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IAA-Vorschau von Kögel und Humbaur

Leichtgewichte mit hoher Nutzlast

Kögel Vorschau IAA 2018 Trailer Foto: Kögel 9 Bilder

Ganz oben im Lastenheft stehen bei Kögel Fahrzeuge mit hoher Nutzlast. Wert legen die Entwickler aber auch auf zusätzliche Funktionalität. Das Schwesterunternehmen Humbaur liefert nun auch Aufbauten für mittelschwere Lkw.

22.08.2018 Thomas Rosenberger

Seit Ulrich Humbaur Kögel übernommen hat, dürfte er kein so gutes Jahr erlebt haben wie das vergangene. Kögel befindet sich im Aufwind. Mit Sicherheit hat die Personaloffensive einen Teil dazu beigetragen – zuletzt hat sich das Unternehmen vor allem im Vertrieb verstärkt, überwiegend mit Personal, das für große Branchenkenntnis steht. Das ist aber nur ein Teil der Erfolgsformel. Der andere sind technisches Know-how und Innovationskraft.

Kögel Vorschau IAA 2018 Trailer Foto: Kögel
Der Materialmix aus Alu und Stahl an der Kippmulde sorgt für deutlich mehr Nutzlast.

Optimierungen versprechen mehr Stabilität und Funktionalität

Schon geraume Zeit steht die Marke Kögel für Leichtbau-Fahrzeuge, die zum einen in verhältnismäßig hohem Maße standardisiert sind, aber zugleich mit hoher Nutzlast punkten. Hieran wollen die Konstrukteure nun anknüpfen und damit die Nachfrage weiter ankurbeln. Die Novum-Generation, der Baureihenname für die jüngsten Kögel-Pritschenauflieger, die seit März über die Curtainsider-Baureihen ausgerollt wird, steht für ebendieses Bemühen, Solidität, hohe Standardisierung und Leichtbau unter einen Hut beziehungsweise in einen Baukasten zu bringen. Dazu verwendet Kögel für die bisherigen Standardausführungen von Cargo, Mega und Light den Außenrahmen sowie den Aufbau der Light-Plus-Spezialisten – und schlägt damit die Brücke zwischen Standard und superleicht. Zugleich soll ein hoher Individualisierungsgrad möglich sein. Wesentliches konstruktives Merkmal des Novum-Rahmens sind 40 Millimeter flacher bauende, dafür nur einen Millimeter stärkere Querträger. Thomas Eschey, in der Geschäftsführung zuständig für Technik, nennt als Basisgewicht für den Cargo 5.920 Kilogramm, 80 Kilo weniger als zuvor. Mit Hilfe von Ausstattungsoptionen soll ein Grundgewicht von 5.550 Kilo möglich sein.

Hinzu kommen weitere Optimierungen, die vor allem mehr Stabilität und mehr Funktionalität versprechen. Für Erstgenanntes sorgen ein zwar schmaleres, aber zugleich stabileres Abschlussblech am Heck sowie die neue Anschlusskonsole an der Stirnwand. Das filigran anmutende Bauteil ist so montiert, dass es auftretende Kräfte in die Längsträger ableitet. Für mehr Funktionalität wiederum steht das angepasste Außenrahmenprofil. Es erlaubt eine bessere Erreichbarkeit der Zurrpunkte. So soll nun eine Verzurrung der Ladung bei geschlossener Plane sowie in Verbindung mit den optional verfügbaren Bordwänden möglich sein. Gurte mit Flachhaken lassen sich demnach bei geschlossenen Bordwänden einhängen. Nur für solche mit Spitzhaken müssen die Bordwände weiterhin geöffnet werden. Die bauliche Vereinheitlichung der Eckrungen für Trailer mit und ohne Hubdach führt laut Kögel zu einer ganzen Reihe an Vorteilen, allen voran zu einem geringeren Gewicht. Zudem sollen sich Paletten an der Vorderwand bei seitlicher Beladung leichter platzieren lassen. Ein sinnvoller Kniff ist, dass die Bordwandfelder nun gleich groß sind. Unterschiedlich lange Einstecklatten gehören damit der Vergangenheit an. Außerdem lassen sich die Lattentaschen über eine Lochleiste an der Runge nach Gusto anordnen. Selbst ohne Latten erfüllt der Aufbau die Ladungssicherungsnorm 12642-XL.

