anhängelast und dem Gefälle. Damit nicht genug: Das System greift auch aktiv ins Fahrverhalten ein und bremst den Elektro-Schlepper ab. Still-Produktmanager Alexander Claus hat auf einer Demofahrt mit der Fachzeitschrift trans aktuell, die auf einer Rampe abwärts führt, keine Chance, die zwölf km/h zu halten. DSR drosselt das Tempo auf sechs km/h.

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„Kein anderes Fahrzeug, auch kein Lkw hat ein solches System bisher an Bord“, heißt es von Still. Daher schickte der Stapler- und Intralogistik-Spezialist seinen neu gestalteten LXT-Schlepper, der bis zu 35 Tonnen bewegen kann, mit dem besagten DSR-System ins Rennen um die begehrten Ifoy Awards (International Intralogistics and Forklift Truck of the Year). Erneut bildete die Messe Dortmund den Austragungsort für den Ifoy Award sowie das angegliederte Test Camp Intralogistics und die Ifoy Test Days. Insgesamt wetteiferten 14 nominierte Produkte und Lösungen von zwölf Unternehmen um die Gunst der internationalen Tester, Wissenschaftler und Journalisten. Letztere gehören der Ifoy Jury unter Vorsitz von Anita Würmser an, die vom härtesten Intralogistiktest der Welt spricht. Erneut begrüßte Würmser in Dortmund auch eine Vielzahl an Praktikern aus Industrie, Handel und Kontraktlogistik. Allesamt wollten sie sich in der Messehalle 3 einen Eindruck von den Innovationen des Jahres 2022 machen.

Mehrstufiges Verfahren beim Ifoy Award

Was das Testprocedere angeht: In einem mehrstufigen Verfahren wurden die nominierten Intralogistik-Lösungen zunächst einem Test unter Federführung des niederländischen Experten Theo Egberts unterzogen. Anschließend überprüften Wissenschaftler mehrerer Forschungseinrichtungen die Innovationskraft und die Marktrelevanz der Lösungen. Und zu guter Letzt gibt die Jury der Fachjournalisten (der auch der Verfasser dieser Zeilen angehört) in diesen Tagen noch ihr Votum ab. Die Verleihung des Ifoy Awards, auch bekannt als „Oscars der Intralogistik“, findet dann am 30. Juni in der BMW Welt in München statt – übrigens die inzwischen zehnte Ifoy-Preisverleihung.

Still, Jungheinrich und das Unternehmen Cargotec mit seinem elektrischen Mitnahmestapler Moffett E5 waren als Vertreter klassischer Hardware vor Ort. Wobei Still am Wettbewerb – wie beschrieben – nicht mit einem Fahrzeug, sondern mit einem Sicherheitssystem teilnahm. Ferner bewarb sich Still – ebenso wie der Anbieter SSI Schäfer – mit einem Automatisierungs-Projekt um einen Ifoy Award: Still stellte für den Arbeitsschutz-Anbieter Hase Safety Workwear am Standort Jever manuelle Arbeitsschritte in automatisierte um. Der Materialfluss-Spezialist SSI Schäfer wiederum beteiligte sich mit einem Projekt für Ikea in Dortmund an dem Wettbewerb. Seit einem Jahr laufen dort vier Module komplett automatisiert ab. Im Rahmen des Projekts Flat Pack Picking werden Artikel bis zu einer Länge von 2,5 Meter und einem Gewicht von über 60 Kilogramm komplett automatisiert bewegt und für E-Commerce-Bestellungen zur Verfügung gestellt.

Derlei Artikel könnte auch der Moffett E5 gut bewegen – er ist der Spezialist fürs Grobe, der auch Langgut wie Holz vom Lkw holt und zum Kunden befördert. Bei seiner Präsentation vor der Ifoy Jury zeigte das Gefährt, dass es auch enge Kurven problemlos bewältigen kann. Überdies machte der 2,6-Tonner mit seiner Vierwegelenkung Eindruck: Er kann vorwärts und rückwärts fahren und sich bei Bedarf auch per Tastendruck platzsparend im Krebsgang bewegen.

Und natürlich kann der Mitnahmestapler auch Standard-Ware bewegen – eine Palette zum Beispiel, ganz egal, wie es um ihren Zustand bestellt ist. Den zu prüfen, ist die Kompetenz des Pallet Classification Systems (Pacs) des Sensorspezialisten Sick. Das System ermittelt mithilfe von Kameras und eines Lernlogarithmus, ob es sich um eine Pfandpalette handelt und ob die Holzfüße in Ordnung sind. Das erspart die manuelle Kontrolle, was den Mitarbeitern Zeit für andere Dinge verschafft. Und es hilft dem Unternehmer, wenn gewährleistet wird, dass nur intakte Ladungsträger Eingang in die Logistik und die Hochregale halten. Schließlich können schadhafte Paletten teure Standzeiten auslösen.

Roboterlösung reduziert Gehzeiten

Statt Standzeiten reduziert der US-Anbieter Locus Robotics mit seiner Lösung Locus Robotics AMR Solution Gehzeiten. Die Mitarbeiter müssen nicht ständig in Bewegung sein und bei ihren Pickvorgängen Wägen durch die Regalreihen schieben. Diesen Part übernehmen die autonomen mobilen Roboter (AMR), die an einen Servierwagen mit Tablett erinnern. Die Roboter fahren zum Mitarbeiter vor, zeigen ihm alle für den Pick relevanten Infos auf einem großen Display und bieten für das betreffende Produkt gleich eine große Wanne an. Ob Cola-Dosen, Kaffeefilter oder Schokoladentafeln – alles findet in der Wanne Platz, nachdem der Mitarbeiter die Artikel aus dem Regal genommen und gescannt hat – wie bei der Demonstration in Dortmund zu sehen war. Mit diesen Artikeln gefüttert, zieht der offenbar zufriedene Robby von dannen. Mehr als 80 Kunden, darunter DHL, Nike oder Ikea, haben die Roboter-Steuerung aus dem Hause Locus schon im Einsatz, Tendenz steigend. Denn der boomende E-Commerce schreit in den Lägern geradezu nach derartigen Lösungen zur Automatisierung von Kleinstmengen.

In diese Richtung gingen auch andere im Rahmen des Ifoy Awards vorgestellte Lösungen und Systeme. Alle einzeln vorzustellen, würde hier den Rahmen sprengen, daher wurden hier nur einige genannt, die exemplarisch für die Innovationskraft der Anbieter stehen, natürlich aber eine subjektive Auswahl darstellen. Alle Anbieter und unter ifoy.org.

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