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Güterverkehre aus dem Takt Mehr Resilienz für die Schiene

Foto: DB AG/Markus Kehnen

Die Probleme durch Baustellen auf dem deutschen Schienennetz lösen einen Dominoeffekt aus. Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel sieht Parallelen zu Rastatt und fordert mehr Resilienz für die Schiene.

Die vielen Baustellen auf der Schiene haben den Güterverkehr völlig aus dem Takt gebracht. Die Grünen sehen Parallelen zu Rastatt und fordern dringend mehr Resilienz für das deutsche Schienennetz. Soll heißen: Es muss in der Lage sein, Beeinträchtigungen besser wegzustecken und trotz Baustellen leistungsfähig zu bleiben. Dafür ist es erforderlich, dass dem Güterverkehr geeignete Ausweichrouten zur Verfügung stehen.

Elektrifizierungsprogramm nur ein Schmalspurprogramm

„Das deutsche Schienennetz braucht mehr Resilienz, das war die zentrale Erkenntnis und Lehre aus Rastatt“, sagt der Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel gegenüber der Fachzeitschrift trans aktuell. „Doch passiert ist bis heute praktisch nichts.“ Das von der Großen Koalition angekündigte Elektrifizierungsprogramm zur Schaffung von Alternativstrecken sei noch nicht einmal ein Schmalspurprogramm.

„Von 173 untersuchten Strecken sollen ganze zwei Ausweichstrecken mit einer Länge von 143 Streckenkilometern elektrifiziert werden. Damit verbessern wir die Resilienz im Netz nicht ansatzweise“, erklärt Gastel. Er sieht das Programm gescheitert und macht dafür eine völlig falsche Herangehensweise des Bundesverkehrsministeriums verantwortlich, das hier sehr stark den Fokus auf Nutzen-Kosten-Untersuchungen (NKU) gelegt hat. „Wer mehr Resilienz im Netz will, der muss dafür bereit sein, auch einen Preis in Form von Infrastrukturinvestitionen zu zahlen und darf sich nicht hinter dem Bürokratiemonster NKU verschanzen“, erklärt der Grünen-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Nürtingen-Filder. Hier brauche es einen Neustart. Streckenelektrifizierungen zur Verbesserung der Netzresilienz müssten künftig von einer klassischen NKU freigestellt werden oder dürften nur ein vereinfachtes Verfahren durchlaufen, regt er an. Dabei müsse die Funktion als Ausweichroute entsprechend stark gewichtet werden.

Foto: Büro Gastel
„Die Rückmeldungen zur Pünktlichkeit und Betriebsqualität im Schienengüterverkehr, die wir von den Güterbahnen derzeit erhalten, sind alarmierend“, sagt Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel.

Der Verkehrsexperte der Grünen, in der vergangenen Legislaturperiode bahnpolitischer Sprecher seiner Fraktion, nimmt die aktuellen Störungen sehr ernst. „Die Rückmeldungen zur Pünktlichkeit und Betriebsqualität im Schienengüterverkehr, die wir von den Güterbahnen derzeit erhalten, sind alarmierend“, berichtet er. „Da ist von Verhältnissen die Rede, die manche Vertreter in ihrem ganzen Berufsleben noch nicht durchgemacht haben und von katastrophalen Zuständen.“

Auswirkungen auf das gesamte Schienennetz

Eine Parallele zu Rastatt, der Unterbrechung der Oberrheinstrecke im Spätsommer/Herbst 2017, sieht Gastel nicht zuletzt deshalb, weil die Auswirkungen nicht auf das deutsche Eisenbahnnetz beschränkt waren und sind. Betroffen sei aktuell auch die wichtigste Nord-Strecke, die Bestandteil des europäischen Rhein-Alpen-Korridors ist. „Wenn es hier Probleme gibt, dann löst dies einen Dominoeffekt aus und betrifft unsere europäischen Nachbarn in den Beneluxländern genauso wie in der Schweiz oder Italien“, sagt der Grünen-Verkehrsexperte. Der Brandbrief europäischer Industrieverbände an die EU-Verkehrskommissarin sowie den neuen Bundesverkehrsminister und seinen Amtsvorgänger habe erneut die europäische Dimension der aktuellen Problemlage im deutschen Schienennetz deutlich gemacht.

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„Deutschland hat aufgrund seiner zentralen Lage eine europäische Verantwortung“, erklärt der Bundestagsabgeordnete Gastel. Der Unterschied zu „Rastatt 2017“ liegt für ihn auf der Hand: Die damalige Streckenunterbrechung habe sich ungeplant ereignet, Grund war ein Unglück beim Tunnelvortrieb. „Die heutigen Zustände sind Ergebnis geplanter Baumaßnahmen.“ Daraus folgert der Grünen-Politiker: „Die Planung dieser Baumaßnahmen läuft offenbar schlecht.“ Jedenfalls müssten sie besser als bisher koordiniert und auch international abgesprochen werden. „Wie kann es sein, dass zeitgleich an der linken und rechten Rheinstrecke gebaut wird?“, fragt er. Beide Strecken bildeten die Hauptschlagader des europäischen Schienengüterverkehrs. „Ähnliche Verhältnisse haben wir in abgewandelter Form immer wieder: Es wird an einer wichtigen Gütermagistrale und parallel an den potenziellen Ausweichstrecken gearbeitet“, kritisiert der 50-Jährige. „Das muss ins Betriebschaos führen“ – daher die Forderung nach mehr Resilienz.

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