Homeoffice als Gesundheitsrisiko

Burnoutgefahr im Lockdown

Fuhrparkmanager 2021 Foto: detailblick/ Fotolia

Die pandemiebedingten Veränderungen im Arbeitsalltag können nicht nur für mehr Produktivität sorgen - sie schaffen auch gesundheitliche Probleme bis hin zum Burnout.

Von dieser problematischen Entwicklung ist auch die Logistikbranche nicht ausgenommen. So stellt die Marktbeobachtung des Bundesamtes für Gütervkehr (BAG) zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt zum wiederholten Male fest, dass „die Leistungsfähigkeit, Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten vor dem Hintergrund physischer und psychischer Belastungen sowohl auf der Arbeit als auch im privaten Umfeld leide“. Ängste und soziale Konflikte nähmen zu.

Allein Lebende und Familien besonders betroffen

Aus einigen Unternehmen selbst gibt es Rückmeldungen, dass es inbesondere allein lebende Mtarbeiter hart trifft. Wer sich nur noch in den eigenen vier Wänden am Küchentisch über ein Laptop in die Disposition einklinken kann, dem fehlt das Großraumbüro und der spontane Austausch mit den Kollegen, bei dem steht dann irgendwann die Einsamkeit ganz groß im Raum, weil der Bildschirm nicht die Menschen ersetzt. Dagegen ist es in Familien mit Kindern oftmals kaum möglich ist, in der privaten Wohnung einen angemessenen und ruhigen Arbeitsplatz zu schaffen.

DEKRA-Report: Negativer Stress nimmt zu

Auch wenn die Arbeitgeber für Laptops sorgen, ist damit noch längst nicht gewährleistet, dass auch sonst die Bedingungen im Homeoffice stimmen. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten klagt dort über gesundheitliche Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen. Auch der negative Stress werde mehr, ergibt sich aus dem DEKRA Arbeitssicherheitsreport 2021. Immerhin fühlt sich mit 84 Prozent die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer zu Hause zumindest vor einer Infektion mit dem Corona-Virus gut geschützt. Für die repräsentative Umfrage hatte DEKRA gemeinsam mit dem Institut forsa repräsentativ bundesweit 1.502 Beschäftigte befragt.

Ein Drittel beklagt unzulängliche Ausstattung

Die neue Arbeitssituation in der Pandemie habe für viele Beschäftigte negative Auswirkungen auf die körperliche und häufig auch auf die mentale Gesundheit, sagt Karin Müller, Leiterin des Bereichs Mensch & Gesundheit bei DEKRA. Wegen eines mangelhaften, nicht-ergonomischen Arbeitsplatzes beispielsweise litten 36 Prozent unter Verspannungen, Rücken- oder Kopfschmerzen. Ähnlich viele hätten mit fehlender oder unzulänglicher Arbeitsausstattung wie einem zu kleinen Bildschirm oder instabilem Internet zu kämpfen (34 Prozent). Längere Arbeitszeiten oder Arbeiten zu untypischen Zeiten, wie am Abend oder am Wochenende, beträfen 32 Prozent.

Arbeitgeber in der Pflicht

Eine Folge dieser Situation im Corona-Jahr 2020 war, dass laut Krankenkasse DAK die Ausfalltage aufgrund von Rückenbeschwerden im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gestiegen sind. Fehlzeiten aufgrund von psychischen Erkrankungen nahmen um acht Prozent zu und erreichten einen neuen Höchststand. Karin Müller sieht die Arbeitgeber in der Pflicht. „Das Homeoffice darf für die Chefs keine Blackbox sein“, hebt sie hervor. Die Arbeitgeber müssten auch dort Gefährdungen für die Mitarbeiter erfassen, vor allem im Hinblick auf Ergonomie und ungesunden Stress. Nicht zuletzt digitale Schulungen und Befragungen könnten helfen, die Mitarbeiter zu Hause besser zu schützen und anzuleiten.

Angst am Arbeitsplatz

Eine Studie von Unternehmensberater McKinsey kam zu dem Ergebnis, dass sich fast die Hälfte (49 Prozent) aller Angestellten weltweit sehr stark, stark oder teilweise ausgebrannt fühlten. Hierbei müsse man aber noch von einer Dunkelziffer ausgehen, da Beschäftigte im Burnout eher selten Umfragen beantworteten oder bereits nicht mehr arbeiteten, so das Papier. Das betreffe insbesondere Frauen, die von der Covid-19-Krise unverhältnismäßig stark betroffen seien. Ein wichigter Grund für das Ausgebranntsein sei die schlechte Kommunikation der Unternehmen, die für die Zukunft über hybride Arbeitsmodelle nachdächten, bei denen der Job sowohl im Betrieb wie auch von zu Hause ausgeübt wird, und nicht darüber informierten. Das verursache Angst zur Zukunft des Arbeitsplatzes.

Bessere Informationen und flexible Regelungen erwünscht

Auch wenn sich während des Lockdowns gezeigt habe, dass die Arbeitnehmer daheim produktiver sind, sei diese Erkenntnis nicht in Stein gemeißelt, fand die McKinsey-Studie heraus: „Es ist bekannt, dass Angst die Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung verringert und einen negativen Einfluss auf die zwischenmenschlichen Beziehungen unter Kollegen hat“, schreiben die Autoren. Ein Viertel der über 5.000 Befragten sei bereit, den Arbeitsplatz zu wechseln, wenn es künftig keine flexiblen Regelungen gebe, andere fürchten, im Homeoffice völlig vom Job vereinnahmt zu werden und zudem alle Kosten für den Arbeitsplatz selbst tragen zu müssen.

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