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Impulse für Digital-Investitionen

Das sind die Werkzeuge der Digitalisierung

Digitalisierung, Vernetzung, connected services, Container, KV, Kombinierter Verkehr Foto: Fotolia/ake1150

Die Autoren der Studie „Digitalisierungswerkzeuge in der Logistik“ haben aus der Vielzahl an Lösungen diejenigen herausgearbeitet, die bereit für den Praxiseinsatz sind.

Digitalisierung in der Logistik: oft gehört – doch mit einer genauen Definition, was das eigentlich bedeutet, tun sich viele schwer. Die Autoren der Studie „Digitalisierungswerkzeuge in der Logistik: Einsatzpotenziale, Reifegrad und Wertbeitrag“ haben sich dieses Problems angenommen und aus der Vielzahl an Lösungen diejenigen herausgearbeitet, die bereit für den Praxiseinsatz sind. Diese Elemente der Digitalisierung, zu denen auch das autonome Fahren oder die Robotik gehören, nennen die Autoren Werkzeuge.

Dabei unterscheiden die Macher der Studie zwischen zwei Definitionen von Digitalisierung: Entweder bezeichne der Begriff die digitale Transformation des Unternehmens an sich, also zum Beispiel die aller Geschäftsprozesse. Oder er meine den Einsatz digitaler Werkzeuge. Digitales Werden versus digitaler Nutzen lautet die Abkürzung. Die Autoren haben in der Studie jedenfalls dem praktischen Nutzen den Vorrang eingeräumt. Das kommt nicht von ungefähr. „Die Studie soll Führungskräften in der Logistik die Fakten liefern, mit denen sie Entscheidungen für Investitionen in die Digitalisierung untermauern können“, erklärt Prof. Christian Kille von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.

Download Hier finden Sie die Studie als PDF-Dokument (PDF, 5,42 MByte) Kostenlos

Ergebnis: Bewertungsprofile von 22 Digitalisierungswerkzeugen

Dazu nutzten die Wissenschaftler nicht nur ­Literaturquellen und bereits veröffentlichte Studien als Grundlage, sondern veranstalteten auch drei Workshops mit Unternehmensvertretern und führten Interviews. Als Resultat entstanden Bewertungsprofile von 22 Digitalisierungswerkzeugen. Ein solches Werkzeug identifizierten die Autoren anhand einiger Merkmale, von denen mehrere zutreffen müssen: Vernetzungs­fähigkeit, Nutzung offener Netzwerke, Anwendung dezentraler Datenerfassung, Veränderlichkeit der Daten, eigenständige Entscheidungsfindung, Bereitstellen und Nutzen geteilter Ressourcen, Interaktion von Mensch und Maschine sowie Relevanz für die Logistik (vollständige Liste der Werkzeuge: siehe Kasten).

Selten könne eines der Werkzeuge isoliert von den anderen agieren, sie bedingten sich gegenseitig. Bei Telematikplattformen verzeichnen die Wissenschaftler zum Beispiel 14 Inputs von anderen Werkzeugen und neun Outputs. Die vorgestellten Werkzeuge reduzieren zudem nicht nur die Kosten. Sie steigern gemäß der Studie auch die Effizienz und die Produktivität, verbessern die Qualität und das Servicelevel, steigern die Flexibilität, erweitern bereits bestehende und ermöglichen neue Produkte und Dienstleistungen und erzeugen disruptive Wirkungen.

Nur sechs Werkzeuge haben einen hohen Reifegrad

Der primäre Wertbeitrag liege jedoch bei optimierten Prozessen, die demnach alle Werkzeuge versprechen. Ein recht heterogenes Bild ergebe sich jedoch beim Reifegrad der Werkzeuge, den die Autoren aus Verfügbarkeit und Entwicklungsstand ableiten. Hier besteht noch Optimierungsbedarf: Nur sechs Werkzeuge weisen einen hohen Reifegrad auf. Dazu zählen etwa Wearables, innerbetriebliches ­autonomes Fahren und Drohnen. Neun dagegen besitzen einen niedrigen, zum Beispiel außerbetriebliches autonomes Fahren oder Dynamic Pricing. Gerade an diese Werkzeuge werden jedoch oft hohe Erwartungen gestellt.

