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Innovationsprogramm Logistik 2030

Klimaschutz kann ungemütlich werden

Lkw-Gewitter, Gewitter, Blitz. Innovationsprogramm, Logistik Foto: Adobe Stock / Trendobjects / m.mphoto

Verkehrsminister Andreas Scheuer stimmt die Logistikbranche darauf ein, dass auch hier der Klimaschutz künftig wichtiger wird.

Und es kann unbequem werden. Bei der Vorstellung des „Innovationsprogramms Logistik 2030“ in Berlin sprach Scheuer wohl zum ersten Mal das Thema „unnötige Verkehre“ an. Er kritisierte nicht nur das bekannte Beispiel von Nordseekrabben, die zum Pulen nach Nordafrika gefahren werden, sondern auch über lange Distanzen importierte Luxuslebensmittel (siehe ganz am Schluss, „Regionalität predigen, Vöslauer trinken?“). „Nicht jedes Wachstum ist ein gesundes Wachstum“, sagte er speziell mit Blick auf die Kurier-, Express- und Paketbranche.

Hier komme zwar den Verbrauchern eine wichtige Rolle zu, die sorgfältiger überlegen sollten, ob sie per Klick unbedingt fünf oder sechs Pakete zum Vergleich von Waren bestellen müssen. Aber auch die Branche selbst sei gefragt. Vorsichtig deutete er an, dass auch über die Frage der konsolidierten Zustellung noch einmal nachgedacht werden sollte. Angesichts dieses Tenors stieß die Replik von Rainer Wend, Cheflobbyist der Deutschen Post/DHL, die Kunden mögen sich bitte sogar sieben oder acht Pakete schicken lassen, bei vielen Teilnehmern auf Unverständnis.

Spitzenposition stärken

Das „Innovationsprogramm Logistik 2030“ knüpft an den Masterplan Güterverkehr und Logistik von 2008 und den zuletzt 2017 aktualisierten Aktionsplan Güterverkehr und Logistik von 2010 an. Ziel ist laut Bundesverkehrsministerium (BMVI), die weltweite Spitzenposition des Logistikstandorts Deutschland weiter zu stärken und auszubauen. Neu ist, dass den zehn Kapiteln jeweils Visionen für den Logistiksektor im Jahre 2030 vorangestellt sind. Darauf aufbauend werden konkrete Maßnahmen dargestellt, die Güterverkehr und Logistik zukunftsfähig machen sollen. Wie schon der Aktionsplan ist auch das Innovationsprogramm als „lebendes Dokument“ angelegt, das in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden soll. Dazu wird unter Leitung von Steffen Bilger, Verkehrsstaatssekretär und Logistikbeauftragter der Bundesregierung, auch eine „Innovationskommission“ ins Leben gerufen, „die mit innovativ denkenden Vertretern aus Unternehmen und der Forschung besetzt wird“. Der erste Sitzungstermin und konkrete Teilnehmer sind noch offen.

Unverbindlicher Maßnahmenkatalog

Der Maßnahmenkatalog des Innovationsprogramms ist in weiten Teilen unverbindlich. Es überwiegen Absichtserklärungen ohne hinterlegte Finanzierung sowie Prüfaufträge. Für den Straßengüterverkehr ist noch am ehesten greifbar, dass das BMVI weiter die Diskussion über die Rampenproblematik moderieren will. Ebenso wird das BAG beauftragt, die Arbeitsbedingungen im Gewerbe zu beobachten. Neu ist, dass das Ministerium den Abschluss von Verträgen mit den Nachbarstaaten prüfen will, die den grenzüberschreitenden Verkehr von Lang-Lkw ermöglichen würden. Bilger kündigte auf Nachfrage außerdem an, dass die lang erwartete 9. Änderung der Lang-Lkw-Ausnahmeverordnung jetzt kurz vor der Verkündung im Bundesanzeiger stehe.

Oberleitungs-Lkw bei Pendelverkehren

Auffällig ist, dass in der Vision für den klimagerechten Güterverkehr auch der Oberleitungs-Lkw „auf ausgewählten Relationen mit Pendelverkehren“ erwähnt wird. Bisher hatte das Verkehrsministerium den O-Lkw immer skeptisch beäugt, wie auch Scheuer selbst einräumte. Den Vorzug erhalten Elektro- und Brennstoffzellen-Lkw sowie Verbrennungsantriebe, die auf synthetische Kraftstoffe („e-Fuels“) oder moderne Biokraftstoffe zurückgreifen.

Offenbar schon auf der Zielgeraden ist die Digitalisierung des Genehmigungsverfahrens für Großraum- und Schwertransporte (VEMAGS). Ziel ist ein automatisiertes Routing mittels digitaler Verkehrswegenetzkarte, die auch Schiene und Wasserstraße umfasst. „Die Gespräche mit den Ländern sind aber nicht immer ganz einfach“, sagte Bilger zu diesem Thema. Ein Hintergedanke bei der Einbindung von Schienennetz und Wasserstraßen ist, mehr Schwertransporte auf diese Verkehrsträger zu verlagern und so die Straße zu entlasten.

Regionalität predigen, Vöslauer trinken?

Ein echtes Eigentor schoss Scheuer mit seinem Wunsch an Verbraucher und Gastronomen, statt weit herbeigekarrter Mineralwässer aus Italien oder Frankreich doch auf regionale Produkte ohne lange Fahrwege zu setzen. Was stand nämlich auf den Bistrotischen im Ministerium? „Vöslauer“ aus Österreich – Fahrstrecke nach Berlin 710 Kilometer. Und weil es Mehrweg-Glasflaschen waren, kommen auch noch 710 Kilometer für das Zurückschaffen des Leerguts hinzu.

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