Kögel Vorschau IAA 2018 Trailer Foto: Kögel
Novum steht für die jüngsten Planentrailer-Ausführungen. Sie sollen hohe Nutzlast mit hoher Funktionalität und Stabilität verbinden.

Weniger Latten bei Getränketransporten nötig

Ohnehin spielt in Sachen Funktionalität die Ladungssicherung eine wichtige Rolle. Kögel verweist hier auf die textile "Einstecklatte" namens FastFix, die wie ein Sicherheitsgurt anmutet. Das gute Stück wiegt gerade mal ein Pfund und lässt sich, zu einem kleinen Paket zusammengerollt, platzsparend in der Werkzeugkiste verstauen. FastFix lässt sich an herkömmlichen Rungen einstecken und dann wie ein Zurrgurt per Ratsche spannen. Am höhenverstellbaren sogenannten FlexiUse-Aufbau, der sich vorne in acht 25- und am Heck in vier 50-Millimeter-Schritten in der Höhe fixieren lässt, was Innenhöhen von 2.700 bis 2.900 Millimeter ermöglicht, demonstrierte Kögel die optionale Strong-&-Go-Ausführung. Diese kombiniert den FlexiUse-Aufbau mit einer verstärkten Dachplane, die über zusätzliche Gurtaussteifungen verfügt. Damit sind laut Hersteller keine Einstecklatten mehr nötig, um die Lasi-Normen DIN 12642-XL sowie DCE 9.5 beim Transport von Gitterboxen und gebänderter Ladung zu erfüllen.

Für Getränketransporte indes ist bei ein- und zweilagigen Getränkekisten auf Normpaletten nur noch eine Reihe Latten nötig anstatt der drei beziehungsweise vier Reihen bei herkömmlichem Aufbau. EasyFix Stopper nennt sich eine Modifikation am Schiebeverdeck, die nach der Beladung ein Schließen des Schiebeverdecks ohne erneute Entsicherung erlaubt. Extrem leicht baut schon die Basis-Variante des Light plus Coil, der auf der IAA debütiert. Eschey nennt 5.790 Kilo als Basisgewicht. Bis auf 5.420 Kilo lasse sich das Gewicht des superleichten Light plus mit Coil-Ausstattung drücken. Die Gewichtsersparnis gegenüber der Vorgängergeneration von 410 Kilo wollen die Konstrukteure vor allem im Halsbereich erzielt haben, wo die Längsträger in der Höhe um 60 Millimeter abgemagert wurden. Auch dieses Fahrzeug verfügt über den optimierten Außenrahmen sowie den verbesserten Aufbau der Novum-Generation. Serie ist eine Coil-Wanne mit 7.200 Millimetern Länge. Die Blechbänder dürfen im Durchmesser 900 bis 2.100 Millimeter haben und eine Punktlast von maximal 27 Tonnen auf 1,5 Meter erzeugen. Zwei Paar Rungentaschen in der Mulde, ein Paar am Muldenanfang sowie ein Paar im Abstand von 2.050 Millimetern sind ebenfalls Serie. Weitere Taschen sind optional verfügbar.

Humbaur Vorpresse IAA 2018 Aufbau Foto: Humbaur
Die aktuell größte Ausführung des FlexBox-Kofferaufbaus thront auf einem 14-Tonnen-Fahrgestell von Iveco.

CoilFix nennt sich das neue Sicherungssystem. Es besteht aus einem Spannbalken, vier Einsteckrungen mit Schwerlasthaken und Aufnahmen für Distanzrohre sowie je drei Anschlagseilen und Zurrgurten zur Diagonalabspanung. Damit sollen sich die Blechrollen formschlüssig sichern lassen. Komplett neu ist auch das Containerchassis Port 45 Triplex in Leichtbauweise (Basis: rund 4.800 Kilo). Per Front-, Mitten- und Heckausschub lässt es sich für den Transport von 20-, 30-, 40- und 45-Fuß-ISO-Containern rüsten. Es ist außerdem möglich, 40- und 45-Fuß-Highcube-Container zu fahren. Bei den Auszügen vertraut Kögel auf solide Mechanik. Der Mittenauszug wird per Zugmaschine angepasst, vier Stellungen sind von Hand per Zugstange vorwählbar und entsprechend am Rahmen gekennzeichnet, während sich Front- und Heckauszug allein von Hand betätigen lassen. Neu ist die sechsfache Kugellagerung des Frontauszugs, was dem Fahrer das Handwerk erleichtern soll. Am Heck kommt eine Kurbel zum Einsatz, um eine von sieben möglichen Stellungen einzustellen. Mit einer Länge von 12.150 Millimetern ab Königszapfen ist das Chassis laut Kögel vorbereitet auf die Änderung der Richtlinie 96/53/EG zu Maßen und Gewichten von Nutzfahrzeugen.