Auf dem Höhepunkt der ­Phase der überzogenen Erwartungen ­befinden sich momentan Shared Logistics Resources, Platooning und auch digitale Speditionen. Die Autoren unterteilen in einem weiteren Schaubild nämlich die Phasen Innovationsauslösung, überzogene Erwartungen, Ernüchterung, Erkenntnis und breite Etablierung. In Letzterer befinden sich bisher nur Telematikplattformen und das E-Dokumentenmanagement.

Etablierte Logistiker agieren mutiger und innovativer als gedacht

„Nun könnte folgen, dass insbesondere Start-ups sich mit hochinnovativen Werkzeugen auseinandersetzen“, heißt es in der Studie. Doch eine Analyse von 78 Jungunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bestätige das nicht. Nur 37 der befragten Start-ups setzen Werkzeuge im Sinne der Studie ein oder entwickeln sie. Fünf davon setzen auf Werkzeuge, die als sogenannte Innovationsauslöser gelten können, zum Beispiel Drohnen. Eine Erkenntnis, die manchen überraschen mag: Die etablierten Logistiker agieren im Gegensatz dazu weitaus mutiger und innovativer als gedacht.

Trotz unterschiedlicher Reifegrade und Phasen befindet sich die Mehrheit der untersuchten Werkzeuge bereits im Praxis­einsatz. Vor allem bei denjenigen mit einem starken Bezug zu physischen Objekten sei dies der Fall.

Um den Unternehmern eine konkrete Handreichung für die einzelnen Werkzeuge zu liefern, erstellten die Autoren für jedes der 22 Produkte ein Profil. Darin findet sich die Bewertung des Werkzeugs nach Faktoren wie Funktionalität, Bezug zur Logistik und zur Digitalisierung, Einsatzpotenzial oder Reifegrad. Einen Hinweis zur Investitionsentscheidung sowie die Beschreibung eines typischen Anwendungsfalls geben die Wissenschaftler ebenfalls. Mit diesen Mitteln versuchen sie, Licht ins vermeintliche Dunkel der Digitalisierung zu bringen – anhand konkreter Beispiele gemäß dem Motto: der praktische Nutzen im Mittelpunkt.

Die Werkzeuge

Hybrid (physisch und virtuell):

  • Chatbots (Messengerdienst zur internen und externen Kommunikation)
  • Shared Logistics Resources (gemeinsames Nutzen von Ressourcen auf Basis einer digitalen Organisation)
  • Matching-Plattform (vernetzt online zum Beispiel ­Versender und Kurier)
  • Estimated Time of Arrival (ETA, Nachrichtenplattform für erwartete Ankunftszeit der Ware)
  • digitale Spedition
  • Anticipatory Logistics (Lieferung vor erfolgter ­Bestellung)

Physisch:

  • Wearables (tragbares Computersystem, zum Beispiel in Form eines Armbands am Handgelenk)
  • Drohnen
  • Telematikplattform
  • Platooning
  • mobile Robotik
  • intelligente Behälter
  • Flexförderer
  • autonomes Fahren (inner- und außerbetrieblich)

Virtuell:

  • Supply-Chain-Event-Management
  • Smart Contracts (digitale Protokolle, die Verträge ­abbilden oder überprüfen)
  • Predictive Analytics (analysiert Fakten, um Vorhersagen über künftige Ereignisse zu treffen)
  • Logistics-Control-Tower (bietet einen Überblick über die Systeme und verknüpft Informationen)
  • E-Payment
  • E-Dokumentationsmanagement
  • Dynamic Pricing

Die Beteiligten

Autoren: Prof. Wolfgang Stölzle (Uni St. Gallen), Prof. Thorsten Schmidt (TU Dresden), Prof. Christian Kille (Hochschule Würzburg-Schweinfurt), Dr. Frank Schulze (TU Dresden), Victor Wildhaber (Uni St. Gallen)

Partner: Hellmann Worldwide Logistics, Schweizer Post, Timocom, AEB, Barth Logistikgruppe, Group 7, ­Noerpel, Österreichische Post, Gebrüder Weiss, ­Seifert Logistics Group

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