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Geschlossene Grenzen

Griechenland riegelt ab

Foto: Andrea Lehmkuhl

Prekäre Lage in Griechenland: Geschlossene Grenzen provozieren Probleme für Transportunternehmen.

Die Abriegelung der Balkanroute für Flüchtlinge wird nach Einschätzung von Experten für die Transportbranche neue Probleme mit sich bringen. Denn die in Griechenland Gestrandeten werden andere Möglichkeiten suchen, um weiter nach Norden zu gelangen. Eine davon ist die illegale Fahrt im Lkw. Der Zug- und der intermodale Verkehr sind von dem Problem mit Schienenblockaden und blinden Passagieren bereits stark betroffen, auch wenn dies nicht gern zugegeben wird.

"Je mehr Zäune es gibt, umso mehr Grund gibt es, sich in einem Lkw zu verstecken", sagt Robert Missen, innerhalb der EU-Kommission zuständig für Transportsicherheit auf dem Land- und Wasserweg, gegenüber trans aktuell. Es gehe auch um die Fähren zwischen Griechenland und Italien. Dass es darauf Probleme gibt, wurde trans aktuell von mehreren Seiten bestätigt. Es heißt, die Griechen kontrollierten genau und beschlagnahmten auch Lkw. In Italien hingegen sehe man das Ganze recht locker.

Bisher keine Zwischenfälle

Bislang läuft der Verkehr über die Straße noch recht gut. So verzeichnete die Hamburger Spedition Reimler noch keine Zwischenfälle in Griechenland. Sie wickelt Aufträge mit dort ansässigen Unternehmen ab, wie Geschäftsführer Dieter Christiansen sagt. Er geht aber davon aus, dass die Menschen sich etwas einfallen lassen, um weiter zu kommen. Sollte sich die Lage zuspitzen, werde man die Destination streichen.

Jens Pejril, Geschäftsführer von Fixemer Logistics aus Perl, rechnet damit, dass sich die Situation auf dem Landweg nach Griechenland verschlechtern wird. Die beauftragten Firmen erhielten zwar entsprechende Empfehlungen für ihre Sicherheit. Bei den Verkehren nach England habe man aber gesehen, dass es keinen 100-prozentigen Schutz gebe. Der Griechenland-Anteil am Fixemer-Geschäft sei nicht bedeutend. "Wenn wir Geld mitbringen müssen, um dort zu transportieren, überlegen wir uns, ob wir nicht besser aussteigen."

Hilfestellungen für mehr Sicherheit

Das wäre für die Firma Road Solution Logistik Service aus dem österreichischen Wels nicht möglich. Griechenland ist mit 90 Prozent Anteil die Hauptrelation des Unternehmens, das pro Woche auf 30 bis 40 Abfahrten kommt. "Bislang haben wir auf der Straße fast keine Einschränkungen und routen immer noch über den Balkan, meistens durch Mazedonien", sagt Geschäftsführer Andreas Niederndorfer. Die Sicherheitsorgane vor Ort trennten Flüchtlinge und Lkw gut voneinander, und es gebe keine Laufzeitverschiebungen. Grundsätzlich würden nur gesicherte Parkplätze angefahren und es gelte die Regel, zwischen Thessaloniki und Evzoni nicht mehr zu stoppen, sagt Niederndorfer. Die Fahrzeuge mit Kofferaufbau seien mit einem Sicherheitsschloss ausgestattet.

Die Abteilung von EU-Kommissionsmann Missen bereitet derzeit zusammen mit der Branche Informationen und Hilfestellungen vor, die für mehr Sicherheit sorgen sollen. So ist eine Checkliste für Fahrer vorgesehen, die sie abarbeiten können, bevor sie ihr Fahrzeug starten. Ferner soll eine Broschüre Entscheidungsträgern in Speditionen Hinweise geben, wie Fahrzeug und Ladung besser geschützt und entsprechend ausgestattet werden können. Nicht zuletzt soll ein Papier für Verständnis bei den Verladern werben, die das Problem häufig ignorieren und sich nicht an den Kosten beteiligen wollen.

Das Elend in Idomeni

Die Lage der Flüchtlinge am griechischen Grenzort Idomeni spitzt sich immer mehr zu: Bis zu 14.000 Migranten, die auf eine Weiterreise nach Mazedonien hoffen, sitzen dort fest. Da die Staaten auf der sogenannten Balkanroute ihre Grenzen dicht gemacht haben, sitzen die Flüchtlinge in Griechenland fest: im ganzen Land bis zu 45.000 an der Zahl. Eine entscheidende Rolle spielt die Türkei. Sie wäre bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen, wenn die EU im Gegenzug die Syrer einreisen lässt und drei Milliarden Euro lockermacht.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Titel ta 07 2016
trans aktuell 07 / 2016
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