Hinzu kommen optionale Helferlein

Leichter gemacht hat Kögel auch die 24-Kubik-Mulde. Bis zu 430 Kilo mehr Zuladung wollen die Konstrukteure aus dem Sattelkipper herausgekitzelt haben, was sich maßgeblich auf die Verwendung eines Stahl-Alu-Mixes zurückführen lässt. So bestehen Seitenwände und Rückwand aus fünf beziehungsweise sieben Millimeter Alublech, der Rest des Aufbaus aus Hardox-450-Stahl. Etwa der Boden, der aus vier Millimeter Hardox besteht, weshalb im Vergleich zu einer reinrassigen Alumulde kein Verschleißboden nötig ist. Der Materialmix im Aufbau ist in Kombination mit zwei- und dreiachsigen Fahrgestellen zu haben. Moderaten Feinschliff gibt’s für die Kühler. Kögel verweist auf eine verbesserte Isolation des Aufbaus mit wahlweise 45 oder 60 Millimeter starken Wänden und dem 85 Millimeter starken Dach sowie dem 125-Millimeter-Boden. So soll der Wärmedurchgangskoeffizient (K-Wert) erheblich verbessert sein, was wiederum den Energiehunger der Kühlmaschine zügelt. Hinzu kommen optionale Helferlein wie ein Türkontaktschalter für die Innenbeleuchtung. Der Temperaturschreiber wird nun schräg verbaut, sodass er auch bei aufgesatteltem Trailer gut zu bedienen und abzulesen ist.

Eine weitere Anzeige an der Vorderwand des Aufliegers gibt Auskunft über den Füllstand des Kraftstofftanks für die Kühlmaschine. Und die optionalen Etagen- und Ankerschienen sind nun in die Wände eingeschäumt. Nicht ganz taufrisch bei Kögel, nämlich aus dem Jahr 2017, sind die in die Luxima genannten LED-Mehrkammer-Schlussleuchten integrierten Sensoren der optionalen Rückraumüberwachung. Dennoch lohnt sich ein Blick auf diese Anordnung, die Bauraum spart und die Sensorik aus dem Anfahrbereich des Hecks entfernt. Außerdem verfügt das IAA-Exponat über optional erhältliche Seitenmarkierungen, die beim Abbiegen mitblinken, was Radfahrer vor einem Rechtsüberholen warnen soll. Konzernschwester Humbaur, ursprünglich auf die Leichtgewichte unter den Anhängern spezialisiert, ergänzte die Produktpalette schon zur vergangenen IAA um Aufbauten für leichte Nutzfahrzeuge wie etwa KEP-Fahrzeuge im Segment um 3,5 Tonnen.

Humbaur IAA Vorschau 2018 Streetscooter Work L FlexBox Foto: Thomas Rosenberger
Im leichten Segment setzt Humbaur auch auf dem bis zu 2,6 Tonnen schweren Streetscooter Work L auf.

