Geschlossene Raststätten

Frankreichs Fahrer drohen mit Streik

Lkw-Fahrer in Frankreich streiken Foto: Matthias Rathmann; Montage: Monika Haug

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus sind auch in Frankreich wieder die Raststätten an Autobahnen und Nationalstraßen geschlossen. Die Gewerkschaften drohen mit Streiks.

Vier Transportarbeitergewerkschaften haben sich in ungewohnter Einmütigkeit in einem Brief an die französische Regierung gewandt. Sie fordern, die Raststätten trotz der Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der Pandemie sofort wieder zu öffnen. Sie hielten für die Fahrer warmes Essen bereit und sorgten für anständige sanitäre Einrichtungen und für sichere Parkplätze. Ihre Schließung sei eine Verletzung der Würde der Fahrer. „Der Staat hat aus der Vergangenheit nichts gelernt“, lautet der Vorwurf.

Ausnahmen gefordert

Raststätten seien für die Fahrer unverzichtbar und es müssten Ausnahmegenehmigungen erteilt werden, um für erträgliche Arbeitsbedingungen zu sorgen. Darauf hätten auch die Fahrer ein Recht. Die Gewerkschaften zeigen sich kompromisslos und bereit, die Beschäftigten bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen, sollte die Regierung nicht einlenken. „Der Winter naht, und unsere Kollegen sollen ein kaltes Essen in ihren Fahrzeugen zu sich nehmen, ohne Zugang zu Waschräumen und vor allem ohne das soziale Miteinander, das die „Relais“ kennzeichnet - das ist nicht akzeptabel“, sagte Patrick Blaise von der Gewerkschaft CFDT route. Die Raststätten hätten sich zudem mit strengen Hygieneregeln an die Situation angepasst.

Unterstützung von den Arbeitgebern

Die Fahrer sind für das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft unverzichtbar. Das wissen nicht nur die Gewerkschaften, die von den mittelständischen Arbeitgebern der Unostra Unterstützung erhalten. Sie wollen ihre Angestellten nicht wieder in die unhaltbaren Zustände dieses Frühjahres fahren lassen. Die übersetzte Formel dafür lautet: Keine Restaurants + Sanitäreinrichtungen = Keine Warenlieferung. Auch die Arbeitgeberorganisationen FNTR, TLF und OTRE stehen hinter den Fahrern und fordern, dass ihnen am Tisch eine warme Mahlzeit serviert wird. Das sei „das Mindeste, was die Nation ihnen schuldet“, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Wir fahren für Euch!“

Ohne Fahrer sei es unmöglich, 67 Millionen Franzosen zur versorgen, und so hat man sich wie im Frühjahr erneut unter dem Schlagwort „#OnRoulePourVous! - Wir fahren für Euch!“ zusammengefunden. Die Verbände haben einen nationalen Solidaritäts-Aufruf lanciert, bei dem sich Unternehmen in ganz Frankreich registrieren lassen können, die Fahrer willkommen heißen. Die Liste soll insbesondere in den sozialen Netzwerken veröffentlicht werden. Dahinter steht der Gedanke: „Wenn wir heute alles haben, was wir brauchen, dann deshalb, weil ein engagierter Fahrer hinter dem Steuer seines Lastwagens sitzt, um es zu uns zu bringen.“

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