Humbaur erschließt die schwere Gewichtsklasse

Nun erschließt das Gersthofener Unternehmen mit der sogenannten FlexBox, einem Kofferaufbau mit Sandwich-Paneelen in unterschiedlichen Bauweisen, die Gewichtsklasse darüber, also die der schweren Transporter und Verteiler-Lkw. Konsequenter Leichtbau heißt das selbst ausgegebene Ziel. So soll die Nutzlast auf Basis eines 3,5-Tonnen-Sprinter bei einem Laderaumvolumen von 18 Kubikmetern rund 1.020 Kilo betragen. Im Falle eines Iveco Eurocargo 140E mit 14.000 Kilo zulässigem Gesamtgewicht beträgt die Zuladung 7.500 Kilo und das Ladevolumen 45 Kubikmeter oder 18 Palettenstellplätze. Dazwischen rangieren Aufbauten für schwere Transporter mit 5.500 Kilo zulässigem Gesamtgewicht mit 2.450 Kilo Nutzlast, acht Palettenstellplätzen und rund 20 Kubikmeter Ladevolumen (alle drei mit Ladebordwand). Auch Kühlkoffer sind verfügbar, wovon ein Daily 72C mit Dhollandia-Ladebordwand (andere Marken sind ebenfalls verfügbar) und Mitsubishi-Kühlmaschine (TDJS50) zeugte. Mit einem 18-Kubikmeter-Aufbau sind 3.600 Kilo Nutzlast möglich. Dazu liefert Humbaur Koffer-typische Ausstattungen wie Zurrschienen und Prallschutz. Zudem sucht Humbaur den Schulterschluss mit dem E-Mobilitäts-Spezialisten von Streetscooter.

So liefert der Fahrzeugbauer für das Fahrgestell des Work L einen passenden Aufbau mit Hilfsrahmen, vier Palettenstellplätzen sowie einer Ladebordwand obendrein. Das lässt allerdings die Nutzlast auf 650 Kilo schmelzen bei 2.600 Kilo Gesamtgewicht. Der Antrieb der Ladebordwand zwackt je nach Zahl der Hebebewegungen freilich mehr oder weniger viel von der Reichweite des Transporters ab. Angesichts der erklecklichen Nachfrage nach dem derzeitigen Vorzeige-Elektrotransporter dürfte es dennoch einiges Interesse an dem Kofferaufbau geben, was das Wachstum von Humbaur zusätzlich beflügeln dürfte.

Kögel befindet sich im Aufwind

Zufriedene Gesichter bei den Vertretern der Geschäftsführungen der beiden Schwesterunternehmen Kögel und Humbaur: Die Zahlen für das abgelaufene und das laufende Geschäftsjahr stimmen nach Angaben von Thomas Heckel durchwegs positiv. Die Gruppe erwirtschaftete demnach zuletzt einen Gesamtumsatz von 580 Millionen Euro und setzte gut 68.000 Fahrzeuge ab. Davon entfallen 450 Millionen Euro und 16.750 Fahrzeuge auf Kögel und 52.000 Anhänger und Aufbauten sowie 130 Millionen Euro Umsatz auf Humbaur. Zudem sind die Aussichten vielversprechend. Laut Massimo Dodoni, in der Geschäftsführung zuständig für den Vertrieb in Osteuropa inklusive Russland und Italien, nahm in diesen Regionen der Absatz bezogen auf das erste Halbjahr 2017 im ersten Halbjahr 2018 um fast 63 Prozent auf 6.449 Fahrzeuge zu. Wobei die Treiber Tschechien, Russland und die Balkanstaaten sind. Insgesamt sollen es in diesem Jahr 10.000 Neufahrzeuge werden. Ähnlich positiv entwickelt sich der Absatz in den westeuropäischen Regionen.

Im gleichen Zeitraum betrug der Absatz an neuen Trailern der Marke Kögel 5.638 Einheiten. Das entspreche einem Plus von rund 34 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017, erklärte Josef Warmeling, seit April dieses Jahres Geschäftsführer für Vertrieb in den westeuropäischen Ländern. Am Ende will er 8.000 Einheiten verkaufen. Die Nachfrage kommt hier vor allem aus Deutschland, Spanien und Belgien. Dagegen sieht Warmeling Kögel „am Anfang der Reise“ in Frankreich, England sowie in Skandinavien. Dort will er künftig ansetzen, um den Absatz von Kögel weiter zu forcieren. Insgesamt will das Unternehmen aus Burtenbach bis Ende des Jahres 18.000 neue Trailer in den Markt bringen. Nachdem die Planenauflieger zu den Bestsellern gehören, will der Vertrieb vor allem im Segment der Koffer- und Kippfahrzeuge Gas geben. Dazu sei es nötig, Aftersales, insbesondere das Ersatzteile-Netzwerk, das Angebot an Telematik, Full Service, Finanzierung und das Geschäft mit Gebrauchtfahrzeugen auszubauen.

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